Wittlingen Orts-Struktur soll erkennbar bleiben

Der Gemeinderat Wittlingen wünscht sich für das Raumentwicklungskonzept, dass die Gemeinden im Kandertal, wie hier Wittlingen, weiter durch Grünzäsuren getrennt sind.Foto: Jutta Schütz Foto: Weiler Zeitung

Der Unterzeichnung der Charta „Raumkonzept Kandertal 2040“, in der Leitvorstellungen für die Zukunft des Kandertals festgehalten sind, steht seitens des Gemeinderats Wittlingen nichts entgegen. Denn: Mit der Zustimmung gebe man die Planungshoheit für Wittlingen nicht aus der Hand, versicherte Bürgermeister Michael Herr im Gemeinderat am Freitagabend.

Von Jutta Schütz

Wittlingen. Für die Kommune ist es besonders wichtig, dass das Kandertal nicht die Entwicklung nimmt, die es mit der zunehmend ausufernden Bebauung im Wiesental und entlang der B 3 zwischen Freiburg und Weil am Rhein zu beobachten gibt.

Das „Raumkonzept Kandertal“ wurde mit der Beteiligung der Gemeinderäte und Bürger von 2018 bis 2021 zusammen mit dem Regionalverband Hochrhein-Bodensee, dem Landkreis Lörrach und der Agglomeration Basel erarbeitet.

Keine Zersiedelung

„Die beteiligten Gemeinden, Wittlingen, Binzen, Kandern, Rümmingen und Schallbach, sollen langfristig als Orte auch von der Struktur her erkennbar bleiben, denn das Kandertal lebt von den Grünzäsuren und allgemein von der Natur und den intakten Dorfstrukturen, die es zwar weiterzuentwickeln gilt, aber nicht um den Preis der Zersiedlung, wie es im Wiesental und an der B 3 passiert ist und weiter passiert“, führte Herr aus.

Im Juni 2018 sei das Raumkonzept in Auftrag gegeben und dann die erarbeiteten Grundlagen letztmals im Januar 2021 zur Diskussion gestellt worden, so Herr. Mit den anderen Projektgemeinden habe man sich für die Abschlusserklärung abgestimmt, fuhr er fort. Für die Zukunft benötige man Wohnraum, die Ansiedlung und den Erhalt von Betrieben, Wald, Wiesen, die Landwirtschaft, aber ganz besonders auch die Natur, fasste der Bürgermeister zusammen. All diese Aspekte konkurrieren miteinander.

Für künftige Generationen war es deshalb wichtig, konzeptionell vorauszudenken und Wünsche an das Leben im Tal zu diskutieren und verantwortlich zusammenzubringen, wie Herr erläuterte. Wichtig ist es deshalb, besonders den ÖPNV sowie Fahrradstrecken attraktiver zu machen, um die Verkehrsbelastung im Tal in Grenzen zu halten. Stichwort ÖPNV: Die Reaktivierung der Kandertalbahn könnte näher rücken, da ganz aktuell das Landesverkehrsministerium mehr als 30 stillgelegte Bahnstrecken im Land wieder für einen geregelten Betrieb ins Auge fasst. 185 000 Euro bekommen allein die Landkreise Lörrach und Waldshut für diesen Zweck zur Verfügung gestellt.

Es sei gut, dass alle Gemeinden an den Inhalten mitgearbeitet hätten, Vorhaben und Pläne kritisch hinterfragten, Lösungen suchten und künftig auch Einfluss auf den Fortgang des Kandertal-Raumkonzepts haben, konstatierte der Bürgermeister. Die Charta zeige Chancen und Ziele für die Kommunen auf, kommentierte er.

„Qualität vor Quantität“

Für Wittlingen sei es wichtig, dass insbesondere bei der Bautätigkeit und bei der Ansiedlung von Betrieben „Qualität vor Quantität“ stehe, denn die Gemeinde wolle ihr Ortsbild erhalten, meinte Herr, der Wittlingen hier in der langfristigen Entscheidungsfindung und durch den Willen, die Planungshoheit nicht aus der Hand zu geben, sowie jetzt die Abstimmung über die Charta vorzunehmen, schon weiter sah, als „die eigentliche Lokomotive des Kandertals, die derzeit noch hinter den Waggons auszumachen ist“.

„Es liegt an uns, wie wir das Ergebnis umsetzen, denn die Charta ist eine Absichtserklärung – der Unterzeichnung steht nichts entgegen, mit dem Beschluss wollen wir ein Signal an die Nachbargemeinden und an den Landkreis geben“, meinte er. Gemeinderat Dietrich Hermann lobte, dass der Prozess nach einer ersten kritischen Phase sehr offen verlaufen sei. Gemeinderätin Beate Klein hob hervor, es sei wichtig, „dass man künftigen Weiterentwicklungen vorab eine Struktur geben muss, so dass sie sich so entwickeln, wie sie von uns definiert sind“. Bürgermeister Herr bat mit dem Zitat: „Geben Sie mir jetzt einen Ping, und bitte nur einen Ping“ aus dem Kinofilm „Jagd auf Roter Oktober“ zur Abstimmung. Alle Gemeinderäte stimmten der Unterzeichnung der Charta zu.

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