Zell im Wiesental Zeitzeugen- und Dokumentensuche

Die Seniorenakademie Hochrhein-Wiesental mit Sitz in Zell plant aus Anlass des 75-jährigen Bestehens der Kapelle Maria Frieden im Jahre 2021 eine Dokumentation. Am Donnerstag wurde das Projekt vorgestellt.

Von Paul Berger

Zell-Mambach. Es soll weitaus mehr als nur eine Dokumentation zum bevorstehenden 75-jährigen Bestehen der Kapelle „Maria Frieden“ im kommenden Jahr werden, sagt Peter Kiefer, der zur Zeit intensiv damit beschäftigt ist, neben der Entstehungsgeschichte alles, was von Beginn an über die kleine Bergkirche hoch über Mambach festgehalten und bekannt ist, zusammenzutragen. Dabei sind heute noch lebende Zeitzeugen und deren Erinnerungen an die damalige Zeit ebenso wichtig wie das Sammeln von Schrift- sowie von Bild- und Tondokumenten.

Als „ein großes Glück“ für seine aufwendige Arbeit bezeichnet Kiefer die vom Erbauer der Kapelle, Pfarrer Eugen Thoma, überlieferten und bereits vorhandenen Zeugnisse über das Geschehen und die Zeit unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg. Ein sehr wertvolles und lebendiges Zeugnis über den Bau der Kapelle ist der von Pfarrer Thoma seinerzeit gedrehte Film, der mittlerweile von Peter Kiefer digitalisiert wurde. Wie bekannt, gehörte Thoma während des Krieges zu den aufrichtigen Kritikern der NS-Herrschaft. Persönlich setzte sich Pfarrer Thoma besonders für den Schutz der Menschen ein. Mit der tatkräftigen Unterstützung aus der Bevölkerung, vornehmlich von Frauen aus dem Dorf, ist es ihm kurz vor dem Kriegsende gelungen, die von deutschen Soldaten vorbereitete Sprengung der Wiesenbrücke nahe der Kirche in letzter Minute zu verhindern. Sowohl die Brücke als auch die Kirche blieben, dank seinem beherzten Einsatz und dem mutigen Protest aus der Dorfbevölkerung, unbeschadet.

Dass die Region Oberes Wiesental, bis auf wenige Ausnahmen, ebenfalls von größeren Kriegseinwirkungen verschont geblieben ist, veranlasste Eugen Thoma, seinerzeit Pfarrkurat in Atzenbach, als Mahnung und Erinnerung an die schrecklichen Ereignisse, auf dem „Köpfle“, auch „Scheibenacker“ genannt, hoch über Mambach eine Kapelle zu Ehren der Gottesmutter zu errichten. Der Name „Maria Frieden“ soll daran erinnern, wie wertvoll und kostbar Friede ist. Nach der Grundsteinlegung am 2. Juli 1945 fand nach nur einjähriger Bauzeit bereits am 14. Juli 1946 unter großer Anteilnahme der Bevölkerung aus Atzenbach, Mambach, Pfaffenberg und Zell die Einweihung der Kapelle statt. Für die schwierigen Verhältnisse und Bedingungen unmittelbar nach dem Krieg, in denen außer Ochsen-Fuhrwerken so gut wie keine Fahrzeuge für den Transport der Materialien zur Verfügung standen, war der Bau der Kapelle zweifellos eine bewundernswerte Leistung. Gelungen ist dies vor allem durch die gemeinsamen Kraftanstrengungen zahlreicher Bürger und Bürgerinnen aus Atzenbach sowie aus den Umlandgemeinden Mambach, Pfaffenberg und Riedichen, die sich nicht scheuten, selbst Hand anzulegen und dabei auch große Strapazen auf sich nahmen. Ältere unter ihnen erinnern sich noch heute, wie sie mithalfen, Ziegelsteine zu Fuß aus dem Tal den Berg hinauf zu tragen; unter ihnen waren auch Schulkinder sowie Frauen und ältere Menschen.

Ihr großartiger Einsatz sowie die enormen Leistungen beim Bau der Friedenskapelle sollen nun in die von Peter Kiefer vorbereitete Dokumentation, zu der weiterhin Berichte, Dokumente und Fotos gesucht werden, einfließen. Der Termin für die nächste Zusammenkunft zur Dokumentations-Vorbereitung ist für Dienstag, 7. Juli, 18 Uhr, vor der Kapelle in Maria Frieden vorgesehen. Anmeldungen (wegen Begrenzung der Teilnehmerzahl) bitte an Peter Kiefer, Tel. 07625/9284812, oder an Senioren-Akademie Hochrhein-Wiesental, Tel. 07625/9188371.

Hinweis: Die ursprünglich für Sonntag, 12. Juni, geplante Feier des Patroziniumfestes in Maria Frieden fällt wegen der Corona-Krise in diesem Jahr aus.

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