Zell im Wiesental Optimistisch in die Badesaison

Die Vorbereitungen für eine Freibadsaison unter schwierigen Bedingungen sind getroffen und der Gemeinderat hat am Montag grünes Licht für den Betrieb gegeben. Heute werden die ersten Gäste im Zeller Schwimmbad erwartet. Foto: Peter Schwendele

Zell - Einen hohen Aufwand hat die Zeller Stadtverwaltung betrieben, um trotz der Corona-Krise das Freibad öffnen zu können. Am Montag wurde das zugrunde liegende Hygiene- und Sicherheitskonzept im Gemeinderat vorgestellt. Das Gremium sprach sich einstimmig dafür aus, am heutigen Mittwoch in die Badesaison zu starten, wobei man auf weitere Lockerungen und Erleichterungen beim Betrieb im Lauf der kommenden Wochen hofft.

„Es ist alles im Fluss“, begann denn auch der zuständige Fachbereichsleiter Fabio Jenisch seine Ausführungen zum Hygiene- und Betriebskonzept. Erst vergangene Woche sei im Rathaus nochmals eine neue Verordnung des Landes eingegangen, weshalb man noch nicht alle Änderungen ins Zeller Konzept habe einarbeiten können.

„Das Ganze ist learning by doing, wir haben ja bisher keine Erfahrungen mit einer solchen Situation“, sagte Jenisch mit Blick auf die Corona-Krise, aufgrund der lange unklar war, ob die Freibäder in diesem Jahr überhaupt öffnen können. Dass die Vorfreude der Bevölkerung groß ist, endlich das Bad nutzen zu können, zeige indes die Tatsache, dass bis dato rund 420 Saisonkarten bestellt wurden.

Kern des Zeller Freibadkonzepts ist die Beschränkung der Badegäste auf zunächst 200 Personen. Die Zählung findet anhand der elektronischen Erfassung der Saisonkarten am Badeingang statt; die Veröffentlichung des aktuellen Besucherstands erfolgt am Freibad selbst und auf der Homepage der Stadt. „Der Knackpunkt ist demnach, dass wir den Kartenbesitzern nicht zu jedem Zeitpunkt garantieren können, dass sie ins Bad kommen“, räumte Jenisch ein.

Weitere Punkte: Kinder unter zwölf Jahren dürfen nur mit Begleitung von Erwachsenen ins Bad. Die Sicherheitsabstände von eineinhalb Metern sind stets einzuhalten. Maskenpflicht herrscht nicht (außer im Toilettenbereich, wo die Abstände nicht eingehalten werden können).

Duschen können nach der jüngsten Lockerung nun doch genutzt werden, die Spinde bleiben allerdings gesperrt. Für die Zu- und Ausstiege an den Becken gibt es eine Einbahnregelung. Auch die Wege im Bad sind ausgeschildert. Das Kiosk wird geöffnet.

Die Attraktionen wie die große Rutsche bleiben bis auf weiteres geschlossen; ebenso wie bei einigen anderen Punkten meinte der Fachbereichsleiter dazu aber, man werde laufend den Badebetrieb beobachten und schauen, ob Lockerungen möglich gemacht werden könnten.

„Ich sehe der ganzen Geschichte positiv entgegen und freue mich auf die Badesaison“, sagte Schwimmmeister Sigmund Tinkhauser. Bürgermeister Peter Palme bedankte sich bei Tinkhauser und Jenisch für die sehr gute Umsetzung der von oben erlassenen Vorgaben, berichtete aber auch von für ihn persönlich sehr unruhigen Wochen.

Er habe Anrufe mit Bedrohungen – sowohl von Befürworten als auch von Gegnern der Badöffnung – erhalten, ließ Palme wissen. Zu Äußerungen aus der Bevölkerung, es könne auch lockerer im Badbetrieb zugehen, wie etwa die Schweiz zeige, meinte der Bürgermeister, dass die Schweiz gerade überlege, die Zügel wieder anzuziehen, weil die Infektionszahlen steigen würden.

Für die SPD-Fraktion begrüßte Claudia Dolzer die Öffnung des Freibads als wichtiges Signal gerade für Kinder und Familien, da diese unter dem Lockdown besonders zu leiden gehabt hätten. Sie äußerte die Bitte, die Anzahl der zugelassenen Badegäste schrittweise zu erhöhen, „wenn es gut läuft“. Auch Matthias Kiefer (CDU), Hannelore Vollmer (FW) und Susanne Accumanno (Bürgerforum) freuten sich über den Start in die Saison.

Thomas Kaiser (SPD) regte an, eventuell übers Tourismusbüro auch Einzeltickets anzubieten (nicht zuletzt, damit auch Touristen zum Zug kommen können), doch die Verwaltung verwies darauf, dass Einzeltickets derzeit nicht elektronisch erfasst werden können und man deshalb zunächst auf diese Variante verzichten müsse. Matthias Kiefer appellierte an die Zeller, verstärkt Saisonkarten zu erwerben und damit die Stadt bei ihren Bemühungen zu unterstützen.

Was die Finanzen angeht, so wird in diesem Jahr mit einem Defizit für das Bad in Höhe von 312 000 Euro gerechnet. Stand jetzt geht die Verwaltung davon aus, dass dieses Defizit aufgrund der verkürzten Saison nicht überschritten wird. Auch die Corona-bedingten Mehraufwendungen könnten gedeckt werden. So übernehme der Förderverein die Kosten für die Umstellung der Besucherzählung.

Das Bad hat täglich von 11 bis 20 Uhr geöffnet. Frühschwimmen könne aufgrund der Personalsituation dieses Jahr nicht angeboten werden, doch die wenigen Stamm-Frühschwimmer könnten auch von 11 bis 1 Uhr, wenn erfahrungsgemäß im Bad weniger los sei, zu ihrem Recht kommen, hieß es.

Das komplette Hygiene- und Betriebskonzept kann auf der Homepage der Stadt Zell eingesehen werden.

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