Zell im Wiesental Den Lärm um die Hälfte senken

Rund 15 000 Fahrzeuge durchqueren pro Tag auf der Bundesstraße den Ortsteil Atzenbach. Eine Temporeduzierung auf 30 Stundenkilometer könnte helfen, die dadurch entstehende Lärmbelastung zu senken. Foto: Peter Schwendele Foto: Markgräfler Tagblatt

Kommt die Temporeduzierung auf 30 Stundenkilometer auf der Bundesstraße in Atzenbach? Diese Frage stand im Mittelpunkt der erneuten Beschäftigung des Zeller Gemeinderats mit dem Lärmaktionsplan. Die Fertigstellung des Plans soll nun zügig vorangetrieben werden.

Von Peter Schwendele

Zell. Der Gemeinderat hatte sich nicht zum ersten Mal mit der Thematik zu beschäftigen; die Aufstellung eines Lärmaktionsplans war bereits 2015 beschlossen worden. Seither wurden einige Formalien abgearbeitet, die Angelegenheit war allerdings zuletzt auch in den Hintergrund gerückt.

Sachstand

Wolfgang Wahl vom Freiburger Büro Rapp Trans AG stellte dem Gremium den Sachstand vor und verwies darauf, dass die Stadt Zell gesetzlich zur Aufstellung eines Lärmaktionsplans verpflichtet sei, da Lärm zu den größten Umweltproblemen gezählt werde. „Wir sind ziemlich hintendran mit der Planung“, bemerkte Wahl, legte aber gleichzeitig dar, dass sich die Möglichkeiten für Kommunen, ihre Interessen gegenüber übergeordneten Behörden durchzusetzen, seit einem im letzten Jahr erfolgten Kooperationserlass verbessert hätten.

Atzenbach

Als am stärksten belasteten Bereich identifizierte Wahl die Ortsdurchfahrt in Atzenbach, wo die Verkehrsbelastung seit 2014 nochmals um 17 Prozent gestiegen sei (von 12 800 auf 15 100 Fahrzeuge pro Tag). Die erfolgversprechendste Maßnahme, um die Lärmbelastung der Anwohner zu reduzieren, sei die Temposenkung von derzeit 50 auf 30 Stundenkilometer. Dadurch könne der Lärm um die Hälfte gesenkt werden. Für den Autofahrer bedeute dies einen realen Zeitverlust von 35 Sekunden.„Das ist zumutbar“, so Wahl.

Die Umsetzung hält der Planer auch für absolut machbar. Zwar habe das Landratsamt Lörrach bei der förmlichen Behördenbeteiligung eine Temporeduzierung auf 30 Stundenkilometer als „unverhältnismäßig“ bezeichnet, doch sei diese Einschätzung nach den neuesten rechtlichen Vorgaben nicht mehr haltbar, würden diese doch bei der Überschreitung der festgesetzten Lärmgrenzen den Kommunen eine „Pflicht zum Einschreiten“ vorschreiben.

Einwände seien im Rahmen des Planerstellungsverfahrens auch von der Südbaden Bus GmbH gekommen, die einen negativen Einfluss auf die Fahrpläne befürchte, „doch das sehen wir nicht so“, sagte Wolfgang Wahl.

Diskussion

Für die Einführung von Tempo 30 sprach sich Atzenbachs Ortsvorsteher Bernhard Karle aus, der die Angelegenheit als nächstes mit seinem Ratsgremium diskutieren muss. „Wir müssen den Bürgern jetzt eine Erleichterung bieten“, sagte Karle. Man könne froh sein, dass bisher keine gravierenden Unfälle mit Fußgängern passiert seien, meinte Peter Eichin (SPD) und empfahl dringend eine Temporeduzierung. Ähnlich sah es Hannelore Vollmer (FW).

Skeptischer zeigten sich die Zuhörer Manfred Dietsche und Albert Zettler, die ein erhöhtes Stauaufkommen befürchten. Walter Heizmann schlug als Kompromiss die Einführung von Tempo 40 vor und warnte außerdem davor, die Konsequenzen für den Busverkehr zu vernachlässigen.

Mambach

Diskutiert wurde auch die Verkehrssituation in Mambach, die nach Ansicht von Planer Wahl aufgrund der deutlich geringeren Bebauung nicht so prekär wie in Atzenbach ist. Aufgrund dessen könne man hier auch nicht so sicher sein, bestimmte Vorhaben realisieren zu können.

Mit Vehemenz sprach sich Anwohner Dieter Rümmele dennoch dafür aus, die betroffenen B 317-Anwohner in Mambach zu entlasten. „Uns geht der Verkehr an die Sub-stanz“, sagte Rümmele und sprach konkret von einer Temporeduzierung auf 60 Stundenkilometer und einem Überholverbot.

Umfahrung

Von verschiedener Seite wurde einmal mehr die theoretische Möglichkeit einer Umfahrung der B 317 im Bereich Atzenbach angerissen. Dies sei zweifellos die beste Variante zur Lärmvermeidung, räumte Planer Wahl ein, indes mache es wenig Sinn, nichtstuend auf deren Umsetzung zu warten, da gut möglich sei, dass diese erst am St. Nimmerleinstag geschehe. Dem stimmte Bürgermeister Peter Palme zu. Die schon seit den 1950er Jahren debattierte Ortsumfahrung sei laut dem Landratsamt Lörrach auf Jahrzehnte hinaus nicht realistisch.

Weiteres Vorgehen

Der Rathauschef plädierte angesichts der Tatsache, dass sich die Stadt schon seit Jahren mit der Thematik beschäftigt, dafür, den Lärmaktionsplan zügig mit den vorliegenden Vorschlägen zu vollenden und deren Umsetzung anzustreben. Dieser Haltung schloss sich der Gemeinderat bei einer Gegenstimme von Einar Decker (FW) an und verwies das Thema zur weiteren Beratung an die Ortschaftsräte Atzenbach und Mambach. Der Plan soll im Lauf des kommenden Jahres fertiggestellt werden.

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