Zell im Wiesental Gemeinsam leben und alt werden

Markgräfler Tagblatt, 24.11.2017 11:10 Uhr

Sorgende Gemeinden als Herausforderung auf den demografischen Wandel – ein Thema, mit dem sich derzeit Experten beschäftigen und das in den kommenden Jahren noch an Bedeutung gewinnen wird. Deutlich machte dies eine Veranstaltung am Dienstag im Zeller Pfarrsaal.

Von Paul Berger

Zell. Zu dieser hatten unter dem Motto „Gemeinsam leben und alt werden“ Birgit Ackermann vom Vorstand des St. Josefshauses Herten sowie der Leiter des Fachbereiches Altenhilfe, Karl-Heinz Huber, die Bürgermeister und die Verantwortlichen aus den Kommunen sowie engagierte Pflege-Fachkräfte aus dem oberen Wiesental eingeladen.

Anlass für das aufschlussreiche Symposium mit sachkundigen Referenten war die Übernahme des Zeller Bürgerheims durch das Josefshaus Herten im April 2007. Später hinzugekommen sind das „Haus Wiesental“ (ehemaliges Krankenhaus in Zell) sowie das frühere Spital, heute das Altenpflegeheim in Schönau.

Neben einem breit gefächerten Angebot an professionellen Dienstleistungen hat man nach Aussage von Birgit Ackermann hierbei vor allem die Sozialräume vor Ort und die sich bietenden Ressourcen im Blickfeld. Unverzichtbar sind aus ihrer Sicht so genannte „strategische Leitplanken“, um die sozialen Räume und Quartiere mitzugestalten. Aufgabe und Ziel des Josefshauses mit seinen 1600 Mitarbeitern ist es, Menschen, die am Rande der Gesellschaft stehen, abzuholen und ihnen Unterstützung anzubieten.

Funktionierende Netzwerke notwendig

In diesem Zusammenhang wies Ackermann auch auf die Notwendigkeit sozialer Netzwerke hin, die heute für eine funktionierende Gesellschaft unerlässlich seien. Ähnlich sah dies Helmut Kneppe, Geschäftsführer des Kuratoriums Deutsche Altershilfe. Die größte Pflegeeinrichtung in Deutschland ist nach seinen Worten nach wie vor die häusliche Pflege. Rund zwei Drittel aller Pflegebedürftigen werden von ihren Angehörigen oder Verwandten in ihrer gewohnten Umgebung versorgt. Allerdings bestehe hier noch erheblicher Nachholbedarf, insbesondere was die Vereinbarkeit von Beruf und Pflege angeht. Ein weiteres Kapitel sind bedarfsgerechte Wohnungen in den Kommunen.

Der demografische Wandel führt unweigerlich zu gesellschaftlichen Veränderungen. Die Zahl der Menschen mit hohem Alter wird steigen, während gleichzeitig bei den Jüngeren ein spürbarer Rückgang zu verzeichnen ist, so die von Professorin Cornelia Kricheldorff von der katholischen Hochschule in Freiburg vorgestellte Prognose.

Ältere Menschen ziehen verstärkt aus Zell weg

Entsprechende Untersuchungen gehen bis 2050 von einem Zuwachs bei den älteren Mitbürgern von 6,4 Millionen aus. Auch in Zell, so belegten Kricheldorffs Zahlen, werden die Menschen immer älter. Allerdings würden gerade ältere Menschen verstärkt aus Zell wegziehen.

Die derzeitige Situation in der Seniorenbetreuung schilderte Bürgermeister Rudolf Rümmele aus Sicht der Kommune. Er erinnerte an die intensiven Bemühungen, in Zell ein Bürgerheim zu schaffen. Mit dem Bau der Einrichtung, die heute neben dem Pflegeheim auch eine Tagespflege sowie eine Begegnungsstätte und eine größere Zahl betreuter Wohnungen umfasst, wurde gleichzeitig das Ziel verfolgt, den Einzelhandel zu stärken.

Doch anfangs hatte man in Zell aus Sicht des Gemeindechefs noch ein echtes Image-Problem, gegen das es anzukämpfen galt. Als Vorteile nannte Rudolf Rümmele die günstige Lage des Bürgerheims im Zentrum der Stadt sowie die Nähe zu den zwei Supermärkten, die ebenfalls angesiedelt wurden. Von Vorteil ist auch der Bahnhof mit der Regio-S-Bahn und der Verbindung bis Basel. Nicht unerwähnt blieben die Bemühungen, die Stadt barrierefreier zu gestalten.

 
          0