Gegenwind für die Führungsspitze des Schwarzwaldvereins: Mitglieder des Vereins Bürgerwindrad Blauen, die gleichzeitig Mitglieder des Schwarzwaldvereins sind, haben jetzt in einem offenen Brief führende Vertreter der Wanderfreunde für ihre ablehnende Haltung zu weiteren Windkraftprojekten kritisiert.

Zell/Oberes Wiesental (pele). Die Energiewende müsse vorangetrieben werden und im Zuge des Klimawandels dürfe man sich nicht nur um den Schwarzwald, sondern müsse sich um all die anderen Landschaften in Deutschland, Europa und auf der ganzen Welt sorgen, heißt es in dem Schreiben.

Hintergrund ist ein Artikel im Markgräfler Tagblatt vom 6. Juni, in dem Peter Wehrle, Vizepräsident des Schwarzwaldvereins, Karlheinz Abt, Naturschutzwart im Bezirk Markgräflerland, Peter Lutz, Naturschutzreferent und Rudi Maier, Vorsitzender des Bezirks Markgräflerland, dem Windparkprojekt auf dem Zeller Blauen eine Absage erteilt und die weitere Nutzung der Windenergie im Schwarzwald in Frage gestellt hatten.

Polemik und Übertreibungen

In dieser Stellungnahme sei auch mit Polemik und Übertreibungen nicht gespart worden, heißt es in dem offenen Brief mit Verweis auf Begriffe wie „Industriepark“ oder „halbe Autobahnen“ und die Heraufbeschwörung von Gefahren für die Tourismusbranche.

„Vertreten Sie hier tatsächlich die Interessen der 60 000 Mitglieder des Schwarzwaldvereins, oder geht es um die persönliche Meinung des Vizepräsidenten, des Naturschutzreferenten sowie des Bezirksvorsitzenden und des Bezirks-Naturschutzwartes Markgräflerland?“, fragen hierzu die Mitglieder des Vereins Bürgerwindrad Blauen. Und weiter heißt es: „Auch in unseren Reihen gibt es zahlreiche Mitglieder des Schwarzwaldvereins, die Ihre vorgebrachten Argumente in keinster Weise unterstützen können. Anders als Sie sind wir von den Vorteilen der Windkraftnutzung überzeugt.“

Als Beispiele werden genannt: Kein Abbau und Verbrauch von Rohstoffen für die Energieerzeugung, kein CO2-Ausstoß oder andere Abgasemissionen, keine Müllentsorgung oder Endlagerung, geringer Flächenbedarf, dezentrale Energiegewinnung, Möglichkeit der Bürgerbeteiligung, vollständiger Rückbau der Anlagen nach Ende der Nutzungsdauer. Herausragend falle die CO2-Bilanz für die Windkraftnutzung aus.

Beim Kampf gegen den Klimawandel mit seinen verheerenden Auswirkungen komme der Windkraft entscheidende Bedeutung zu. „Wenn wir zusammen die Energiewende ernsthaft und erfolgreich voranbringen wollen, müssen alle potenziell geeigneten Standorte im Schwarzwald für den Bau von Windrädern in Erwägung gezogen werden und wo möglich – nach eingehender Prüfung – freigegeben werden. Dies sind naturgemäß die exponierten Kammlagen“, heißt es weiter.

Zumutbar zu Gunsten künftiger Generationen

Die Sichtbarkeit könne dabei unter dem Verweis des möglichen, vollständigen Rückbaus kein Verhinderungsgrund sein. „Wir halten dies zu Gunsten zukünftiger Generationen für zumutbar“, schreiben die Unterzeichner. Denn die jetzige, nicht nachhaltige Lebensweise verursache schier unlösbare Probleme schon jetzt und erst recht in der Zukunft.

Während die Gegner von Windenergieanlagen im Schwarzwald einem längst vergangenen „Heile-Welt-Bild“ nachtrauern würden, hätten die Auswirkungen des Klimawandels den Schwarzwald bereits erreicht. Verwiesen wird hier unter anderem auf jährlich neue Hitzerekorde und andauernde Trockenperioden, die zu Wasser- und Futterknappheit in den Schwarzwälder Höhenlagen führen.

„Wir wünschen uns, dass Sie als Funktionsträger des Schwarzwaldvereins Ihrer Verantwortung gegenüber den kommenden Generationen gerecht werden und nicht kurzsichtigen Eigeninteressen den Vorzug geben“, heißt es abschließend an die Adresse der genannten Funktionsträger des Schwarzwaldvereins. Schließlich gehe es darum, erheblich größeren Schaden abzuwenden als die Beeinträchtigung des Landschaftsbildes durch Windräder.