Von Silke Hartenstein

Wittlingen. Warum heißt die Wittlinger Mühle „Bärenfelsermühle“? Hier ist weit und breit kein Felsen zu sehen. Aufschluss hierzu geben die von Eugen Eble und Gunther Dreher verfassten Chroniken. Laut Eble kam die seit 1506 bestehende Mühle um 1710 in den Besitz der alten Adelsfamilie „von Bärenfels“.

Bald darauf wehrte sich Hannibal von Bärenfels gegen die vom Markgrafen erlassene neue Mühlenverordnung, die unter anderem die Anschaffung eines geeichten Mehlstabs forderte. Heute noch gehört zum alten Wohnhaus ein Wappenstein mit Bärenfratze, die die Zunge gen Rötteln oder Wittlingen heraus streckt.

Von Bärenfels jedenfalls legte sich mit den Fürsten an und verschuldete sich. Ende des 18. Jahrhunderts ging die Mühle an Markgraf Karl Friedrich von Baden Durlach, dieser ließ sie in der heutigen Form ausbauen und verpachtete sie an I. Grether, dessen Sohn Jakob Grether die Mühle erwarb.

Später verkaufte er sie an Caspar Friedrich Müller aus Kandern, dessen Tochter Anna Maria 1872 den Ingenieur Karl Eduard Dreher heiratete. Drei Generationen der Familie Dreher führten die Mühle weiter, bis zum frühen Tod von Müllermeister Werner Dreher im Jahr 1955. Die Hoffnung, sein Neffe Rolf Dreher würde die Mühle übernehmen, zerschlug sich, als der 19-jährige Müllergeselle 1961 tödlich an seinem Arbeitsplatz in der Binzener Mühle verunglückte. Somit wurde die Mühle von Pächtern betrieben, bis sie 1972 Dieter Kaltenbach, Leiter der gleichnamigen Lörracher Maschinenfabrik, erwarb.

Lange wurden in der Wittlinger Mühle Brotmehl und Kleie produziert. Von 1961 bis 1972 betrieben die Mühlenpächter eine Kakao-Mühle, hier wurden Abfallprodukte der Süßwarenindustrie geschrotet zur Weiterverarbeitung in der Futtermittelindustrie. Die Nutzung der Wasserkraft wurde bereits im 18. Jahrhundert erweitert. Mühlenbesitzer Karl Eduard Dreher hatte am Karlsruher Polytechnikum studiert, 1875 ließ der Ingenieur eine damals hochmoderne Turbine installieren. Diese war bis 1964 Hauptantriebsquelle der Mühle und von Maschinen wie Kreissäge oder Heuaufzug. Die Wehranlage schuf zugleich einen beliebten sommerlichen Badeplatz an der Kander.

In den späten 1940er Jahren dachte die Familie Dreher über eine Erneuerung der Turbine und eine eigene Stromerzeugung mit Einspeisung ins öffentliche Netz nach. Dies scheiterte an den hohen Kosten und der damals unattraktiven Einspeisevergütung. Dennoch entschloss man sich 1964 zu einem Neubau der Turbinen, die neue Banki-Turbine erzeugte zugleich Strom für Heizstrahler und Hausbeleuchtung.

Bald darauf endete die Ära der Kleinmühlen – und demnächst wird Sebastian Kaltenbach ein weiteres Kapitel der Wasserkraft-Geschichte schreiben.