Zell im Wiesental Fasnächtler seit der Kindheit

Markgräfler Tagblatt, 12.01.2018 22:40 Uhr

Bereits 1983 stand er als kleiner Junge mit seinem Vater, Hürus Ferdi vom Pfaffenberg, auf der Hürusburg, als diese durch Zell gezogen wurde. Jetzt steht er selbst als Hürus ganz oben: Kai vo de Sägi ist der Fasnachtsregent 2018 und im Jubiläumsjahr der 50. Hürus von Zell.

Zell. Kai Kiefer ist Fasnächtler solange er sich zurückerinnern kann. Ein herausragendes und prägendes Ereignis für ihn war, dass er im Alter von fünf Jahren die Hürus-Regentschaft seines Vaters miterleben durfte. Heute ist der gebürtige Pfaffenberger 40 Jahre alt und lebt mit seiner Frau Sandra und seinen Töchtern Jana (acht Jahre) und Mia (fünf Jahre) im Sunneland „An der Säge“.

Mit dem Fasnachtsmachen begonnen hat Kai Kiefer auf dem Pfaffenberg zu einem Zeitpunkt, als die Bergler vom Geistigen Hügel nur alle zwei Jahre am Zeller Umzug teilnahmen. Das war seinem Vater und ihm zu wenig. Deshalb machte er kurzerhand bei den Grönländern mit. Von 1995 bis 2005, also exakt zehn Jahre, war er aktives „Schrätteli“, um dann in den Folgejahren mit einer „wilden Gruppe“ Fasnacht zu machen.

Im Jahr 2010 wechselte er zur Narrenzunft Atzenbach. Ein Schritt, an dem seine Frau Sandra nicht ganz unbeteiligt war, denn die Atzenbacherin war dort als „Beeri­wiib“ aktiv. Inzwischen sind auch seine Töchter kleine „Beeriwiiber“.

In Atzenbach, so Kai Kiefer, habe er nun als Zunftrat seine fasnächtliche Heimat gefunden. Er genießt es, dass er dort gemeinsam mit seiner Familie Fasnacht feiern kann. Aber in diesem Jahr ist für Familie Kiefer alles anders, denn Kai ist Hürus, und aus den kleinen „Beeriwiibern“ Jana und Mia werden für ein Jahr kleine Hüruspagen.

Bei der Narrenzunft Atzenbach ist seit dem „Ölfte Ölfte“ ohnehin der Ausnahmezustand ausgebrochen. Oberzunftmeisterin und Vögtin Nicole Laile war beim Einmarsch von Hürus Kai regelrecht außer sich vor Glück, weil einer ihrer Zunfträte Hürus geworden ist.

Für die Atzenbacher ist es selbstverständlich, dass sie „ihrem“ Hürus die Fahne stellen. Allerdings erheben auch die Fasnächtler vom Pfaffenberg gewisse Ansprüche. Dieses Problem wurde diplomatisch allerdings gelöst: Die Fahne kommt von Atzenbach, der Fahnenmast vom Pfaffenberg.

Dass die Hürusfahne schlussendlich auf dem Gebiet der Vogtei Sunneland aufgestellt wird, dürfte keine Schwierigkeiten ergeben. Denn als Kai Kiefer im Jahr 1995 zu den „Schrätteli“ kam, bat sein Vater und ehemaliger Hürus Ferdi das damalige „Schrätteli“ Lutz Hochstatter darum, während der Fasnacht auf seinen Sohn aufzupassen. Da ein Versprechen, das man einem Hürus gibt, niemals gebrochen wird, gilt dies bis heute. Inzwischen ist das damalige „Schrätteli“ Lutz Hochstatter Vogt der Vogtei Sunneland. Deshalb darf sich Hürus Kai nun an der Sägi mitten im Sunneland völlig sicher und wohlbehütet fühlen.

In seinem bürgerlichen Leben ist Kai Kiefer Berufschullehrer an der Gewerbeschule Lörrach. Der Feinwerkmechaniker-Meister unterrichtet dort seit 2005 Auszubildende in Metallberufen.

Bereits seit 30 Jahren ist Kai Kiefer bei der Schützengesellschaft Zell aktiver Bogenschütze und schießt mit seiner Mannschaft in der Regionalliga.

Körperlich fit hält sich Kai Kiefer durch Radfahren. So pendelt er zwischen Zell und seinem Arbeitsplatz in Lörrach, zumindest in den Sommermonaten, mit dem Fahrrad hin und her. Die beim Bogenschießen wichtigen Eigenschaften wie Ruhe, Präzision und Konzentration werden ihm als Hürus sicherlich zugutekommen. Denn die Fülle von Aufgaben, die ihn jetzt erwarten, erfordert eine gewissenhafte Vorbereitung. Bei den 70 geplanten öffentlichen Auftritten ist sicherlich auch Konzentration notwendig. Seine Gelassenheit wiederum wird ihm genügend Spielraum für spontane fasnächtliche Ideen geben.

Seinen ersten offiziellen Auftritt nach dem Ölfte Ölfte hatte Hürus Kai bereits gestern bei der Eröffnung der Fotoausstellung „Des sin mir – Gesichter der Zeller Fasnacht“ in der Sparkasse. Heute Abend geht es dann sowohl zum Kappenabend der Vogtei Paradies sowie zum „Bunten Abend“ nach Atzenbach.