Zell im Wiesental „Wir fühlen uns allein gelassen“

Hans-Jürgen Hege

Langsam wird’s eng. „Wir müssen bis 2032 im Kirchenbezirk 16 Pfarrstellen einsparen. Und das sind wesentlich mehr, als die Gerüchteküche vorab schon hergab“, kündigte Pfarrer Helmuth Wolff den Mitgliedern der evangelischen Kirchengemeinde an.

Von Hans-Jürgen Hege

Zell. Die Gläubigen hatten sich nach dem Sonntagsgottesdienst versammelt, um von ihrem Pfarrer, der seine Stelle in Zell im Jahr 2018 antrat und Anfang 2023 in den Ruhestand geht, zu hören, wie es in ihrer Gemeinde weitergeht oder weitergehen könnte und wie die (Spar-)Pläne der Kirchenleitung mit eigenen Wünschen, Ideen und Vorstellungen in Einklang gebracht werden könnten.

Nötig wurden diese Pläne laut Wolff wegen „veränderter Rahmenbedingungen“. Studienabgänger seien Mangelware, Pfarrerinnen und Pfarrer fehlen an allen Ecken und Enden. Und: „Es gibt nicht mehr so viele Kinder, Personal wird knapp, und die Kirchenaustritte häufen sich“, betonte Helmuth Wolff und brachte das Problem auf den Punkt: „Bis 2032 schrumpft der Kirchenbezirk um ein Drittel.“

Zuhörer zunehmend verärgert über Kirchenleitung

Nun seien die Kirchenältesten gefordert, Vorschläge zu erarbeiten, wie die gravierenden Probleme in den Griff zu bekommen seien. Vom Bezirk gibt’s den Vorschlag, einen „Wiesentäler Kooperationsraum“ stufenweise zu installieren. Der sieht ab 2025 unter anderem im Kleinen Wiesental eine Pfarr- und eine Diakonstelle (Schwerpunkt Konfirmation) und in Zell sowie in Todtnau Schönau das bisher gewohnte Stellenangebot vor. „Vorerst bleibt nach diesem Vorschlag im oberen Wiesental alles beim Alten“, sagt der Pfarrer, schränkt aber ein: „Vorausgesetzt es gelingt, die hiesige Pfarrstelle in einem akzeptablen Zeitfenster wieder zu besetzen.“

Gravierende Änderungen stünden dann aber ab 2032 bevor. Da gehe Christine Würzberg (Pfarrerin in Schönau / Todtnau) in den Ruhestand. Eine Pfarrstelle im Kleinen Wiesental und eine im oberen Wiesental (Zell, Schönau und Todtnau) sowie eine Diakonstelle (Schwerpunkt: Tourismus und teilweise fremdfinanziert) fürs ganze Wiesental seien geplant.

„Aber das ist, wie gesagt, bisher nur eine Idee als Basis für weitere Diskussionen und Beratungen in den dafür vorgesehenen Gremien“, dämpfte Helmuth Wolff aufkommenden Ärger, der sich von Seiten der Zuhörer auf die Kirchenleitung konzentrierte: „Wird auch dort gespart?“, wollte einer wissen. Von dort könnten einige Dekane „problemlos als Pfarrer eingesetzt werden“, hieß es. Wenn alle sparen müssten, müsse auch an oberster Stelle gespart werden. Änderungen hielt der Mann auch im organisatorischen Bereich für nötig und möglich: „Die Pfarrer sollten in Zukunft vom ganzen Verwaltungskram verschont bleiben.“ Die Pfarrer studieren schließlich Theologie und nicht Haushaltsrecht und Finanzwesen, schimpfte er und war sich sicher: „Dann könnten unsere Pfarrer ihren eigentlichen Aufgaben in den Gemeinden nachkommen.“

„Einige Dekane könnten problemlos als Pfarrer eingesetzt werden“

Aber in diese Richtung denke wohl keiner. Trotzdem müsse das in die Überlegungen, wie die Zukunft der Kirche gestaltet werden soll, einfließen, forderte der Zuhörer, der eine Menge Applaus für seinen Beitrag bekam, während andere ihren Frust mehr oder weniger für sich behielten.

„Ich bin froh, dass ich schon so alt bin“, gab eine Dame zu, und ihre Banknachbarin brachte den Ärger rundum auf den Punkt: „Wir fühlen uns vollkommen allein gelassen.“

Helmuth Wolff versprach, die Einwände und Bedenken mit in die Entscheidungsgremien zu nehmen und auch dem Bezirkskirchenrat vorzutragen, der nach zahlreichen weiteren geplanten Vorbesprechungen Anfang Dezember einen endgültigen Beschluss fassen werde.

Der wieder diene als Basis für die „total verspätete Ausschreibung der Pfarrstelle in Zell“, die wie erwähnt im kommenden Jahr vakant sein wird und unter Umständen mit Einsätzen der Pfarrer aus der Umgebung, darunter auch hie und da vom 82-jährigen früheren Zeller Pfarrer Hans-Joachim Demuth, von Christine Würzberg und von Christian Rave (Kleines Wiesental) bedient werden könnte, um die von den Gläubigen gewünschte Kontinuität bei den Gottesdiensten in Zell zu garantieren, bis ein neuer Pfarrer gefunden ist.

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