Zell im Wiesental Zeller Narren „hen e gueti Chuttle“

Markgräfler Tagblatt, 09.11.2014 23:02 Uhr

Von Peter Schwendele

Zell. Mit dem neuen Hürus „Klaus, de Klampfer us em alte Bade“ alias Klaus Schultheiß starten die Zeller Narren in die neue Fasnachtssaison. Und sie sind gut gerüstet, wie der närrische „Ölfte Ölfte“ am Samstagabend bei der „Abschiedsparty“ für die Zeller Stadthalle zeigte. Zwar voller Elan, aber im Wissen, dass auch das Leben als Narr nicht immer leicht ist, propagieren sie als Motto für die kommende fünfte Jahreszeit: „Mengmol bruchsch e gueti Chuttle.“

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Die bewies das närrisch gestimmte Publikum schon einmal beim Warten auf den neuen Fasnachtsregenten, der erst weit nach Mitternacht die Treppe in den Saal hinunterstieg, um, wie er bei seiner Begrüßungsrede euphorisch kundtat, „in e Meer vo Narre innez`tauche“. „Klaus, de Klampfer us em alte Bade“ erlebte in der Tat einen bombastischen Empfang seiner Narrenschar und versprach den Zellern eine tolle Fasnachtszeit.

Sein Vorgänger hat derweil bereits einen neuen Job gefunden, wie bereits bei der ersten Nummer des rund fünfstündigen Programms erhellt wurde, nachdem Andrea Kiefer, Jana Mond und eine aufgeweckte Narresometruppe die Gäste im von Franco Paternostro und seinem Team stilecht geschmückten „Circus Holadio“ empfangen und Peter Mauthe, der Präsident der Fastnachtsgesellschaft Zell (FGZ), alle begrüßt hatten. „Jörg us em Paradies“, der zu später Stunde seinen Hürushut abgeben musste, darf nämlich als Pagin weiter bei der Fasnacht mitmischen, und das, obwohl ihn die gestrenge Jury zunächst als untauglich - weil männlich - abgelehnt hatte. Allerdings hatte sich die Suche nach „Zells nägscht Top-Pagin“ zunächst als relativ frustrierend erwiesen, allein schon wegen der hohen Anforderungen, die an diejenigen gestellt werden, die diese Position ausfüllen wollen: „Singe, schmützle, klatsche und winke.“ Außerdem sei es „im konservativen Zell“ kaum möglich, einen Mann zur Pagin zu machen, unterstrich auch Gastjuror Bruce Darnell, der die Unprofessionalität mancher Kandidatin zur Erheiterung des Publikums schonungslos offenlegte. Schließlich musste aber auch er der Ernennung von Ex-Hürus Jörg zur Pagin machtlos zusehen.

Wie kreativ im Zeller Pflegeheim mit dem mageren Budget umgegangen wird, erfuhr man bei der Nummer „Im Pflegeheim lernsch spare“. Der Sparwille ging so weit, dass sogar nach dem Zähneputzen das Wasser zum Mundausspülen mehr oder weniger fair geteilt wurde. Da spielte es dann auch keine große Rolle mehr, dass bisweilen schon mal Zäpfle und Hörgerät verwechselt werden. Und erhellend war das Ganze auch, fanden die munteren Alten doch heraus, dass durch das Internet viele ältere Menschen einfach verschwinden - indem viel zu oft gedankenlos Alt und Entfernen gedrückt wird.

Einen richtigen Zirkus vollführte danach der Familienbund Hochstatter auf der Bühne, auch wenn sich das Familienoberhaupt Lutz darüber beschwerte, dass er immer nur die zweite Geige spielen dürfe. Seine Frau Elke, die eindeutig die Hosen anhatte, empfahl ihm indes mehr Demut, denn „chasch froh si, dass überhaupt no im Orcheschter bisch“. Zwischendurch gab es gelungene Zirkuseinlagen, auch wenn manche Kostüme eher wie Wasser waren - „einfach geschmacklos“. Die Hochstatters gaben aber auch Einblicke ins Zeller Stadtleben, etwa in den Ablauf der Jumelagefeier mit „Mademoiselle Pompadour“, und outeten sich zum Schluss mit dem umgedichteten Hit „Atemlos“ als große Fans von Erfolgsringer Oliver Hassler.

„In Zeller Läde bisch deheim“ hieß es anschließend, und das Publikum konnte erfahren, was es mit dem gemütlichen Einkaufen in einem örtlichen Lebensmittelmarkt tatsächlich auf sich hat. Da verging die Zeit bisweilen so langsam, dass die Nägel rosteten, bis sie an der Kasse vorbei waren. Dennoch konnte man sich etwa über fair gehandelte Bananen aus der Region oder über vegetarische Second-hand-Produkte freuen.

Bei „Sag die Wahrheit“mussten schließlich live aus der „Rudi Rümmele-Halle“ prominente Zeller identifiziert werden. Die Ratefüchse „Claudia Dolzer“ und „Franco Paternostro“ hatten damit in der Regel aufgrund ihrer cleveren Fragetaktik („Waren Sie schon einmal auf einem Flohmarkt?“) keine Probleme, zumindest bei Sportstar Oliver Hassler und Noch-Seelsorger Franz Leppert. Der selbst ernannte Top-Immobilienmakler Edwin Kiefer indes verriet sich praktisch selbst, indem er zugab, „dass mei Hund mehr Gschäft macht als i“.

Zwischen den einzelnen Nummern sorgten immer wieder die Latschari-Sänger, die auch das Motto präsentierten, mit ihren Gesangseinlagen für Stimmung. Und natürlich Ansager Thomas Kaiser, der die Lacher stets auf seiner Seite hatte, wenn er geschickt zwischen den Programmpunkten seine Sicht auf die Geschehnisse in Zell und auf das Leben im Allgemeinen preisgab. So erfuhr das Publikum von Kaiser beispielsweise, dass Zell nach dem Bucherfolg von Uli Merkle mit „Zum Himmel geht`s über Gresgen“ einen weiteren Bestseller feiern könne, und zwar aus der Feder des bisher literarisch unterschätzten Adelsberger Ortsvorstehers Klaus Berger, der als Antwort sein Werk „Der Weg nach Gresgen führt über Adelsberg“ auf den Markt geworfen habe. Sorgen muss man sich allerdings um die Zukunft der Zeller Stadthalle machen, wenn es stimmt, was Thomas Kaiser von einer seiner Ansicht nach weisen Entscheidung des Gemeinderats bezüglich der Sanierung zu berichten wusste: „Alle vier Wänd chömmet weg, s` einzig, was schtoh bliibt, isch`s Dach.“