Zell im Wiesental Keine Hinweise auf Sexualstraftat

Hans-Jürgen Hege

Ein „Fall“, der nach Meinung vieler Jugendlicher und Eltern „überhaupt kein Fall ist“, sorgte am Montag im Gemeinderat für hitzige Diskussionen – und eine gut einstündige Sitzungsunterbrechung.

Von Hans-Jürgen Hege

Zell . Zu der sah sich Bürgermeister Peter Palme angesichts einer Flut von Wortmeldungen aus den Zuhörerreihen veranlasst.

Stein des Anstoßes war die Entlassung eines städtischen Mitarbeiters, der sich nach Ansicht der Betroffenen seit zehn Jahren um die Betreuung von Kindern und Jugendlichen in der Stadt verdient gemacht hat. Dessen Verdienste wollten auch Bürgermeister und Verwaltung nicht verneinen: „Wir wissen, was er geleistet und was er aufgebaut hat“, so Palme.

Auch wenn die Stadt eine Stellungnahme zu den Hintergründen der Entlassung offiziell als Eingriff „in ein schwebendes Verfahren“ ablehnt: Die Gerüchteküche brodelte nicht zuletzt deshalb, weil seitens der Verwaltung vor allem die Eltern der Kindergartenkinder und der Jugendlichen im JuZ zu lange uninformiert blieben.

Ein Vater pochte auf sein Recht, aus erster Hand über mögliche Vorkommnisse informiert zu werden. 15 Tage habe man die Eltern im Ungewissen gelassen, sie hingehalten, ärgerte sich eine Mutter und warb – wie andere Redner auch – für „mehr Transparenz“ im kommunikativen Verhalten der Verantwortlichen.

Folge der „Hexenjagd“ auf den Mitarbeiter und die mangelhafte Aufklärung durch die Kita-Leitung und die Verwaltung seien Kinder, die tagelang heulten. „Das alles hätte nicht sein müssen, wenn man rechtzeitig mit uns geredet hätte“, hieß es.

Es gibt weitere Verdachtsmomente

Als Bürgermeister Peter Palme schließlich zu Wort kam, verwies er auf eine am Montag im Rathaus eingetroffene Stellungnahme der Staatsanwaltschaft. Diese habe mitgeteilt, dass die bisherigen Ermittlungen – entgegen der umlaufenden Gerüchte – „keine Hinweise auf Sexualstraftaten gergenüber Minderjährigen“ ergab.

Gleichwohl will die Stadt ihre Kündigung nicht rückgängig machen. „Diese Nachricht ändert nichts an der Tatsache, dass wir künftig getrennte Wege gehen“ so Palme. Weitere Verdachtsmomente in anderer Richtung, die eine Kündigung rechtfertigen, lägen vor. Eine weitergehende Begründung dafür könne derzeit aus bekannten Gründen nicht erfolgen, sagte er und bat um Geduld.

Im Übrigen wäre es ihm auch lieber gewesen, die Kündigung hätte keinen öffentlichen Wirbel entfacht. Aber die Aktionen von Jugendlichen und Eltern, die in der Stadt Plakate und Transparente aufhängten, hätten dies zunichte gemacht.

Den Vorwurf der Hinhaltetaktik wolle Palme nicht gelten lassen, weil es innerhalb der Verwaltung einfach geraume Zeit gedauert habe, bis eine Entscheidung fallen konnte. Schließlich sei ein solcher Fall nicht gerade alltäglich, warb der Bürgermeister um Verständnis.

Die Vorwürfe an den Rathauschef rissen dennoch nicht ab. Das Kindeswohl sei nicht gebührend berücksichtigt worden, hieß es. Und: „Wir alle wussten, dass der Betreuer das, was ihm vorgeworfen wurde, nicht getan haben kann“, hieß es. Es habe sich also um eine Verleumdung von dritter Seite gehandelt.

Die Stadt habe den Mitarbeiter nicht angezeigt, beteuerte der Bürgermeister. Statt einer Kündigung hätte es nach Ansicht der Eltern allerdings auch eine einfache Freistellung bis zur endgültigen Klärung des Sachverhaltes getan.

Dass die Stadt handeln müsse, wenn sie den Eindruck gewinne, dass das Arbeitsverhältnis nicht fortgesetzt werden könne, bekräftigte indes Hauptamtsleiter Peter Lepkojis mit Nachdruck. Die Stadt müsse handeln, wenn solche Vorwürfe im Raum stehen, sahen auch manche Eltern ein. Aber es wäre wünschenswert gewesen, sie hätte den Ball zunächst einmal flach gehalten. „So aber haben Sie eine Existenz zerstört“, schimpfte ein Vater.

Strafanzeige nicht von der Stadt

Am Ende stand dann die Forderung: „Macht das Beste aus der Situation und gebt dem guten Mann seinen Job wieder.“ Niemand könne verstehen, dass ihm gekündigt wurde, nachdem er über zehn Jahre lang seinen Job zur Zufriedenheit aller erledigt habe.

Zwei Mütter gaben abschließend die Forderung zu Protokoll, dass der Betroffene „spätestens nach seinem Freispruch vollständig rehabilitiert und wieder eingestellt wird.“

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