Weil am Rhein Zwischen Abstandhalten und Kontaktsuche

In der Notbetreuung nutzen die Erzieherinnen die Zeit, um auch ausgefallene Sachen mit den Kindern zu machen. Foto: sba

Weil am Rhein - Nach dem ersten Lockdown ist die Notbetreuung für die Kita-Kinder fast ein Klacks – die Erzieherinnen können aus ihren Erfahrungen schöpfen und die Kinder haben die Corna-Regelungen verinnerlicht. Doch die Leiterinnen der Weiler Kitas haben Bedenken bei einer zu frühen Öffnung der Betreuungseinrichtungen, wie im Gespräch mit unserer Zeitung deutlich wird.

Die Kindergärten und -tagesstätten sind vorerst bis zum 31. Januar geschlossen. Doch das Kultusministerium in Baden-Württemberg zieht eine vorzeitige Öffnung zum 18. Januar in Erwägung. Bis dahin gilt aber eine Notbetreuung. Der Vorteil im zweiten Lockdown ist: Die Notbetreuung steht nicht nur Kindern, deren Eltern systemrelevante Berufe ausüben, zur Verfügung, sondern auch Kindern, deren Eltern berufstätig und/oder alleinerziehend sind. Allerdings müsse vom Arbeitgeber eine Bescheinigung vorliegen, in der die Unabkömmlichkeit bei der Arbeit bestätigt ist. Diese Regelung gelte auch für Eltern im Homeoffice, sagt die Weiler Hauptamtsleiterin Annette Huber.

Kita Markgräfler Straße

Rund 85 Kinder sind derzeit bei den städtischen Kindergärten angemeldet. Dazu gehören auch die Kinder der drei Einrichtungen Kita Markgräfler Straße, Kita Ötlingen und Kita „Schwalbennest“. Auch wenn sich Leiterin Karen Schumann freuen würde, wenn alle Schützlinge wieder im Haus sind, glaubt sie noch nicht daran, dass sich die Türen am 18. Januar wieder für alle Kinder öffnen werden.

Doch wenn es so sein sollte, dann gehe es mit den Kindern raus in die Reben. „Wir sind jetzt schon viel draußen.“ Dabei bemerkt sie positiv: „Die Kinder sind viel weniger krank. Die frische Luft hat sie wohl abgehärtet.“

Es liege aber auch an den Hygiene-Vorschriften, die die Kinder mittlerweile recht gut beherrschen: „Wir hätten uns das korrekte Händewaschen auch schon früher gewünscht“, lacht Schumann. Auch das regelmäßige Lüften klappe mithilfe einer Lüftungsuhr gut. Diese piepst alle 30 Minuten und erinnert die Kinder und Erzieher ans Lüften. „Die Kinder warten schon immer darauf. Teilweise laufen sie den Erziehern hinterher und erinnern sie daran“, erzählt Schumann.

Kita am Hebelplatz

Auch in der Kita am Hebelplatz gibt es eine solche Uhr. Eine alte Bahnhofsuhr wurde eigens dafür umfunktioniert. Ein Leuchtpunkt markiert die Zeit, wann wieder gelüftet werden muss. „Dabei lernen die Kinder gleichzeitig auch, die Uhr in drei Drittel zu teilen. Sie haben richtig Spaß dabei, weil sie gerne Eigenverantwortung übernehmen und die Ablaufstruktur mögen“, sagt Leiterin Brigitte Vögtlin. Sie zieht dabei einen positiven Schluss aus dem Pandemie-Alltag: „Sie lernen etwas, das sie unter anderen Umständen so nicht gelernt hätten.“

Allgemein seien die Kinder nun mit Corona-Maßnahmen und -regelungen vertrauter. „Zwar haben wir nun mehr Kinder in der Notbetreuung als während des ersten Lockdowns, aber dafür sind sie erfahrener“, sagt sie.

Im Gegensatz zu den andern Kita-Leiterinnen hofft Vögtlin, dass die Kitas ab dem 18. Januar noch nicht geöffnet werden. „Wir müssen die Ballung gering halten, damit die Inzidenz-Zahlen sinken. Aber es gibt genug Gründe, die für eine frühere Öffnung sprechen.“ Denn laut Vögtlin liege in einer verlängerten Betriebsschließung auch eine Gefahr. „Wenn es um das Kindes- und Elternwohl allein ginge, würde ich sofort dafür appellieren, zu öffnen.“ Die Leiterin verweist dabei auf Brennpunkt-Familien, deren Kinder häufig nicht notbetreut werden, und denen der Tagesrhythmus fehle. „Die Kinder brauchen die Nähe, das Vertrauen, den Umgang und die Kommunikation mit den Erziehern“, macht sie deutlich.

St. Nikolaus-Kindergarten

Herausfordernd beschreibt die Leiterin des St. Nikolaus-Kindergartens in Märkt die Planungsunsicherheit in der Corona-Krise. „Ich bin vorbereitet und habe bereits zwei bis drei Modelle in meinem Kopf. Denn bis die Ansage der Regierung kommt, ist die Zeit zu knapp, um sich ein neues Konzept zu erarbeiten“, sagt Annette Fritz-Körner.

Wenn sich der Lockdown noch länger hinziehe, dann werde auch der Bedarf an Betreuung steigen, vermutet die Leiterin. „Es ist schon sinnvoll, dass die Kontakte reduziert werden und wir weniger Kinder in der Betreuung haben.“ Sobald alle Kinder wieder in der Kita sind, gehe Abstand halten nicht mehr. „Die Kinder brauchen Körperkontakt und Nähe.“

Um den Kontakt auch während des Lockdowns zu den Kindern zu halten, hatte der St. Nikolaus-Kindergarten seinen Schützlingen ein Unterhaltungspaket mit Bastel- und Mal-Sachen zusammengestellt. „Den Kindern wird schnell langweilig zu Hause, und die Eltern sind froh über die Beschäftigung. Wir hingegen sind dankbar für die Unterstützung der Eltern, wenn sie die Betreuung anders geregelt bekommen. Daher bekommen sie von uns etwas zurück“, erklärt Fritz-Körner.

Haus der kleinen Stühle

Auch im Haus der kleinen Stühle war man um den Kontakt zu den Kindern bemüht. So bekamen sie „Glücksschwein-Kärtchen“ per Post geschickt. „Die Kinder haben sich sehr darüber gefreut. Jetzt sind wir dabei, Osterkörbchen mit den Kindern in der Notbetreuung zu basteln. Wir nutzen die Zeit, um etwas Ausgefallenes zu machen“, sagt Leiterin Sandra Trefzer. Gleichzeitig würde sich der Kindergarten auf die Fasnacht vorbereiten. „Sonst haben wir eine große Party am Rosenmontag. Allerdings fällt sie dieses Mal eben etwas kleiner aus, nämlich in den Gruppen.“

Trefzer hatte am Nikolaustag und an St. Martin gemerkt, wie wichtig positive Ausblicke für die Kinder sind. „Auch wenn es nur in einem kleinen Rahmen stattfinden konnte, haben sie sich sehr gefreut.“ Doch ihr ist auch aufgefallen, dass das Lebendige und Freudige im Haus fehle. „Jetzt sind sie eher ruhig und gesittet“, findet sie. Es fehle den Kindern, in einer großen Gruppe zu spielen und toben zu dürfen, meint die Leiterin.

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