Zell im Wiesental Hochwertige Biotope an Quellen

Christoph Schennen

Umweltstaatssekretär Andre Baumann und Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer haben sich am Donnerstag an einer Waldquelle im Bereich Belchen-Hohtann bei Aitern über ein Modellprojekt zum Schutz naturnaher Quellen informiert und es Pressevertretern vorgestellt. Ziel des vierjährigen Projekts ist es, Flora und Fauna in und um die Wasserquellen von Brugga, Kleiner Wiese inklusive dem Belchengebiet und der Menzenschwander und Bernauer Alb zu erfassen. Gefördert wird das Projekt mit 184 000 Euro von der Stiftung Naturschutzfonds Baden-Württemberg (BW).

Von Christoph Schennen

Zell/Aitern. Von den 500 Quellen im Biosphärengebiet Schwarzwald sollen ein Drittel untersucht werden, sagte Schäfer. Sie hob die große Bedeutung der Quellräume für die Biodiversität hervor. Aber: „Wir wissen zu wenig über die hochwertigen Biotope.“ Auch die Quellen seien vom Klimawandel betroffen. Von Januar bis Mai lag die Niederschlagsmenge in Baden-Württemberg 30 bis 80 Prozent unter dem, was Experten erwartet hatten. Umso bedeutender sei es, die Rahmenbedingungen zu erfassen, um ein Schutzkonzept für die Quellen zu entwerfen. Herausgefunden werden müsse laut Regierungspräsidentin, wie groß und wie gefährdet die Wasserressourcen sind. Gesichert werden müsse die Wasserversorgung für den Menschen und das Vieh, das in der Region weidet. „Mit einem solchen Projekt wollen wir zeigen, dass Handlungsbedarf besteht.“

Schutzkonzepte für die Quellen

Staatssekretär Baumann sagte, die Kenntnisse über Parameter wie die Morphologie, Temperatur oder die Wasserschüttung dienten dazu, individuelle Schutzkonzepte für die Quellen zu entwerfen. Die Quellen seien vielen Umwelteinflüssen ausgesetzt. Beeinträchtigt würden sie zum Beispiel durch Ablagerungen,Verfüllungen, zu viele Fichten und Trittschäden von Mensch und Tier. Baumann wies auf den Masterplan Wasserversorgung Baden-Württemberg hin, der fordere, die Wasserversorgung resistenter zu gestalten und von der Einzelwasser- zur Gruppenwasserversorgung zu kommen, wo man Wasser aus mehreren Quellen beziehen kann. Aiterns Bürgermeister Manfred Knobe sagte, es sei wichtig, dass die Allmendfelder bewirtschaftet werden können. Die Landwirte könnten es sich nicht leisten, viel Wasser auswärts zu beziehen, weil die heimischen Quellen versiegen.

Schutz- und Nutzungskonzept

Christoph Huber (Biosphärengebiet Schwarzwald) forderte, die Artenerfassung müsse in ein Schutz- und Nutzungskonzept für Quellwasser münden. Stefanie von Fumetti, Leiterin der Arbeitsgruppe Quellen- und Fließgewässerökologie an der Universität Basel, wies darauf hin, dass rund um die Quelle sehr viele Lebensräume zu finden seien, die eng miteinander verzahnt sind. Ihr Fachbereich führt die Untersuchungen durch. Indikatorarten für Quellen seien die badische Quellschnecke, die Quellköcherfliege oder der Alpenstrudelwurm, den man in den Alpengewässern häufig findet. Aus den Wasserproben könne man molekulargenetisches Material gewinnen, anhand dessen man die Art, die im Quellwasser vorkommt, bestimmen kann.

Aufmerksamkeit auf die Quellen lenken

Fumetti missfällt nicht nur, dass wenige wissen, dass der Lebensraum rund um Quellen unbekannt ist, sondern auch, dass die Quellen nicht Teil der EU-Wasserrahmenrichtlinie sind. „Das größte Problem der Quellen ist, dass ihnen die Aufmerksamkeit fehlt“, stellte die Biologin fest. Hier gelte es Abhilfe zu schaffen.

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