Zell im Wiesental Mahle-Gießerei „ist nicht zu retten“

Peter Schwendele
Die Firma Mahle will die Gießerei in Zell schließen. Foto: Archiv

Die geplante Schließung der Gießerei der Firma Mahle am Standort Zell ist alternativlos. So könnte man die Ausführungen von Betriebsleiter Hubert Philipp zusammenfassen, der am Montagabend im Gemeinderat zu Gast war, um über die jüngst gefällte Entscheidung des Konzerns zu berichten, die für viel Aufsehen in der Schwanenstadt gesorgt hatte.

Von Peter Schwendele

Zell. Die Entscheidung des Konzerns, die traditionsreiche Gießerei mit ihren rund 50 Mitarbeitern in Zell zum Ende des Jahres zu schließen und entsprechende Tätigkeiten in Polen ausführen zu lassen, habe nichts mit Profitmaximierung zu tun, sagte Philipp. Vielmehr handle es sich um eine „normale Entwicklung“, die davon geprägt sei, dass das Gießen von Teilen für die Autoindustrie mit der Zeit vom Markt verschwinde. Mit moderner Sintertechnik seien die entsprechenden Ringteile um die Hälfte billiger zu produzieren. Des Weiteren, so legte der Betriebsleiter dar, seien die hohen, zum Teil unproduktiven Energiekosten in der Gießerei nicht länger tragbar.

Wie Hubert Philipp berichtete, wollte das Landratsamt diesen Betriebsteil von Mahle bereits im Jahr 2015 aus Lärmschutzgründen schließen. Man habe seinerzeit noch 150 000 Euro in den Lärmschutz investiert, es sei aber längst allen Beteiligten klar gewesen, dass in der Gießerei keine anderen Produkte als die bisherigen mehr hergestellt werden können.

Dies sei natürlich ein schwerer Schlag für viele in der Schwanenstadt und ein Szenario, das mit starken Emotionen verbunden sei, da mit dem Aus für die Gießerei eine lange Tradition der Zeller Arbeitswelt zu Ende gehe. Aber, so machte Hubert Philipp deutlich: „Die Gießerei in Zell retten zu wollen, ist unmöglich.“

Personal soll weiter in Zell beschäftigt werden

Vorrangiges Ziel sei es demnach jetzt für ihn als Betriebsleiter, gemeinsam mit dem Betriebsrat die in der Gießerei beschäftigten Arbeitnehmer ins Hauptwerk zu integrieren. Hierfür sieht Philipp gute Chancen, denn die Talsohle beim Personal, das in der jüngsten Vergangenheit immer weiter geschrumpft ist, wird seiner Meinung nach bald durchschritten sein. „Ich bin überzeugt, dass wir den größten Teil der Leute weiter in Zell beschäftigen können“, sagte der Betriebsleiter. Allerdings sei es eine große Aufgabe für die Betriebsleitung und den Betriebsrat, die Gießereimitarbeiter bei dem Wechsel zu unterstützen und zu begleiten.

Grundsätzlich machte Hubert Philipp bei seinem Vortrag vor dem Gemeinderat Hoffnung auf eine positive Zukunft von Mahle in Zell. Schließlich sei man derzeit mit der Entwicklung eines neuen Produkts beschäftigt. „Wenn wir es hier bis zur Serienreife schaffen, würde es um einen zweistelligen Millionenbetrag gehen, der investiert werden müsste, um in Zell produzieren zu können“, legte Philipp dar. Offen sei daneben, ob die alte Gießerei hier für eine Nutzung in Frage kommen würde. Stand jetzt würde das Gebäude nach der Schließung zum Verkauf stehen.

Hubert Philipp riet den Räten davon ab, in Bezug auf die Schließung der Gießerei den direkten Kontakt mit der Konzernleitung in Stuttgart zu suchen, wie es die SPD in einem Antrag gefordert hatte. Dort werde man nichts Neues erfahren; und er verspreche, dass er, wie bisher, jede sich auftuende Entwicklung so frühzeitig wie möglich mit der Stadtverwaltung und dem Gemeinderat besprechen werde, so der Betriebsleiter.

Wenn es allerdings mittelfristig um die Entscheidung gehe, wie der Konzern mit der Arbeitsverteilung im Hinblick auf das von ihm erwähnte neue Produkt zu verfahren gedenke, dann sei es unter Umständen sehr hilfreich, wenn entsprechende Signale aus der Zeller Politik nach Stuttgart gesendet würden, in denen deutlich gemacht wird, wie sehr die Schwanenstadt auf eine Sicherung des Standorts in Zell setzt. „Dann gemeinsam Flagge zu zeigen, ist sicherlich sinnvoll“, sagte Philipp.

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