Zell im Wiesental Narren kurbeln den Tourismus an

Zell könnte zum Tourismusmagneten werden, wenn man endlich die vorhandenen Potenziale ausnutzen würde - zum Beispiel die legendären Pfaffenberger „Töffli-Fahrten“. Diese Strategie empfahlen zumindest die Narren beim traditionellen „Ölfte Ölfte“. Bis es soweit ist, wird in der Schwanenstadt wieder kräftig Fasnacht gemacht: Mit dem neuen Hürus „Christoph, de ZM vom Adelsberg“ und dem Motto „Wenn de Reife hi isch, bruchsch nümmi pumpe“.

Von Peter Schwendele

Zell. Im prall gefüllten „Spassi-Fun-Freizeit-Spinnerei-Park“ konnte FGZ-Chef Peter Mauthe am Samstagabend zu den Klängen des Fanfarenzugs ein erwartungsvolles Publikum begrüßen, das mit einem rund vierstündigen Programm auf den Einmarsch des Hürus eingestimmt wurde, der kurz nach Mitternacht den Saal enterte. Mit Christoph Freuschle, dem Zeremonienmeister der FGZ, präsentierten die Narren einen jungen, dynamischen Fasnachtsregenten, der seinem Ruf als strenger Organisator zum Trotz ausgelassen Fasnacht feiern lassen will. Auf jeden Fall empfahl er schon einmal allen Zellern, zügig die Urlaubsscheine für die tollen Tage im kommenden Jahr auszufüllen. Und Bürgermeister Peter Palme ließ er wissen, dass seine Tage gezählt sind.

Gleich zu Beginn des Abends, den Regisseurin Andrea Köpfer mit einem flotten Song nach einer Melodie von ABBA eröffnete, erwartete das närrisch gestimmte Publikum eine Überraschung. Die Zeller Fasnachtslegende Klärle Behringer erschien auf der Bühne und legte in ihrer typischen Art dar, wie wichtig es für jeden Zeller ist, das Fasnachtsgen zu pflegen. Sie selbst werde Fasnacht auch noch im Himmel machen, erklärte die betagte Närrin und sorgte damit für Standing Ovations im Saal.

Nach dieser Einstimmung widmeten sich die Narren dem aktuellen Thema Ärztemangel und machten sich auf die Suche nach geeigneten Medizinern für die Schwanenstadt. Dies erwies sich allerdings als kniffliges Unterfangen, obwohl Bürgermeister Peter Palme bei einer Führung durch das Städtchen auf die Unterstützung seiner Partnerin Vera Noy und City-Managerin Frau Knaller zählen konnte. Zell wurde zwar mit Highlights wie der „kulinarischen Meile“ oder der „Agostini-Arena“ ansprechend präsentiert, aber wenn Ärzte wie Dr. Marga Sucht oder Dr. Oetker zur Auswahl stehen, nützt das ganze tolle Stadtbild nicht allzu viel. Bleibt die Hoffnung, dass Dr. Stefan Döbele, der Arzt, dem alle Zeller vertrauen, doch noch überzeugt werden kann.

Dass Zell trotz dieses Defizits lebenwert ist und sich ein Umzug von Hausen in die Schwanenstadt allemal lohnt – auch wenn der Umzugshelfer schon mal im Häs dasteht, weil er etwas durcheinander gebracht hat – bewiesen anschließend Katrin und Laura Behringer im schwesterlichen Zwiegespräch, bei dem nicht nur die tupperwarengepolte Mutter Petra ihr Fett abbekam.

Prompt präsentierte die nächste Nummer ein gesellschaftliches Highlight der Schwanenstadt, den Zeller Kochclub. Dort traf sich ein buntes Volk zur Speisenzubereitung und -verköstigung, wobei bei manchem Teilnehmer die Küchenkünste durchaus noch Luft nach oben aufwiesen („Wenn du afangsch koche, brennt sogar s` Wasser a“). Die Meinungen über Speis und Trank gingen in der Runde zwar bisweilen weit auseinander, zum Schluss des kulinarischen Austauschs herrschte aber dennoch Einigkeit und alle kamen zu ihrem Recht, sogar so exotische Teilnehmer wie der „Second-Hand-Vegetarier“ („Kuh frisst Gras, ich esse Kuh“).

Viel Witz versprühte einmal mehr Ansager Thomas Kaiser, der die Gäste zwischen den einzelnen Nummern mit seinen exakten Beobachtungen über das Zeller Stadtgeschehen unterhielt. So hatte er unter anderem genau registriert, dass die Adelsberger Kühe vor dem Besuch von Landwirtschaftsministerin Claudia Klöckner in die Waschanlage gebracht worden waren. Und er bewies mit tiefschürfenden Vergleichen, dass sich die Zeller vor den Schopfheimern nicht zu verstecken brauchen. Denn während beispielsweise die Zeller in der Bundesliga ringen, ringen die Schopfheimer höchstens um Luft.

Nach der Pause, in der die Zeller Noteknacker ihr musikalisches Können unter Beweis stellten, präsentierten Sandra Sütterle, Norbert Kaschel, Luthold Rümmele und Jörg Thum mit flotten Songs, die zum Mitklatschen einluden, das Motto für die kommende Kampagne. Die Idee um demolierte Reifen und sinnfreies Pumpen dürfte den Wagenbauern und Redenschreibern ordentlich Inspiration liefern.

Danach kam die Kommunalpolitik zu ihrem Recht. In einer witzigen Nummer führte der Bürgermeister seine frisch gewählten „Gemeinderäte, -rätinnen und -geratenen“ durch die Stadt, um gemeinsam über mögliche Verbesserungen zu beraten. So ging es etwa im „eselfreundlichen“ Atzenbach um das Thema Tempolimit und um die Idee, aus Lärmschutzgründen die Wiese nachts „abzustellen“. Am Sparkassenplatz mühten sich die gewieften Volksvertreter aller Couleur, „die Innenstadt als solche erkennbar zu machen“ und am Latschari-Platz kämpfte man, teils gemeinsam, teils gegeneinander, mit dem furchterregenden Beizensterben, immer wieder freundlich begleitet von einem bekannten Zeller Gastronomen, dessen Geschäftssinn und Marketingstrategie ein ums andere Mal überzeugte („Ich hol mein Bananensplit direkt aus Split“).

Nachdem eine Gruppe junger Damen einen flotten „Krimi(n)zell-Tanz“ aufs Parkett gelegt hatte, brachte die Abschlussnummer des Abends (LÖ-PF-Tours“) den Saal endgültig zum Kochen. Dass der „Tag der offenen Tür“ auf dem Pfaffenberger Zimmerplatz zum neuen touristischen Highlight werden könnte, wurde bei der Stammtischrunde um Christoph „Stöffli“ Philipp (alias Lutz Hochstatter), der die Anreise mit seinem speziellen fahrbaren Untersatz organisiert hatte, bereits sichtbar. Das ganze Potenzial, das in dieser Idee liegt, wurde aber erst so richtig deutlich, als die beiden Damen vom Tourismusbüro (Elke und Klara Hochstatter) mit ihrem Song „De Stöffli mit sim Töffli“ den Saal rockten und auch den letzten im Publikum mitrissen – der fulminante Schlusspunkt eines gelungenen närrischen Abends.

FOTOGALERIE Weitere Fotos unter www.verlagshaus-jaumann.de

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