Zell Ärger über „Versagen der Verwaltung“

Gerald Nill
Die Zeller müssen künftig für das Wasser mehr bezahlen. Abwasser wird hingegen günstiger. Foto: /Gerald Nill

Aufgrund einer Panne der Stadtverwaltung kann Zell die Mehrkosten für eine zurückliegende Wasserbeschaffung nicht an die Verbraucher weitergeben. Während die Wassergebühren steigen, sinken die Gebühren für Abwasser.

Vor zwei Jahren gab es eine Unterdeckung in der Wasserversorgung von 120 000 Euro. Weil aber ein inzwischen abgewanderter Mitarbeiter keine Gebührenkalkulation erstellt hat, ist ein Ausgleich der Kostenunterdeckung nicht erlaubt. Darüber wurde in der Sitzung des Finanzausschusses informiert.

Fehler verärgert Stadträtin

„2024 wird denn auch kein Ausgleich in der Gebührenkalkulation berücksichtigt“, informierte für die Verwaltung Kathrin Herzog. Für die SPD wollte Claudia Dolzer diese Erklärung nicht einfach hinnehmen. Zweimal sagte sie: „Das ist mehr als bedauerlich.“ Das „Versagen der Verwaltung“ gehe zulasten des städtischen Haushaltes. Dolzer schloss: „Ich bitte, dass solche Fehler nicht noch einmal gemacht werden.“ An die Adresse des Bürgermeisters schob sie nach: „Peter, das ist auch an dich gerichtet.“ Als ein Fraktionskollege um Verständnis bitten wollte, meinte Dolzer klipp und klar: „Die Verwaltung ist verantwortlich. Punkt. Ausrufezeichen.“

Wassergebühren steigen

Im kommenden Jahr werden die Gebühren für Wasser dennoch deutlich steigen - um 51 Cent je Kubikmeter auf 3,19 Euro. Gründe hierfür seien Personalkosten, Zinssteigerungen und die geplanten Investitionen. Eine runde Million Euro will Zell in 2024 in eine gesicherte Versorgung stecken. Der dickste Brocken ist eine neue Wasserleitung am Leisenberg zum Preis von 450 000 Euro. Mit 265 000 Euro schlägt eine neue Wasserleitung an der Gartenstraße zu Buche. Die Wasserversorgung in Gresgen und Adelsberg verschlingt im nächsten Jahr 200 000 Euro. Gemeinderat Christoph Freuschle, CDU, fragte nach, ob damit die Baukosten gemeint seien. „Nein“, antwortete Kathrin Herzog für die Verwaltung. Der Betrag decke lediglich die Planungskosten ab. Ein neuer Wasserhochbehälter in Gresgen und eine neue Leitung nach Adelsberg werde nach jetzigem Stand rund 2,5 Millionen Euro verschlingen.

Dolzer erinnerte daran, dass das Strukturgutachten Trinkwasser für die Versorgung in Zeiten des Klimawandels in Zell Ausgaben in Höhe von 8 Millionen Euro ausgemacht habe. Sie forderte einen Fünfjahresplan, um Prioritäten festzulegen. Bürgermeister Palme antwortete, diese Maßnahmen seien in fünf Jahren nicht zu stemmen, auch im Hinblick auf die Gebühren, die ohnehin steigen.

Abwasser wird günstiger

Erfreulich für den Verbraucher ist ein Absenken der Abwassergebühr. Im letzten Jahr sind 400 000 Euro zuviel eingenommen worden, die nun zurückgegeben werden müssen. Freuschle wollte es genau wissen. Herzog erklärte: „In 2022 waren wir bei 3,10 Euro je Kubikmeter Schmutzwasser, haben aber geplante Investitionen nicht durchgeführt.“ Dolzer plädierte dafür, die Überzahlung komplett auszugleichen. Das würde bedeuten: eine Absenkung des Schmutzwasserpreises auf 2,42 Euro je Kubikmeter und auf 0,45 Euro beim Niederschlagswasser. Die Verwaltung hatte einen Preis von 2,75 Euro vorgeschlagen. Der Gemeinderat wird entscheiden.

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