Zell im Wiesental Zukunft von Recyclinghof ungewiss

Von Verena Wehrle
Ob der Recyclinghof in Zell geschlossen wird, ist noch unklar. Foto: Hans-Jürgen Hege

Es ist ein Thema, das die Gemüter erregt: die vom Landratsamt geplante Schließung von vier Recyclinghöfen, unter anderem auch in Zell. Dort sei man über die Pläne im Voraus nicht informiert worden, hieß es.

Von Verena Wehrle

Zell. Das Thema stand zwar nicht auf der Tagesordnung der Ratssitzung am Montag, aber Bürgermeister Peter Palme war gebeten worden, etwas zum Recyclinghof zu sagen. Denn das jüngst im Kreistag vorgestellte Konzept der Abfallwirtschaft sieht vor, dass vier Recyclinghöfe schließen – darunter auch der in Zell. Dabei sei die Stadt im Vorfeld nicht über diese Pläne des Landratsamts informiert worden, so Palme.

Als er es erfahren habe, sei er mit dem Betreiber und Bürgern in Kontakt getreten und habe die Gemüter beruhigt, habe Rede und Antwort gestanden, so Palme. Es folgte eine E-Mail des Bürgermeisters an die Landrätin mit der Bitte um Erklärung.

Zell macht Unmut Luft

Zu Beginn der jüngsten Kreistagssitzung haben Bürgermeister Peter Palme und sein Stellvertreter Thomas Kaiser dann ihr Anliegen kund getan. „Wir sehen darin keine Lösung, Bürger aus Teilorten müssten dann 20 Kilometer fahren zum nächsten Recyclinghof nach Schönau oder Schopfheim, das ist eine gewaltige Entfernung“, so Palme am Montag im Gemeinderat. Dieser Mülltourismus sei ökologisch nicht sinnvoll.

Der Grund für die geplante Schließung sind laut Palme neue umwelttechnische Voraussetzungen, die geschaffen werden müssten, um künftig Recyclinghöfe betreiben zu dürfen. Palme hatte im Kreistag dafür plädiert, dass alltägliche Abfälle wie Glas, Eisen oder Holz weiterhin nach Zell gebracht werden können, andere wasserschädliche Abfälle wie etwa Batterien jedoch nicht unbedingt.

Modernisierung als Lösung?

Thomas Kaiser informierte, dass die Schließung im Kreistag noch nicht beschlossen sei, denn es habe durch alle Fraktionen hinweg heftige Diskussionen gegeben. Bevor es zu einer Schließung kommt, sollen zunächst mit allen betroffenen Gemeinden Gespräche geführt werden. Neben den langen Wegen sollte man auch die zehn Mitarbeiter des Zeller Recyclinghofs nicht vergessen, so Kaiser. Er regte eine Modernisierung des Hofs an. „Es gibt niemanden in Zell, der für die Schließung Verständnis hat“, sagte Kaiser.

Beschluss steht noch aus

Matthias Kiefer, CDU-Fraktionsvorsitzender, sagte: „Das ist ein Unding, dass wir das überhaupt diskutieren müssen, unser Recyclinghof funktioniert einwandfrei.“ Er regte an, die Kreisräte nach Zell einzuladen, um den Recyclinghof zu besichtigen. „Es kann nicht sein, dass die Bürger eine weitere Fahrt in Kauf nehmen müssen.“

Kreisrat Karl Argast (SPD) informierte aus der Kreistagssitzung. Mit 34 Ja-Stimmen, sieben Enthaltungen und sechs Nein-Stimmen hat der Kreistag das Konzept zwar positiv zur Kenntnis genommen. Ein Beschluss ist jedoch noch nicht gefasst.. „Es ist noch nicht das letzte Wort gesprochen“, so Argast. „Ich denke wir werden eine andere Lösung finden.“

Entschuldigung von Landrätin

Bürgermeister Peter Palme betonte nach der Diskussion, dass Landrätin Marion Dammann sich über die fehlenden Informationen an die Stadt Zell ausdrücklich entschuldigt habe.

Weitere Informationen: Das Recyclinghofkonzept ist auf die nächsten 20 Jahre ausgelegt. Es sollen alle Gemeinden und Ortsteile (Ausnahme einzelne Gehöfte) einen Recylinghof in einer Entfernung von maximal 20 Kilometer haben. Für 80 Prozent der Bürger soll der nächste Hof maximal zehn Kilometer entfernt sein. Es ist beabsichtigt, die zehn bestehenden Recyclinghöfe auf sechs zentrale zu reduzieren. Die Höfe in Rümmingen, Rheinfelden-Stadt, Steinen und Zell sollen aufgelöst werden.

Umfrage

739c242e-a081-11ed-87da-677ec018b19d.jpg

Die Lörracher Kreiskliniken stehen vor einer großen Umstrukturierung an den Standorten. Was halten Sie davon?

Ergebnis anzeigen
loading