Wieden Reise in die Bergwerksgeschichte

Verena Wehrle

Ein Infozentrum für Bergbau und Geologie richtet der Bergmannsverein Finstergrund Wieden ein. Für den 21. Mai ist die Einweihung geplant. In dem neuen Gebäude gibt es einiges zu entdecken. Wir durften schon vorher einen Blick hinein werfen.

Von Verena Wehrle

Wieden. Das Infozentrum soll die Geschichte vom Mittelalter-Bergbau bis zum modernen Bergbau zeigen und zwar jene vom Finstergrund Wieden, wo die Gewerkschaft Finstergrund bis 1974 Fluss-Schwerspat abgebaut hat.

Das Besuchergebäude neben dem Bergwerk Finstergrund ist 2002 gebaut worden, der Rohbau wurde in den vergangenen Jahren komplett umgebaut, im Dachgeschoss wurde eine zweite Ebene aufgebaut, um mehr Platz zu schaffen. Viel Ehrenamt des Bergmannsvereins, aber auch durch Handwerker aus der Umgebung von Wieden steckt hier drin. Der Innenausbau ist bereits fertig, jetzt müssen noch die Vitrinen mit den besonderen Ausstellungsstücken bestückt werden, wie Martin Wietzel, einer der Vorsitzenden des Bergmannsvereins, erzählt.

Topmodern ausgestattet

Stolz zeigt Wietzel den voll digitalisierten Multimedia-Raum, wo die Besucher an großen Monitoren aus verschiedenen Themen auswählen können. Ein großer Monitor hängt für Präsentationen an der Wand. Auch Interviews mit ehemaligen Finstergrund-Bergleuten können die Besucher im neuen Infozentrum anhören und somit ganz Persönliches über die harte Arbeit unter Tage erfahren.

Viel zu entdecken

Auf 340 Quadratmeter soll es ab Mai im Infozentrum jede Menge zu entdecken geben: Dank einer Fotomontage soll es unter dem nachgebildeten Türstock, dem typischen Rechteck-Ausbau im Bergwerk, so wirken, als stehe der Besucher tatsächlich mitten im Stollen. Grubenlampen hängen an der Decke und die großen, extra gerundeten Holzbalken sorgen für den besonderen Charme. Auch ein 300 Kilo schweres Bergwerk-Modell soll aufgebaut werden. Und auch auf die Personen hinter dem Bergwerk wird ein Blick geworfen: Denn hineingehen können die Besucher auch in das nachgebaute Büro von Karl Wölfl mit seinem original Schreibtisch und historischen Akten. Karl Wölfl war der letzte Repräsentant und Mehrheits-Eigentümer der Gewerkschaft Finstergrund bis 1969. Anschließend wurde diese verkauft. „In Fachkreisen wurde Wölfl als schillernde Persönlichkeit dargestellt“, erzählt Wietzel.

Außerdem soll eine Stufe, also ein ein mal ein Meter großer kristallisierender Flussspat, gezeigt werden. Auch seltene historische Werkzeuge aus dem Bergbau und auch einen alten Förderwagen wird es dann im Besucherzentrum zu sehen geben.

Fluoreszierende Steine sollen unter ultraviolettem Licht leuchten und die kleinen und großen Besucher zum Staunen bringen.

Lernen durch Praxis

„Auch Schulklassen können hier einen lehrreichen Schultag verbringen und bei einer Führung mehr darüber erfahren, wo die Rohstoffe herkommen, etwa jene für die Handybatterien“ so Wietzels Vision. Immerhin ist das Besucherbergwerk bereits ein Lehrbergwerk durch seine Kooperation mit der Universität Freiburg. Das Infozentrum könnte künftig auch für Kulturveranstaltungen oder Seminare genutzt werden, so eine der vielen Ideen von Martin Wietzel.

Als neues Ausflugsziel eigne es sich gut als Parallelangebot zum Bergwerksbesuch, denn man kann dies besichtigen, während man auf eine der Führungen durchs Bergwerk wartet. Besuchern sollen Kombi- als auch Einzeltickets angeboten werden.

Die Idee

Die Vision zum Besucherzentrum schwebt dem Bergwerksverein Finstergrund schon lange im Kopf. Bereits 2002 habe man davon gesprochen, seither seien viele Ideen entstanden.

Die Kosten

Bereits im Jahr 2018 hat der Bergmannsverein die Anträge für Leader-Fördermittel gestellt. Die Gesamtkosten lagen allerdings mit 380 000 Euro am Ende wesentlich höher als noch damals angenommen. Und nur von der damaligen Kostenschätzung bekam der Verein eine Förderung von 60 Prozent, die rund 180 000 Euro betrug. Den Restbetrag musste der Verein aus eigener Tasche finanzieren – ein großer Brocken für den kleinen Verein.

Weitere Informationen: Der Bergmannsverein Finstergrund Wieden wurde 1975 von ehemaligen Bergmännern der Gewerkschaft Finstergrund gegründet. 1980 wurde der Finstergrundstollen 5 in ehrenamtlicher Arbeit zum Besucherbergwerk ausgebaut und als solches 1982 eröffnet. Das jetzige Besuchergebäude wurde 2002 großzügig mit Obergeschoss und Walmdach im Schwarzwaldstil errichtet. Hier soll nun das Informationszentrum untergebracht werden. Weitere Infos zum Besucherbergwerk gibt unter www.finstergrund.de

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