Weil am Rhein Wohnbau will nicht in Aktionismus verfallen

Die Dreizimmerwohnungen an der August-Bauer-Straße sind stark gefragt, weniger die kleinen Wohnungen. Foto: Alisa Eßlinger

Weil am Rhein - Rückendeckung von der Politik: Der vor eineinhalb Monaten schon vorgestellte Jahresabschluss der städtischen Wohnbau ist am Montagabend im Finanzausschuss auf Zustimmung gestoßen. Die Politik lobte die Arbeit, appellierte, den Abbau des letzten Schweizer-Franken-Darlehens voranzutreiben und sorgte sich um die ausreichende Wohnraumversorgung. Deutlich wird aus dem Bericht aber auch: Die Fluktuation bei den Mietern steigt.

Baukräne gehören in der Grenzstadt aktuell zum Gesamterscheinungsbild. „Was geht noch?“ Eine einfache Antwort auf diese Frage des ehrenamtlichen OB-Stellvertreters Jürgen Walliser (UFW) gibt es für Wohnbau-Geschäftsführer Andreas Heiler schon alleine aufgrund von mehreren begrenzenden Faktoren nicht. Klar sei: „Noch mehr in Aktionismus zu verfallen und noch mehr zu bauen, halte ich nicht für sinnvoll.“ Vielmehr wolle seine Gesellschaft auch die nächsten Jahre „auf Sicht“ fahren.

Nachfrage unterschiedlich

Eine lange Liste mit Mietinteressenten führt die Weiler Wohnbau im Gegensatz zu den Lörracher Kollegen auch nicht, aus der dann ein möglicher Bedarf gemessen werden könnte. „Stichtagsgenau“ werde der Bedarf vielmehr bei den Wohnungsbesichtigungen deutlich, für die es im Schnitt 20 bis 30 Interessenten gebe. „Das ist gleichbleibend.“

Besonders groß ist die Nachfrage nach dem größten Bauprojekt der Wohnbau-Historie, dem Millionenvorhaben an der August- Bauer-Straße. „Wir hätten das Gebäude drei Mal bauen können“, habe es eine enorme Resonanz gegeben. Lediglich sieben Eineinhalb- Zimmerwohnungen und eine Penthouse-Wohnung seien noch frei. Zum Zeitpunkt der Planungen seien die kleinen Wohnungen sehr gefragt gewesen, erinnerte Bürgermeister Rudolf Koger.

„Ich sehe überhaupt kein Problem“, verwies Heiler gestern gegenüber unserer Zeitung zudem darauf, dass die Wohnungen erst im Sommer nächsten Jahres übergeben werden können. Dass die kleinen Wohnungen im Gegensatz zu den Dreizimmerwohnungen sich nicht mehr so großer Nachfrage erfreuen, ist dem Geschäftsführer aber bewusst. „Ich sehe nicht so den Bedarf.“ Dabei habe es von Seiten der Gewerkschaft seinerzeit genau diese Forderungen gegeben, auch gebe es angeblich den Tiny-House-Trend.

Höhere Fluktuation

Tiefe Sorgenfalten auf der Stirn sind beim Wohnbau-Geschäftsführer auch nicht bei der Thematisierung der gestiegenen Fluktuation zu erkennen. Im Mehrjahresvergleich stieg die Rate von 5,7 Prozent (2015) auf im vergangenen Jahr 7,4 Prozent. Der Leerstand innerhalb dieses Zeitraums stieg leicht von 3,8 Prozent auf 4,4 Prozent.

Zwei Faktoren macht Heiler im Gespräch hierfür verantwortlich. Einerseits werde berufsbedingt der Wohnort gewechselt, andererseits kommen die Wohnbau-Mieter auch in die Jahre, weiß der Geschäftsführer. Die Gesellschaft wurde 1955 gegründet, wer also mit 20 Jahren eingezogen ist, lebt nun als Senior in den Räumen, was nicht bei wenigen der Fall sei. Hinzu komme bei der Fluktuation, dass an der Breslauer Straße 15 insgesamt Wohnungen neu bezogen werden konnten. „Selten haben wir eine Fluktuation, weil die Mieter unzufrieden sind“, betont Heiler.

Insgesamt hätten damit auch 74 Wohnungen neu vermietet werden können. Zuvor werde dann entsprechend ordentlich saniert und eine Küche eingebaut. Die Leerstandsquote von 4,4 Prozent sei auch nicht negativ, sondern aufgrund von Wechseln üblich. Hinzu komme, dass beim Liegnitzer Weg 8 das Hochhaus in den nächsten acht bis zehn Jahren abgerissen und an gleicher Stelle neu gebaut werden soll.

Franken-Darlehen abbauen

Im Finanzausschuss quittierten die Mitglieder die im August der Presse schon vorgestellten Zahlen (Ausgabe vom 6. August) mit Wohlwollen. Andreas Rühle (UFW) mahnte aber, das Schweizer-Franken-Darlehen abzubauen. Bürgermeister Koger verwies hier auf das schon aufgezeigte Szenario. Doch der Wechselkurs passte noch nicht.

Von einem „guten Bestand, auf den man stolz sein kann“, sprach Grünen-Fraktionschef Martin Fischer mit Blick auf die mehr als 1000 Wohnungen. Auch Matthias Dirrigl (SPD) lobte den bezahlbaren Wohnbau-Wohnraum.

Der Finanzausschuss empfahl dem Gemeinderat, dass die Vertreter der Stadt ermächtigt werden sollen, in der Gesellschafterversammlung dem Jahresabschluss mit einer Bilanzsumme von 75,8 Millionen Euro und einer Zuführung von rund 410 000 Euro zuzustimmen. Denn die Wohnbau erzielt eine Überschuss von gut 450 000 Euro.

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