Weil am Rhein Zwischen Chander und Leopoldshöchi

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Die Reihen füllten sich im Engeli-Saal im „Schwanen“. Hier gab es einiges zu hören. Foto: sc

Der bevorstehende Abschied von Oberbürgermeister Wolfgang Dietz war Thema bei der traditionellen Rotsuppe im „Schwanen“.

Einer allerdings konnte aus gesundheitlichen Gründen zum ersten Mal nicht dabei sein: Oberbürgermeister Wolfgang Dietz. Dafür begrüßte Oberzunftmeister (OZUME) Dietmar Fuchs unter den Gästen Bürgermeister Rudolf Koger, die Bundestagsabgeordnete Diana Stöcker sowie mit Jasmin Ateia und Robin Adam zwei weitere Kandidaten für die OB-Wahl. Kathrin Mutter vom Polizeirevier Weil am Rhein, Frank Sommerhalter von der Freiwilligen Feuerwehr, Ellen Nonnenmacher, Leiterin der Rechts- und Ordnungsamt, und Ehrennarr Klaus Preusch waren ebenfalls unter den Gästen.

„Dreht sich alles in der Welt immer noch ums Geld?“

Das Programm eröffnete „das Urgestein Kurt Ruser“, eine sichere Bank für gelungene Verse, wie der OZUME feststellte. Was Mann beim Fernsehschlaf so träumt, wusste Ruser zu berichten. Im Lörracher Hebelpark, beim Gespräch mit Johann Peter Hebel, stellte sich die Frage: „Dreht sich alles in der Welt immer noch um das Geld?“. Was kostet ein Viertele heute, wie hoch sind die Steuern? Oder Gibt es die Wiese noch?

Kurt Ruser bei seinem Vortrag Foto: sc

Ruser zeigte die – nicht immer erfreulichen – Veränderungen auf. Auf die Berichte über die Erhöhung des Rentenalters, der niedrigen Löhne, den Stand der Ehrlichkeit und der Gottesfürchtigkeit, folgte stets die Antwort Hebels: „Was sind ihr doch für armi Tröpfli“.

Orgelmusik begleitete den Auftritt von René Winzer als „Dr Schiinheiligi vo dr Leopoldshöchi“. Das Schneckentempo, das die Mitarbeiter im Rathaus beim Arbeiten einlegen, die Hoffnung, der oder die neue OB könne mindestens Alemannisch oder das Königspaar aus England, Winzer wusste über alles etwas zu erzählen.

Urkomisch: dr Schiinheiligi vo dr Leopoldshöchi (René Winzer) Foto: sc

Die Parteien, der Bundestag bekamen ihr Fett weg, aber auch bei der Kritik am Zölibat nahm der Mönch kein Blatt vor den Mund. Kritisch war der Vortrag von Patrick Voirol, der sich nicht zufrieden zeigte mit dem „was im schönen Land so alles passiert“. Das Gendern werde viel zu schwer gewichtet. Es werde beleidigt und gespalten und schließlich warte Voirol vor dem Extremismus, den er als Tod für die Gesellschaft sah. Ob CDU, Grüne, FDP und SPD, ja, sogar die CSU, sie alle wurden unter die Lupe genommen und keine der Parteien fand Gnade in den Augen des Vortragenden.

Das Rathaus aus der Sicht einer Klofrau betrachtet

Witzig der Auftritt von Markus Schmieder, der als „D’Klofrau vom Rothus“ seine Erfahrungen mit den Zuhörern teilte. Bei der SPD müsse er darauf achten, dass weder Klopapier noch Seife wegkomme.

Auf Putztour im Rathaus: Markus Schmieder Foto: sc

Die CDU habe mit dem Waschen Probleme und die FDP wolle doch tatsächlich mit dem Smartphone bezahlen. Nervig mit ihren Fragen seien vor allem die Grünen. „Ist die Handcreme vegan? Oder ist das Toilettenpapier biologisch abbaubar?“. Es sei derzeit kurz davor, dass die Weiler Latrinenpflegerinnen eine Gewerkschaft gründeten, verriet Schmieder. Als Toilettenfachkraft wünschte er sich, 40 Jahre jünger zu sein. Dann nämlich machte er es sich einfach, in dem er auf Bürgergeld umschulen würde. Zuletzt empfahl er den Zuhörern sein selbstentwickeltes Putzmittel „Braun-Ex“. Das werde angesichts der derzeitigen Entwicklung ganz sicher gebraucht.

Musikalischer Trip durch die Welt der Schlager

„Alles Schlager oder was? OZUME Fuchs zeigte als Experte auf, dass Schlager uns durch den ganzen Tag und in jeder Situation begleiten. Ist ein Politiker unterwegs, böte sich „Es geht eine Träne auf Reisen“ an. Für die, welche in Erdkunde nicht aufgepasst haben, gibt es die Schlager „Kalkutta liegt am Ganges“ oder „Paris liegt an der Seine“. Habe es früher geheißen, „es geht ein Zug nach nirgendwo“, so laute dies heute „es geht nirgendwo ein Zug“.

Schlagerexperte: OZUME Dietmar Fuchs Foto: sc

Für Alleinreisende gab es aus verschiedenen Liedern Damenbegleitung mit Maya, Anita, Michaela oder Heidi. Und, wer vergesslich ist, für den gibt es das Lied „Immer wieder Sonntags, kommt die Erinnerung“. Dabei spielte der OZUME stets die passenden Lieder zum jeweiligen Text, der durch den Tag führte. Am Ende erklang „Ti Amo“ und „Komm unter meine Decke“. Eine tolle und unterhaltsame Nummer, die sehr gut beim Publikum ankam.

Zwischenspiel mit Schnitzelbangg

Sehr gut kam auch der Auftritt der zwei Schnitzelbanksänger „D Schnurefriedli un si Knecht“ mit Peter Guggenbühler und Hans-Rudi Lienin an. Mit spitzer Zunge, stets im Zwigespräch, trugen die beiden ihre Bänkel vor. Die Erfahrungen eines Großvaters mit seinen Enkeln brachte Hans-Peter Hartmann zu Gehör. Dabei erwies sich der Nachwuchs als ziemlich schlau, etwa wenn es darum ging die Politik zu verstehen oder hinter die Kulissen zu blicken, wenn Erwachsene das Märchen vom Storch erzählen. Sehr gelungen auch die Vortrag von Patrick Voirol, der von seinem Kurztripp mit Easy Jet nach Hamburg berichtete.

Kurztripp nach Hamburg: Patrick Voirol Foto: sc

Was alles passiert bis das Flugzeug startet, dann das Kennenlernen und die Begegnungen mit den Menschen im Flugzeug - es war einfach köstlich, wie das Erlebte mit trockenem Humor beschrieben wurde. Mit dem Gedanken: „Wenn ich Deutschland von oben sehen will, dann kann ich ja gleich in die CDU eintreten“, überließ er seinen Fensterplatz einem Fluggast, der zum ersten Mal flog. Der allerdings schlief selig ein, gesehen habe er nichts. Bei der Dame links von ihm, habe er nicht gewusst, ob diese Flugangst habe oder ihn anbaggern wolle. Die Geschichte war überaus witzig und Voirol zeigte einmal mehr sein Talent.

Zwei Nummern sind OB Dietz gewidmet

Die letzten zwei Programmnummern waren OB Dietz gewidmet. „D‘ Wolfgang vo Chander goht jetzt heim“. Der General mit Herz gehe jetzt nach Haus, ihm gebühre „unseri Achtung un unser Applaus“. Hier applaudierte der Saal zustimmend und kräftig. Als „Klara us Chander“ trug OZUME Fuchs zur Melodie von Zara Leanders „Er heißt Waldemar“ ein Lied auf OB Dietz vor.

Ein Lied auf den OB: Klara us Chander alias OZUME Fuchs Foto: sc

Eine Zeile daraus: „Nein, er hat schon graues Haar, aber er ist wunderbar“. Dabei imitiere Fuchs die Vortragsweise mit dem rollenden „r“ Leanders ganz hervorragend. Auf einem Video wurde diese Sequenz aufgenommen. Später wird sie an OB Dietz überreicht werden. Ach ja, damit es dem OB nach der Nach der Pensionierung nicht langweilig wird, lud Fuchs ihn zur „Anschlussunterbringung“ in die Narrenzunft Wiler Zipfel ein.

Viele der Gäste fanden sich nach dem unterhaltsamen Vormittag in der „Schwanen“-Gaststätte wieder, wo noch lange zünftig gefeiert wurde.

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