Wette um Wahlbeteiligung Stadtoberhäupter spendieren Eis

Anja Bertsch
Die Aktion lockte eine Menge Menschen auf den Marktplatz. Foto: Anja Bertsch

Eisschlotzen für die Demokratie? Einen Versuch ist’s wert. Nach diesem Motto verwandelte sich der Schopfheimer Marktplatz am Montagnachmittag in eine großformatige Freiluft-Eisdiele – mit durchaus prominentem Personal.

Schopfheims Bürgermeister Dirk Harscher und seine beiden Oberbürgermeisterkollegen aus Lörrach und Rheinfelden, Jörg Lutz und Klaus Eberhardt, verteilten das Eis vor dem Rathaus mit vollen Händen.

Hintergrund war eine verlorene – respektive gewonnene – Wahlwette mit süßem Einsatz: Im Vorfeld des Wahlsonntags am 9. Juni hatten die drei Stadtoberhäupter ihre Stimmbürger gegeneinander ins Rennen um die höchste Wahlbeteiligung geschickt. Die Schopfheimer konnten sich mit einer über alle drei Wahlen (Europaparlament, Kreistag und Gemeinderat) hinweg errechneten durchschnittlichen Beteiligung von 59,29 Prozent gegenüber Lörrach mit 56,87 Prozent und Rheinfelden mit 56,21 Prozent durchsetzen und holten damit die Eis-Aktion auf ihren Rathausplatz.

Foto: Anja Bertsch

Letztlich freilich traten die Städte natürlich nicht ernsthaft gegeneinander an – sondern vielmehr gemeinsam für eine möglichst hohe Wahlbeteiligung ein. Ziel der Wette war es, auf die Bedeutung der bevorstehenden Wahlen und die Wichtigkeit der Stimmabgabe durch die Bürger aufmerksam zu machen.

Die Akteure wollten die Aktion denn auch als Signal für die Demokratie verstanden wissen – „und gegen rechts“, wie die Bürgermeister am Montag unisono betonten, bevor es ans große Schlotzen ging. Bürgermeister Harscher sprach von einem „wichtigen Signal gegen rechts“. „Demokratie ist eine Mitmachsportart“, sagte Lörrachs OB Lutz, und sein Pendant aus Rheinfelden betonte: „Politiker und Wähler sind in der Verantwortung, dass die Demokratie lebendig bleibt.“

Dichtes Gedränge herrschte rund um die Eistruhe, die vor dem Schopfheimer Marktplatz ihre Zelte aufgeschlagen hatte. Foto: Anja Bertsch

Initiiert worden war die Wahlbeteiligungswette von den Bündnissen „Schopfheim bleibt bunt“, „Rheinfelden für Demokratie“ und vom Lörracher „Bündnis 5 vor 12 für Demokratie, gegen Rechtsextremismus“. Diese zeigten ebenso wie die „Omas gegen rechts“ denn auch Präsenz rund um die Aktion, verteilten Infomaterial und Grundgesetze im Miniformat für die Hosentasche.

Etwa 600 Eisportionen hatten die Organisatoren für die Aktion geordert – und die gingen weg wie warme Semmeln. Der Andrang war riesig – zumal das Wetter ganz gegen seine aktuellen Gewohnheiten mitspielte. Im Nu bildete sich eine lange Schlange vor dem mitten auf dem Marktplatz platzierten Eiswagen bis unter die Lenkplastik, und die Stadtoberhäupter kamen beim Verteilen der Erfrischungen ordentlich ins Schwitzen.

Diejenigen, die sich da die süße Belohnung abholten, waren freilich schon rein altersmäßig ganz überwiegend (Noch-)Nichtwähler. Und die Organisatoren hatten dem Andrang im Vorfeld durchaus ein wenig nachgeholfen: Mehrere Schulklassen von Friedrich-Ebert-Schule und Theodor-Heuss-Gymnasium durften sich über eine kleine Exkursion im Nachmittagsunterricht freuen, und auch der Kindergarten am Marktplatz nutzte die süße Gelegenheit vor der eigenen Haustür gerne.

Ob die staatstragende Botschaft nun bei jedem Süßmaul wirklich ankam, bleibt dahingestellt; zumindest kam die – mehr oder weniger – große Politik an diesen Nachmittag mit freundlichem Gesicht und ein wenig Leichtigkeit daher.

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