Zell im Wiesental Schatzsucher birgt Ehering aus Zell

Zell/Larg. - Am 14. März diesen Jahres geht André Lang in seinem Heimatort Larg im elsässischen Sundgau seiner Lieblingsbeschäftigung nach: der Metalldetektion. Dabei stößt er gelegentlich auf sehr alte Schätze wie Münzen und Medaillons und versucht, herauszufinden, woher sie stammen.

Um genau 17.28 Uhr löst der Metalldetektor einen verheißungsvollen Klang aus. Gleich darauf gräbt Lang einen goldenen Ehering aus. Die in die Innenseite des Rings eingravierte Schrift ist noch sehr gut lesbar: „Bertha Pastari – 3. Mai 1897“.

Doch wer war der Besitzer dieses Eherings? Sieben Stunden später findet der Elsässer im Internet die Antwort: Bertha Pastari heiratete am 3. Mai 1897 Leopold Baumgartner, und zwar in Zell im Wiesental.

Der 54-jährige Lang, der am Flughafen Basel-Mulhouse für das Betanken der Flugzeuge zuständig ist, will sich auf die Suche von Nachfahren machen, um ihnen den Ring auszuhändigen, doch zu dieser Zeit sind die Grenzen wegen der Corona-Pandemie geschlossen.

Bald nach der Wiederöffnung findet er im Zeller Pfarrhaus die Hochzeitsurkunde und bald darauf verwandtschaftlich entfernte Nachfahren von Bertha Pastari, doch nicht die rechtlichen Eigentümer des Rings. „Ich habe auf meiner Suche im Wiesental viele hilfsbereite Menschen getroffen, denen ich sehr dankbar bin“, erzählt André Lang. Am Nachmittag des 26. Juli begibt sich Lang auf dem Zeller Friedhof erneut auf Spurensuche und erhält von einem dortigen Besucher den Hinweis, sich an die Zeller Autorin Heidi Knoblich, Verfasserin historischer Romane, zu wenden; sie könne ihm bestimmt weiterhelfen.

Heidi Knoblichs anschließende Recherche in den hier ansässigen, weit verzweigten Familien namens Baumgartner führt nach Atzenbach zu Peter Kiefer, dem ehemaligen Leiter des Zeller Pflegeheims, der sich mit Ahnenforschung beschäftigt. Kiefer kann das letzte Puzzleteil beisteuern: Sein Großvater Karl Friedrich Baumgartner war der Bruder des einstigen Besitzers des Rings.

Leopold Baumgartner wurde am 16. Juni 1871 in Willaringen im Hotzenwald geboren und arbeitete in der Spinnerei Atzenbach. Was hat ihn ins Elsass geführt? Baumgartner leistete im ersten Weltkrieg im damals deutschen Lützel (heute Lucelle), ungefähr eine halbe Stunde Fußmarsch vom Fundort entfernt, seinen Militärdienst, aus dem er 1918 wieder heimkehrte.

Auf einem Foto des Ehepaars, aufgenommen an einer Familienfeier, trägt er wieder einen goldenen Ehering. Offensichtlich hat er sich einen neuen Ring anfertigen lassen. Aus der Ehe mit Bertha Pastari gingen drei Söhne hervor.

André Lang freut sich darauf, den Urenkeln Vera Ullrich und Uli Baumgartner den Ring zu überreichen und ihnen den Fundort zu zeigen.

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