Weil am Rhein Wohnen und leben in BRD und DDR

VEB Textilkombinat Cottbus, DDR Damenmode, 1978 Foto: akg-images / Günter Rubitzsch Foto: Weiler Zeitung

Weil am Rhein. Geprägt durch Bauhaus und Werkbund, erlangte das deutsche Design zu Beginn des 20. Jahrhunderts weltweite Bedeutung. Mit der deutschen Teilung ab 1949 entwickelten sich Design und Alltagskultur auf beiden Seiten der Grenze getrennt weiter – im Westen als Motor des „Wirtschaftswunders“, im Osten als Teil sozialistischer Planwirtschaft.

Mehr als 30 Jahre nach dem Fall der Mauer präsentiert das Vitra Design Museum vom 20. März bis 5. September die erste große Gesamtschau über das deutsch-deutsche Design der Nachkriegszeit. Die Ausstellung „Deutsches Design 1949–1989. Zwei Länder, eine Geschichte“ stellt das Design der damaligen DDR und BRD vergleichend gegenüber und verdeutlicht dabei ideologische und gestalterische Unterschiede ebenso wie Parallelen und Querbezüge, die Ost und West verbanden. Die Exponate reichen von ikonischen Möbeln und Leuchten über Grafik, Industriedesign und Inneneinrichtung bis hin zu Mode, Textilien und Schmuck.

Design zur Schaffung neuer Identitäten

Der erste Ausstellungsbereich versetzt die Besucher in verschiedene Szenen aus dem geteilten Deutschland und zeigt, welche Rolle Design darin spielte. Schon bei der Entstehung der beiden neuen Staaten trug Design zur Schaffung neuer Identitäten bei, die sich etwa in unterschiedlichen Währungen, Ausweisen, ja selbst in den berühmten Ampelmännchen spiegelten.

Nach dieser Einleitung erzählt die Ausstellung die deutsch-deutsche Designgeschichte in chronologischer Abfolge. Sie beginnt im Jahr 1949. In beiden Staaten trieben öffentliche Wohnungsbauprogramme den Wiederaufbau voran, was zu einer rasant steigenden Nachfrage nach Konsumgütern führte – von Möbeln und Geschirr über Elektrogeräte bis hin zu Automobilen.

Eine Schlüsselrolle für die industrielle Entwicklung der DDR hatte der Trabant. Bis heute gilt der Trabi mit seiner Karosserie aus recyceltem Kunststoff als Kultobjekt ostdeutscher Gestaltung.

Mit Willy Brandts Ostpolitik begann in den 1970er Jahren eine Annäherung zwischen den beiden deutschen Staaten, die 1989 im Fall der Mauer gipfelte. Das Design in Ost und West spiegelte in dieser Phase ein zunehmend kritisches Bewusstsein wider.

Nach dem Fall der Mauer 1989 wurden große Teile der DDR-Industrieproduktion abgewickelt, und es verschwanden viele der Produkte, die den Alltag in der DDR geprägt hatten.

Die Ausstellung stellt das Design von DDR und BRD bewusst auf Augenhöhe gegenüber. Einerseits wird dabei die politische Bedeutung von Design in der Ära des Kalten Krieges deutlich, andererseits offenbart sich eine faszinierende Vielfalt an Entwurfsstilen und Haltungen, die einen differenzierteren Blick als den auf die ideologischen Gegensätze von Ost und West verlangen. Erstmals wird das deutsche Design der Nachkriegszeit als gemeinsame Geschichte betrachtet – mit Unterschieden und Brüchen, aber auch Gemeinsamkeiten und Querverbindungen.

Nach der Präsentation im Vitra Design Museum wird die Ausstellung im Kunstgewerbemuseum, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, gezeigt. Die Ausstellung und ihre internationale Tournee werden vom Auswärtigen Amt gefördert. Zur Ausstellung erscheint eine umfangreiche Publikation.

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