Wittlingen Lautlose Jäger in der Dämmerung

Weiler Zeitung, 14.02.2018 22:25 Uhr

In Wittlingen kann man nachts manchmal laute Schnarchgeräusche oder auch schnurrende Töne hören. Wer diesen Geräuschen auf den Grund geht, merkt schnell, dass sie von der Kirche kommen. In der unmittelbaren Nähe der Kirche, sie wurde übrigens 1774 erbaut, finden sich kleine Klumpen aus Fell und Knochensplittern.

Von Elias Diehl

Wittlingen. Das Rätsel löst sich bei einem Gang durch die Kirche bis hoch zu den Glocken. Denn dort steht ein Brutkasten für Schleiereulen.

Der Nabu betreibt dort das Projekt „Lebensraum Kirche“. Denn Kirchtürme sind optimale Orte, um Brutstätten für Turmfalken, Fledermäuse, Schleiereulen und andere Tierarten einzurichten. In Wittlingen lebten zeitweise sogar schon Turmfalken im Kirchturm.

Um diese Jahreszeit kümmert sich der Nabu um die Reinigung und Reparatur der Schleiereulenkästen. Ab Mitte  März suchen sich dann die Eulen Plätze für ihre Gelege. Sie brüten in Wittlingen schon seit mehreren Jahren mit Erfolg. Vergangenes Jahr waren es fünf Jungvögel, die alle einen guten Eindruck machten. Es ist aber nie gewiss, ob alle Jungvögel durchkommen, da zum Beispiel ein harter Winter mit wenig Nahrung tödlich für sie sein kann.

Schleiereulen (wissenschaftlicher Name: Tyto alba) sind sehr abhängig vom Vorhandensein geeigneter Brutplätze. Ein Nistkasten in einer Kirche ist für sie der perfekte Ort, um Jungen großzuziehen. Ein Gelege besteht aus drei bis zwölf Eiern – je nach Nahrungssituation. Die Eulen brüten meistens im April/Mai, in seltenen Fällen sogar zweimal im Jahr, wenn sehr viel Nahrung vorhanden ist. 30 Tage beträgt die Brutdauer ungefähr. Die Jungvögel verlassen das Nest nach ungefähr 60 Tagen.

Schleiereulen gelten aufgrund ihres herzförmigen Gesichts und dem weiß-gelbbraunen Gefieder als eine der schönsten Eulenarten. Sie sind lautlose Jäger, die erst in der Dämmerung aktiv werden. Zu ihren Beutetieren gehören überwiegend Mäuse, aber auch Vögel, Frösche und Großinsekten. Unverdauliche Nahrungsteile wie Knochen und Fell werden in Form von Gewölle wieder herausgewürgt. Diese Überbleibsel sind dann leicht zu finden.

Mit etwas Glück kann man die Schleiereulen in der Dämmerung dabei beobachten, wie sie um die Kirche fliegen. Sie sind aufgrund ihres weichen Federkleids und speziellen Zähnelung an den äußeren Federn, die das Flugpfeifen reduzieren, lautlos. So können Fluggeräusche die Beute nicht warnen, und die Eulen werden beim Hören nicht beeinträchtigt.

Eine Schleiereule wird ungefähr 30 bis 35 Zentimeter groß und wiegt 250 bis 450 Gramm, die weiblichen Tiere sind etwas größer und schwerer als die männlichen.

 
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