Zell im Wiesental „Entbehrungen kosten Kraft und Geduld“

Bürgermeister Peter PalmeFoto: Archiv Foto: Markgräfler Tagblatt

In einem Weihnachtsbrief wendet sich Bürgermeister Peter Palme an die Zeller Bevölkerung. Hier der Brief in Auszügen.

Zell. „Das Jahr 2020 neigt sich mit großen Schritten seinem Ende entgegen, und die Perspektiven für das bevorstehende Jahr 2021 sind – zumindest für den Anfang des Jahres - keineswegs optimistisch. Corona hat uns in der Welt, in Europa, in Deutschland und auch in Zell fest im Griff, und mir fällt es schwer, unter diesen Randbedingungen angemessene Worte für eine positive Weihnachtsbotschaft zu finden.

Das Thema Corona beherrschte das Jahr 2020 seit Mitte März: Mund und Nase bedecken, Abstand halten, Hände waschen – das alles ist für viele zur Normalität geworden. Auf viele Freuden müssen wir verzichten, Treffen mit Freunden, Familienfeste, Restaurantbesuche, Kulturveranstaltungen, Feste von Vereinen, Sport und vieles mehr. Diese Entbehrungen kosten uns alle Kraft und Geduld. Die Krise verlangt Enormes bis fast Unmögliches von uns, unseren Betrieben, Gastwirten, Einzelhändlern, Schulen und Kindergärten, Eltern und Lehrern, Erziehern, Ärzten und Pflegepersonal, um nur einige wenige zu nennen.

Dennoch möchte ich einen kurzen Jahresrückblick über das abgelaufene Jahr bei uns in Zell geben, denn es gibt auch viel Positives zu berichten. Das Jahr startete mit einem geglückten und sehr gut besuchten Neujahrsempfang der Stadt Zell zusammen mit dem Landkreis Lörrach. Eine gelungene Veranstaltung, in der wir Zell sehr positiv darstellen konnten. Kurz darauf folgte das Neujahrskonzert der Stadtmusik Zell, welches die Auftaktveranstaltung für ein fulminantes Jubiläumsjahr 2020 anlässlich des 175-jährigen Bestehens der Stadtmusik Zell sein sollte. Leider mussten die weiteren geplanten Großveranstaltungen auf das Jahr 2021 verschoben werden. Hoffen wir, dass diese nächstes Jahr stattfinden dürfen.

Die Ausbreitung von Corona begann bei uns in Zell erst nach der Fasnacht, so dass wir diese noch in vollen Zügen genießen konnten. Im Gegensatz zum kommenden Jahr musste keine Fasnachtsveranstaltung bei uns abgesagt werden.

Danach traf uns die erste Welle von Corona ziemlich massiv, so dass sämtliche Veranstaltungen abgesagt werden mussten. Keine größeren Feste durften im Sommer in Zell oder anderswo stattfinden.

Wenig beeinflusst durch Corona waren unsere städtischen Projekte, welche gut vorankamen, auch wenn wir immer wieder Sorge vor einem coronabedingten Baustopp hatten. Die Sanierung der MORZ konnte planmäßig fortgeführt werden. Wir liegen im Zeitplan und befinden uns momentan mitten im Bauabschnitt „Nordflügel“.

Der Umbau der Ende 2019 von uns erworbenen ehemaligen Sprachheilschule in der Gottfried-Fessmann-Straße konnte fristgerecht fertiggestellt werden, und die beiden Kindergartengruppen konnten im Frühjahr in das frisch restaurierte Gebäude einziehen. Unser Projekt „Stadtmarketing“ hat viele freiwillige Helfer gefunden. Unterstützung fanden wir besonders durch den Bürgerverein Zell, ohne dessen finanzielle Hilfe die jetzt kommenden größeren Schritte nicht möglich wären. Bereits heute umgesetzte Themen wie zusätzliche Weihnachtsbeleuchtung im Stadtpark und im Bahnhofsbereich, erneuerte beleuchtete Schaukästen auf dem Sparkassenplatz sowie die nächtliche Beleuchtung der evangelischen und der alt-katholischen Kirche können Sie bereits heute bestaunen. Ein ganz herzlicher Dank an dieser Stelle gilt dem Bürgerverein Zell.

Mit großem Zusammenhalt, Verständnis und Engagement der Bürger konnten wir die Coronakrise bisher meistern. Mit Projekten wie Malwettbewerb, Hilfe beim Einkaufsservice, Kinderferienprogramm, Fotowettbewerb, Organisation des Lieferservice „Zeller halte zämme“ hat sich die Stadtverwaltung viele Gedanken zur Bürgerhilfe und zur Bewältigung der Situation gemacht. Besonders stolz sind wir darauf, dass wir das beliebte Zeller Freibad unter Einhaltung aller Regeln öffnen konnten. Dafür haben wir viel Geld investiert und die meisten Freibadbesucher waren glücklich und zufrieden mit der Lösung.

Im Sommer hatten wir eine Verschnaufpause und konnten uns alle nicht vorstellen, mit welcher Gewalt die zweite Coronawelle über uns erneut herein brechen wird. Leider mussten vor Weihnachten die Maßnahmen mehrfach drastisch verschärft werden. Und aktuell weiß ich auch nicht, wie Weihnachten dieses Jahr konkret aussehen wird.

Die Ansteckungen sind einfach nicht weniger geworden, und die Krankenhäuser sind überlastet. Es ist für alle eine große Herausforderung, doch nur mit harten Maßnahmen können wir die Pandemie wieder beherrschbar machen. Ich möchte die Schriftstellerin Herta Müller zitieren: „Wir gehorchen keiner staatlichen Willkür, wir gehorchen dem Leben. Das ist die Freiheit der Verantwortung für sich selbst und für andere.“ Und ich möchte allen danken, die diese Verantwortung tragen.

Ich denke trotz aller Krise, dass wir auch Grund zur Zuversicht haben sollten. Die für die nächsten Wochen angekündigten Impfstoffe dürfen uns hoffen lassen, uns gegen Corona zukünftig besser schützen zu können. Ich freue mich jetzt schon darauf, wenn wir wieder gemeinsam feiern können. Und sicher werden wir vieles dann auch mit anderen Augen sehen und dankbar sein für jedes Zusammentreffen, welches wieder möglich sein darf. Nicht „höher, schneller, weiter“ ist wichtig, sondern die kleinen Dinge, die uns dann wieder Normalität und Freude bringen.

Ich wünsche Ihnen ein besinnliches, friedvolles und ganz besonders ein gesundes Weihnachtsfest, verbunden mit einem guten Übergang in das kommende Jahr mit viel Kraft, Geduld und Zuversicht. Ich danke Ihnen ganz besonders für die gute Zusammenarbeit und für Ihr Verständnis für die notwendigen unpopulären Maßnahmen im vergangenen Jahr, das uns allen sehr viel abverlangt hat. Lassen Sie uns voller Kraft, Geduld und Optimismus auch die zukünftigen Herausforderungen positiv angehen.“

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