Zell - Großer Andrang herrschte am Samstag beim „Tag der offenen Tür“ bei der Heizzentrale des Wärmenetzes Zell. Die EWS hatte eingeladen, die Heizzentrale in der Schwarznau und das Blockheizkraftwerke auf dem Gelände der Firma Benninger zu besichtigen.

Bürgermeister Peter Palme machte deutlich, dass man vor großen Herausforderungen stehe. Der heiße und trockene Sommer dieses Jahr habe eindrücklich vor Augen geführt, welche Folgen es haben könnte, wenn es nicht gelingt, die Treibhausgasemissionen zu vermindern.

Ein wichtiges politisches Ziel der Stadt Zell sei es daher, dem Klimawandel durch die Verringerung der Kohlendioxidemissionen entgegenzuwirken, sagte Palme. Das Wärmenetz Zell leiste einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz, indem fossile Energieträger wie Heizöl und Erdgas durch Wärme aus Holzhackschnitzeln ersetzt wird. „Holz als Brennstoff ist klimaneutral, da nur so viel CO2 freigesetzt wird wie der Baum im Laufe seines Lebens aufgenommen hat“, so der Bürgermeister.

Großes Interesse an ökologischer Stromgewinnung

„Das Interesse der Stadt Zell an ökologischer Stromgewinnung ist sehr groß“, sagte Palme weiter. Als Beispiel führte den Windpark Zeller Blauen an, an dessen Realisierung die Stadt Zell intensiv arbeite. Aber auch im Ausbau von Wärmenetzen sieht der Rathauschef noch große Potentiale. Die Beheizung des Freibads im Grönland sei umwelt- und energietechnisch bei weitem nicht auf dem aktuellen Stand. Der Aufbau eines Wärmenetzes im Grönland könnte Abhilfe schaffen und Synergiepotentiale realisieren.

Palme ließ es sich nicht nehmen, die Historie des Wärmenetzes Zell zu beleuchten. Startpunkt war eine Contractingausschreibung der Stadt für die Wärmeversorgung des Seniorenzentrums im Jahr 2005. In der Gottfried-Fessmann-Straße wurde 2006 der erste Holzhackschnitzelkessel in Betrieb genommen. Heute ist das Wärmenetz auf eine Leitungslänge von über sechs Kilometern angewachsen. Wichtige Meilensteine waren die Inbetriebnahme der zusätzlichen Heizzentrale in der Schwarznau, der Entschluss der Baugenossenschaft Zell, alle ihre Gebäude an das Wärmenetz anzuschließen und der gemeinsame Ausbau von Wärme- und Glasfasernetz seit drei Jahren. „Wir wünschen uns in Zell einen weiteren Ausbau der Nahwärmeversorgung“, so das Statement des Rathauschefs.

Rund 500 Wohnungen angeschlossen

Mit weiteren technischen Details konnte im Anschluss Daniel Weiß von der EWS aufwarten. Aktuell sind umgerechnet rund 500 Wohnungen angeschlossen. Die Wärmeversorgung erfolgt zu rund 80 Prozent aus Holzhackschnitzeln, knapp 20 Prozent liefern die installierten Blockheizkraftwerke (BHKW) und erzeugen „nebenbei“ Strom für über 150 Haushalte. Um bei eventuellen Störungen der technisch aufwändigen Hackschnitzelfeuerungen auf der sicheren Seite zu sein, sind zusätzliche Gas- und Ölkessel installiert, die bei einer Störung automatisch einspringen.

Durch das Wärmenetz Zell werden aktuell rund 1500 Tonnen des Klimagases CO2 eingespart. Dies entspricht den jährlichen Emissionen von etwa 900 durchschnittlichen Autos.

Die angebotenen Führungen zur Besichtigung des Holzhackschnitzelkessel und des Blockheizkraftwerkes stießen auf großes Interesse und führten zu vielen detaillierten Fachdiskussionen. Für Staunen sorgte bei Groß und Klein die abschließende Vorführung der Hackschnitzelerzeugung. In Zusammenarbeit mit dem Forstbetrieb Müller und der Firma König wurde die gesamte Kette vom stehenden Baum über das Rücken mit einem Forstspezialschlepper und dem Hacken des Holzes demonstriert. Innerhalb weniger Minuten wurden Baustämme mit einem Durchmesser von einem halben Meter in Hackschnitzel verwandelt und direkt in den Bunker geblasen.