Wittlingen Viel Hilfe in einer schwierigen Zeit

Alexandra Günzschel

Der Sieg der deutschen Nationalmannschaft im Jahr 1954 in Bern gab den Ausschlag zur Gründung des Fußball-Clubs Wittlingen 1954 e.V, kurz: FCW. Heute bietet der Verein Fußball für alle Altersklassen und verfügt auch über eine große Mädchen- und Frauenfußballabteilung.

Von Alexandra Günzschel

Wittlingen. Im Juli 2021 wurde Thomas Tiedemann zum neuen Vorsitzenden gewählt. Im Gespräch berichtet er, welche Auswirkungen die Corona-Pandemie auf den Verein und das Vereinsleben hatten – und immer noch haben.

Frage: Herr Tiedemann, wodurch zeichnet sich der FC Wittlingen Ihrer Meinung nach aus?

Wir sind wie eine große Familie. Was mich immer wieder sehr freut, ist die Tatsache, dass wir bei Arbeitseinsätzen auf eine große Anzahl an Helfern zurückgreifen können und zwar aus allen Mannschaften, aber auch Passivmitglieder und Gönner des Vereins helfen. Auch an den Spieltagen stehen immer bereitwillig ehrenamtliche Helfer zur Verfügung.

Frage: Wie steht der FC Wittlingen nach zwei Jahren Corona-Pandemie finanziell da?

Lange Zeit gab es keine Einnahmen aus dem Vereinsheim.  Zwei Jahre lang waren Veranstaltungen und Feste praktisch unmöglich. Im Jahr 2020 haben wir November- und Dezemberhilfen für die Ausfälle im Wirtschaftsbereich erhalten.  Danach gab es keine Überbrückungshilfen mehr. Im sportlichen Bereich fehlten die Eintrittsgelder bei Spielen.

Unsere Trainer haben in der  Zeit, als nicht gespielt und trainiert werden konnte, auf ihre Entschädigung beziehungsweise den Lohn verzichtet und die Sponsoren haben ihre Bandenwerbungen am Rasen- und Kunstrasenplatz beibehalten. Ohne diese Unterstützung hätte der Verein  definitiv ums Überleben kämpfen müssen.

Frage: Es gab immer mal wieder Take-away-Angebote der Fußballer. Haben auch die geholfen, die finanziellen Einbußen abzufedern?

Der Förderverein Fußball in Wittlingen hatte gemeinsam mit dem Vorstand die Idee, dem FC Wittlingen finanziell zu helfen. Das Angebot wurde tatsächlich sehr gut angenommen und hat uns geholfen, wenigstens die laufenden Kosten begleichen zu können. Wir waren bei diesen Aktionen sehr dankbar für die breite Unterstützung, vor allem von den Bürgern aus Wittlingen, Wollbach, Schallbach und Rümmingen.

Auch haben viele fleißige Helfer dafür gesorgt, dass wir das Essen unter Corona-Auflagen anbieten konnten. Bürgern, die nicht gut zu Fuß sind, haben wir einen Bring-Service angeboten.

Frage: Hat die Pandemie noch Einfluss auf den Trainings- und Spielbetrieb?

Zurzeit  ist Training möglich:  Es dürfen beim Training im Freien nur Aktive und Trainer teilnehmen, die die 2G-Regelung erfüllen. Das Benutzen der Umkleiden und Duschen ist  nur unter 2G-plus-Voraussetzungen erlaubt. Ausnahmen gelten für  Schüler bis 17 Jahre.

Zwischenzeitlich sind die Infos vom Verband zum Thema Vorbereitungsspiele gekommen. Diese sind unter den bekannten Corona-Auflagen wieder möglich, auch sollen diese Spiele möglichst mit Verbandsschiedsrichtern besetzt werden. Von Ende Januar bis Anfang März sind bei uns bereits 25 Vorbereitungsspiele in der Planung.

Schwierig ist es mit den Zuschauern:  Zuletzt galt für sie die 2G-plus-Regel, um zu den Spielen zu kommen. Das Sportgelände wurde  mit Bauzaun  abgesperrt, der Zutritt mit Corona-Kontrolle  war nur an einer Stelle möglich. Das alles müssen wir mit ehrenamtlichen Helfern stemmen. Der Aufwand ist enorm geworden.

Frage: Gab es Bemühungen, während der Lockdown-Zeiten den Kontakt zu den Aktiven aufrechtzuerhalten, etwa durch Online-Angebote?

Da muss man sagen, dass unsere Trainer sehr einfallsreich waren und verschiedene Möglichkeiten genutzt haben, um mit den Spielern in Kontakt zu bleiben, unter anderem wurden regelmäßig Online-Trainings angeboten, beispielsweise für die Athletik. Wir sind sehr froh, dass unsere Trainer nie aufgeben und sehr kreative Ideen entwickeln, um unsere Spieler – auch die im Jugendbereich – bei der Stange zu halten.

Frage: Konnte die ruhige Zeit wenigstens für Sanierungsarbeiten oder andere Verbesserungen rund ums Vereinsgelände genutzt werden?

Zuerst möchte ich daran erinnern, dass die Bewirtschaftung unserer drei Trainings- und Wettkampfplätze auch in dieser Zeit viel Arbeit in Anspruch genommen hat. Drei ehrenamtliche Helfer halten die Plätze in Schuss und sorgen dafür, dass diese jederzeit genutzt werden können. Und es gab tatsächlich Monate, da konnte einem niemand sagen, wann es endlich wieder weitergehen wird.

Weiter hat man die Zeit genutzt, um den Umkleide-Kabinen einen neuen Anstrich zu gönnen. Auch wurde der Kinderspielplatz auf unserem Gelände fertiggestellt. Es ist schön zu sehen, dass dieser zwischenzeitlich so rege genutzt wird.

Frage: Hatten Sie durch die Pandemie eigentlich mit Mitgliederschwund zu kämpfen?

Aufgrund von Corona können wir keinen Mitgliederschwund feststellen. Im Gegenteil: Wir hatten sogar leichte Zuwächse zu verzeichnen.

Frage: Wie steht der Verein in sportlicher Hinsicht da?

Wegen des Abbruchs der Saison 2019/2020 wurde die erste Herrenmannschaft nach der Vorrunde Bezirksliga-Meister und ist in die Landesliga aufgestiegen, die zweite Mannschaft  konnte auf diese Weise in die Kreisliga A aufsteigen: Wegen der Annullierung der Saison 2020/21 ist die erste Mannschaft in der Landesliga verblieben. Die zweite Mannschaft blieb in der Kreisliga A.

Unsere Frauen 1 spielen weiterhin in der Verbandsliga Frauen auf einem sehr guten vierten Platz – und das obwohl wir in dieser Saison sehr viele junge Spielerinnen in die Mannschaft integriert haben.

Bei den B-Junioren haben wir seit zwei Jahren eine Spielgemeinschaft mit dem TuS Lörrach-Stetten. Dies hilft uns insofern, als dass wir eine Mannschaft in der Landesliga stellen können sowie eine Reserve-Mannschaft in der Kreisliga. Dasselbe gilt übrigens für die C-Junioren. Die sehr talentierten Spieler müssen so nicht zwingend zu einem größeren Verein wechseln, sondern spielen hier gegen Teams aus Radolfzell, Pfullendorf und Villingen, was für die weitere Entwicklung der Spieler von Vorteil ist.

Ebenfalls wurden in der Saison 2019/20 die B-Juniorinnen Meister der Verbandsliga Südbaden und konnten in die EnBW Oberliga Baden-Württemberg aufsteigen.

Generell bemerkenswert ist es, dass in der Saison 2019 /20 vier Teams Meister geworden sind und somit aufsteigen konnten.

Frage: Und wie sehen die Zukunftspläne des FC Wittlingen im sportlichen Bereich aus?

Aus sportlicher Sicht sehen wir uns bei den Herren 1 mit dem neuen Trainerteam, Fabio Muto und Angelo Cascio, auf einem guten Weg. Ziel ist es selbstverständlich, sowohl mit den Herren 1 als auch mit den Herren 2 die Klasse zu halten.

Bei allen anderen Mannschaften, dass gilt vor allem auch für die Jugend, geht es um eine stetige Weiterentwicklung. Wir sind im Jugendvorstand breit aufgestellt mit klaren Aufgabenverteilungen. Wenn man die Entwicklung der vergangenen Jahre anschaut, geht es definitiv aufwärts, sportlich gesehen sowieso mit drei Mannschaften, die überbezirklich spielen dürfen.

Dass wir nach wie vor fünf Aktivmannschaften stellen können, freut uns sehr. Es ist nicht selbstverständlich, dass sieht man bei anderen Vereinen in der Region, dass wir noch eine dritte Herrenmannschaft in der Kreisliga C stellen, die dort regelmäßig vorne mitspielen kann.

Beim Frauen-Fußball sind wir mit Abstand am stärksten in der Region aufgestellt und spielen in der Verbands- beziehungsweise Bezirksliga.

Man muss sich mal vorstellen, dass zu Saisonbeginn eine Spielerin des FC Basel zu unserem Dorfverein gewechselt ist. Ich denke, das sagt schon einiges über die Qualität und die Perspektiven aus, die wir bieten können.

Der FCW hat aktuell 662 Mitglieder, davon 270 Aktive und 70 Ehrenamtliche.

Kontakt: Fußball-Club Wittlingen, Breitmatte 1, 79599 Wittlingen, Tel. 07626/ 87782

Internet: fcw1954.de

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