Weil am Rhein Wochenmarkt: Wenn die Grenze zu ist

Weil am Rhein - Strahlender Sonnenschein, betrübte Mienen: Die Situation auf dem Weiler Wochenmarkt stellte sich gestern Morgen ohne Schweizer und französische Kunden sehr seltsam dar. „Relativ ruhig“, „betrübte Stimmung“ oder auch „ein bisschen gespenstisch“ empfinden es die Verkäufer an den Ständen auf dem Rathausplatz.

Über jeden Kunden freut sich Bärbel Fischer-Trimborn vom gleichnamigen Hofladen in Haltingen. Frische Kresse und frische Blattsalate hat sie neu im Angebot, doch die Schweizer und die französischen Kunden fehlen als Käufer, womit der Absatz deutlich schlechter ausfällt als an üblichen Markttagen. „Das ist schade, es wächst ja trotzdem.“ Wobei sie sich um die aktuellen Auswirkungen des Frostes sorgt, da auch Zwetschgen und Mirabellen schon voll in Blüte stehen. Mit Blick auf das Obst und Gemüse gibt sie dann noch den Tipp mit auf den Weg, sich gesund zu ernähren und das Immunsystem zu stärken.

„Man kann hier gut einkaufen“, wirbt Conny Butz von der Gärtnerei Hoch-Rheinhard in Fischingen. So seien die Kunden auf dem Rathausplatz an der frischen Luft und hätten Platz, um Abstand voneinander zu halten. Dennoch sei in Schönau und Schopfheim aktuell mehr los auf den Märkten. „Es sind in Weil nicht nur die Schweizer Kunden, die fehlen.“ Viele Menschen hätten Angst, wobei sie selbst sich für die Zukunft optimistisch gibt.

Etwa 30 Prozent Umsatzeinbußen verzeichnet Feinkost Sirin aus Wehr auf dem Weiler Markt, sein Restaurant in Bad Säckingen musste hingegen schon aufgrund der neuen Bestimmungen komplett schließen. „Man muss nicht unbedingt Käse kaufen, wenn man Kurzarbeit leistet“, weiß Inhaber Mücahit Sirin um die Situation von einigen Kunden. Während die Schweizer und Franzosen wegen der Grenzschließung nicht kommen, bemerkt er aber viele neue Kunden, die unterwegs sind und lieber unter freiem Himmel als im Geschäft ihre Lebensmittel einkaufen. „Die Leute nehmen hier viel Abstand, womit sich die Gefahr der Ansteckung verringert“, erklärt Inhaber Sirin. Mitgebrachte Tupperwaren, in die er ansonsten auch Oliven & Co. füllt, sind zudem tabu. „Das ist auch sinnvoll.“ Solange der Markt offen sei, ist Sirin zufrieden.

Silke Krenzlin vom Hofladen Martin Scheurer aus Holzen nimmt insgesamt eine betrübte Stimmung auf dem Mittwoch-Markt wahr. „Man merkt, dass die Leute Angst haben, einem selbst geht es ja ähnlich.“ Mit Handschuhen und Teller für das Bargeld begegnet man am Stand unter anderem der Situation. „Man ist insgesamt vorsichtiger.“ Während auf dem Markt die Schweizer und Franzosen fehlen, laufe der Hofladen in Holzen hingen gut. Auch Kunden, die sonst nicht dort seien, kommen, freut sich Krenzlin.

Isa Schaulin blickt beim Rundgang unserer Zeitung über den Markt an ihrem Stand in Richtung wolkenlosem Himmel. „Zum Glück scheint die Sonne. Die Situation insgesamt ist aber eher traurig. Dabei geht es einem ja gesundheitlich noch gut.“ Erstaunlich sei, dass noch viele Kunden zum Hofladen kommen und Besorgungen erledigen. Sellerie, Lauch und Kartoffeln sind am Schaulin-Stand besonders gefragt.

Von einer eher schlechten allgemeinen Stimmung berichtet auch Andrea Frank vom Café Lamm. Mindestens die Hälfte der Kundschaft fehle aufgrund der geschlossenen Grenzen. Besonders Brote gehen gut über die Standtheke. Ältere Menschen, die ihre Sorgen erzählen, sind Käufer. Auch „viele tolle Kunden, die sich bedanken, dass wir trotzdem arbeiten“ gibt es auf dem Markt, schildert Frank. „Das tut uns gut, weil uns die Situation auch sehr belastet. Aber ich blicke schon optimistisch in die Zukunft.“

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