Zell im Wiesental Viele Einblicke und echte Raritäten

Von Anja Bertsch

Eine facettenreiche Ausstellung zur Geschichte der Zeller Fasnacht ist derzeit in der Sparkasse zu sehen - Auftakt zum bevorstehenden narrentypisch krummen 390-Jahr-Jubiläum. Hürus „Dieter us de Kirchstroß“ eröffnete die Ausstellung am Freitag im Beisein zahlreicher Granden der Zeller Fasnacht und befreundeter Narren von jenseits der Stadtgrenzen.

Zell. So kenntnisreich wie eindrücklich gab Fasnachtshistoriker Uli Merkle den Gästen zur Einstimmung einen Eindruck von den Anfängen der Zeller Fasnacht, die mitten im Dreißigjährigen Krieg liegen.

Unter jenen Umständen sei „Fasnacht machen“ etwas ganz anderes gewesen als heute. „Umzüg, Larve, Luschdig si – Gwiss nit!“, so Merkle. Eher wohl würde man das damalige Fasnachtstreiben heute als „Randale“ bezeichnen. Tatsächlich weiß man um die Fasnachtsanfänge denn auch dadurch, dass es 1627 von der Regierung in Wien die Anweisung gab, das „überzogene Fasnachtstreiben mit Vermummung“ in Zell zu unterbinden. Die Zeller Fasnacht, wie man sie heute kennt, sei dann wohl erst Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden; erste Belege aus den 1870er Jahren berichten von Schauzügen und „Bunten Abenden mit Belustigung“ in den damals zahllosen Gaststätten. Erst Mitte der 1920er Jahre wurde das Fasnachtstreiben mit der Gründung der Fasnachtsgesellschaft Zell und erster Vogteien in geordnetere Bahnen gelenkt. Dokumente aus der Anfangszeit sind eher rar: Überm feucht-fröhlichen Ablauf der Sitzungen sei das Protokolle-Schreiben eher zu kurz gekommen, erklärte Merkle schmunzelnd.

Gemessen am Titel „Schnurre, strähle, klepperle – Fasnachtshäs vom Oberrhi“ habe die Ausstellung ihr Thema eigentlich verfehlt, schmunzelte Merkle: Mit großem Engagement und Sammelleidenschaft habe Kurator Peter Zluhan viel mehr Exponate über die Zeller Fasnacht zusammengetragen als ursprünglich gedacht, so dass nun der größte Teil der Zeller Fasnachtsgeschichte gewidmet ist.

Tatsächlich: Die Fülle der Exponate ist beeindruckend, die Schau bietet faszinierende Über- und Einblicke, und auch der eingefleischteste Zeller Fasnächtler wird unter den Fundstücken Neues und Spannendes entdecken. Echte Raritäten sind darunter wie das mittlerweile ausgestorbene Güggel-Schrättele oder das Original-Notenblatt des Zeller Narremarsches. Fotocollagen und Zeitungsausschnitte geben Eindrücke von der Straßenfasnacht bis zurück in die 1920er Jahre, in Vitrinen und an Schaufensterpuppen zeigen sich die modischen Entwicklungsstufen der herrschaftlichen Hürus- und Präsidiumsgarderobe, und eine großformatige Ausstellungswand zeigt die mittlerweile fünfzig Hürusorden in all ihrer Unterschiedlichkeit und Originalität. Und dann gibt`s doch auch noch das ein oder andere Häs von anderswo zu sehen.

Als Hausherr hatte Georg Ückert vom Sparkassenvorstand in seinem Grußwort die Stadt Zell als „im positiven Sinne verrückte Stadt“ gewürdigt. Ückert verwies auf die besondere Verbundenheit zwischen Sparkasse und Zeller Fasnacht, und bekräftigte dies mit einem Scheck über 1500 Euro, den er FGZ-Präsident Peter Mauthe überreichte.

Gastgeber Peter Mauthe dankte besonders den Ausstellungsmachern Peter Zluhan und Uli Merkle. Gemeinsam hätten die beiden die Ausstellung mit viel Herzblut eingerichtet – „das verdient höchste Anerkennung“, betonte Mauthe und überreichte den beiden sowie Sparkassenvorstand Georg Ückert den speziell zum Freundschaftstreff kreierten Orden.

Dereinst sollen die Ausstellungsstücke im Zeller Fasnachtshus ihren Platz finden. Mauthe überreichte dem Förderverein Fasnachtshus, vertreten durch Peter Zluhan und Helmut Mond, eine großformatige Fahne, die dereinst am dem Fasnachtshaus wehen soll.

Grüße und Urkunde des Verbands Oberrheinischer Narrenzünfte/Vogtei Dreiländereck überbrachte Markus Messmer.

Die Ausstellung „Schnurre, strähle, klepperle – Fasnachtshäs vom Oberrhi“ ist bis Aschermittwoch zu den Öffnungszeiten der Sparkasse in Zell zu sehen.

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