Zell im Wiesental „Wir waren die gut versorgte Insel“

Die Ärzteversorgung in Zell wird zum Problemfall. Foto: Symbolbild Archiv

Zell - Die Lage spitzt sich zu: Was die hausärztliche Versorgung in Zell angeht, steht in Kürze in der Schwanenstadt nur noch eine Praxis zur Verfügung. Denn sowohl Matthias Poland als auch Kathrin Mersch, beides Ärzte für Allgemeinmedizin, stellen ihre Tätigkeit in Zell ein. Dies teilte gestern Bürgermeister Peter Palme auf Anfrage des Markgräfler Tagblatts mit.

Bereits Anfang März sei er schriftlich von Kathrin Mersch, die zusammen mit Andreas Koch die hausärztliche Gemeinschaftspraxis in der Schopfheimer Straße betrieben hat, darüber informiert worden, dass die Ärztin den Gesellschaftsvertrag zum Jahresende gekündigt hat und ihren Kassenarztsitz nach Schopfheim verlegen wird. Aufgrund von „internen Differenzen“ habe sich die Angelegenheit in der jüngsten Vergangenheit beschleunigt, so dass bereits jetzt keine Patientenversorgung mehr durch Mersch in Zell stattfinde, berichtet Palme.

Nur noch ein Allgemeinarzt

Damit ist Andreas Koch in diesen Tagen der einzig noch verbliebene Allgemeinarzt in der Schwanenstadt, denn auch Matthias Poland hatte bereits im März mitgeteilt, dass er seine Praxis in der Adelsberger Straße in Zell zum Ende des Monats Juni schließen wird. „Trotz intensiver Bemühungen ist es mir nicht gelungen, eine geeignete Nachfolge zu finden“, ließ Poland damals die Stadt Zell wissen und empfahl der Verwaltung, Kontakt mit der Kassenärztlichen Vereinigung in Freiburg aufzunehmen, um dem Ausdünnen der Ärzteversorgung entgegenzuwirken.

Dies tat der Bürgermeister umgehend, schilderte die Situation und bat um Unterstützung dabei, „die wohnortnahe, flächendeckende, medizinische Versorgung“ zu sichern. Als Reaktion habe die Vereinigung zwar die Fakten im Versorgungsbereich Schopfheim skizziert, eine konkrete Hilfestellung habe es indes nicht gegeben, so Palme.

Dabei habe sich bereits in der jüngsten Zeit grundsätzlich gezeigt, dass es für die Bevölkerung schwieriger werde, stets umfassende ärztliche Versorgung zu erhalten. Insbesondere sei nicht mehr gewährleistet, dass der Arzt den Patienten oder Hilfsbedürftigen zuhause aufsucht. Im Extremfall könne zwar immer der Notfalldienst gerufen werden, doch müsse der Bedürftige beziehungsweise seine Familie hier proaktiv werden, und dieser Weg sei noch nicht von allen Bürgern realisiert worden.

"Wir brauchen neue Ärzte"

Dies verwundert den Bürgermeister nicht allzu sehr, denn im Wiesental „waren wir bisher die noch gut versorgte Insel“. Dass Zell so schnell zum Problemfall werden würde, habe sich nicht absehen lassen. Dazu komme, dass von Zell aus auch Häg-Ehrsberg und teilweise das Kleine Wiesental mitversorgt werden müsse. Deswegen steht für Peter Palme fest: „Wir brauchen zwischen Fröhnd und Hausen neue Ärzte.“

Die Stadt sei gewillt, sich darum zu kümmern, könne dieses Problem aber nicht auf eigene Faust lösen. Man könne höchstens Anreize setzen, die Allgemeinmediziner dazu bringen, sich in Zell niederzulassen. Und leider zeichne sich aktuell in dieser Hinsicht nichts ab. Palme: „Es gibt Bemühungen von vielen Seiten, es gibt auch Namen, die im Gespräch sind, aber es gibt noch nichts Konkretes.“

Fakt sei: Die Bürger müssten nun ausbaden, was die große Politik versäumt habe. „Warum etwa wurde nicht schon längst über die Einwanderungspolitik das Problem des Ärztemangels konzeptionell angegangen?“, fragt Zells Bürgermeister.

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