Zunftabend Schopfheim Närrischer Gruß aus der Geisterstadt

Anja Bertsch
Goldene Kehlchen? Zumindest Goldener Aufzug! Die Schlattholz-Singers Foto: Anja Bertsch

Humorvoll aufgespießte Stadtthemen, spaßige Sketche und viel Musik: Mit einem Vierstunden-Programm unterhielten die Zunftabendspieler ihr Publikum in der Stadthalle zwei Abende lang. Motto: „ S’isch immer s’glich, numme e weng anderscht“

Im wortwitzigen Ping-Pong-Spiel über die Schlagzeilen aus den Lokalzeitungen stimmten Max und Jakob Glöggler, zunächst allein auf weiter Flur, die Zuschauer auf die kommenden Stunden ein, bevor es zum ersten Mal richtig voll wurde auf der Bühne: Im Gefolge von Aruba-Musik enterten die Granden der Narrenzunft und die Hästräger der Zinken Halle und Bühne.

Die Narren-Oberen am Zug

An Ozume Frank Pfeiffer war’s die offizielle Begrüßung zu übernehmen, bevor „de groß und de klei Statthalter“ das Mikro ergriffen: „De klei“: Das ist „Leon vo de Füchs“ – keck, selbstbewusst und „voller Stolz, g’schnitzt us em beschde Narreholz“, wie er wissen ließ: Geboren an einem Zunftabend-Abend, den zwölften Geburtstag jetzt wiederum genau an einem solchen Abend gefeiert, bringt er beste Narren-Gene mit ins Statthalter-Geschäft. „Ein Leben lang Fasnacht“ kann auch der „große Statthalter“ „Marc us de Altstadt“ vorweisen. Seine Ambitionen allerdings sind begrenzt, wie er bekannte: „D’Stadt regiere hab ich eigentlich nit vor – ich schieß mir doch kei Eigetor.“

Foto: Anja Bertsch

„Schopfe – schachmatt!“

Das Hin, Her und Drumherum um Möblierung und Bepflanzung der Innenstadt, die Diskussion um dem Hebelschul-Verkauf, das Ladensterben und die ach so böse Vision von der Stadt als Wohnzimmer: Die Schopfemer Lieblings-Aufregerthemen waren auch den Zunftabendspielern gefundenes Fressen für humorvolle und bissige Bühneneinlagen.

Gendarm a.D. Klaus Ziegler Foto: Anja Bertsch

„De Gendarm a. D.“ (Klaus Ziegler) etwa meldete sich nach Jahren der Bühnenabstinenz zurück zum Dienst und machte sich mit gewohnt spitzer Feder seinen eigenen, und keinen allzu positiven Reim auf die Entwicklung der Stadt: Die „Möbel“ als „schwerer Eingriff in den Straßenverkehr“ und der „Wald“ am Viehmarkt als Renaturierung der Hauptstraße, denn: „Die brucht eh kein’ meh, denn keini Gschäfter duet’s meh geh“. Schopfe aktiv?! Nach Einschätzung des Gendarmen vor allem „Schopfe naiv!“. Und all das also „repräsentativ für d’ Stadt?! Ich sag nur: Schopfe – schachmatt!“

Da passte die duster-humorvolle Zukunftsvision von der Geisterstadt bestens ins Bild, in der sich Heike Wagner und Axel Rauscher als die zwei einzig Überlebenden auf dem „Schwätzbänkli“ in der Scheffelstraße wiederfanden: Das Straßenschild eingepackt in dichte Spinnweben, dicke Staubwolken wehen durchs Bild und aus dem Off klagt die Mundharmonika das „Lied vom Tod“... Ob Sparkasse, Post oder Apotheke, Beizen oder Bastelbedarf: „Alles zue“, denn: „Me kauft jetz im „Inder-nett““ – oder eben auch nicht.

„Vom Winde verweht“... Dustere Zukunftsvision fürs Städtli. Foto: Anja Bertsch

Den Wischmopp in der Hand, den gesunden Menschenverstand auf Volltouren und kein Blatt vom Mund, spann Heike Wagner als Putzfrau den Faden weiter und ließ Irrungen und Wirrungen rund um Stadtmobiliar, verkehrsfreie Stadtvisionen und Hebelschul-Zukunft Revue passieren – und entlarvte so manch eine Volte im Vortrag zwischen lakonisch und ironisch.

Putzfrau Heike Wagner Foto: Anja Bertsch

Komik und Klamauk

Neben der Auseinandersetzung mit den Stadtthemen kam der Klamauk nicht zu kurz. Als „Zwische-Nümmerli“ etwa gab’s in zahlreichen Akten die „Szenen einer Notaufnahme“: Basispersonal: Zwei resolut zupackende Krankenschwestern der Kategorie „hart aber herzlich“. Dazu eine ganze Armada geplagter Patienten, die die Praxis RKI (Reinerzufall Künstliche Intelligenz) bös’ lädiert, ächzend und stöhnend, am Krückstock oder voll bandagiert aufsuchten – oder gleich in der Schubkarre eingeliefert wurde. Ob Hämorrhoiden-Behandlung (gnädig verhüllt im Schattenspiel) und gefüllte Bettpfannen, „abg’fuldi Knoche“ (merke: Wenn sich die Motorsäge nicht findet, tut’s auch das Schweizer Sackmesser) und röchelnde Ex-Schwimmer (merke: Beim Tiefseetauchen im Eiemer See wird das „Urzeitkrebsli“ gern mal zur Todesgefahr)... Nichts für schwache Nerven, aber gut fürs Zwerchfell. „Jessis nai!“

Szene aus der Notaufnahme. Foto: Anja Bertsch

Schwarzlicht und Selbsext

Weiter aufgelockert wurde das Bühnengeschehen in diversen Musik- und Tanzeinlagen: Dank Astronauten-Verkleidung buchstäblich nicht von dieser Welt war die Schwarzlicht-Performance der Aruba-Kids (Leitung: Jenni Post, Jessi Sprich).

Die Line-Dancerinnen holten den Wilden Westen in die Stadthalle und die „Amigos“ (Stefan Reimann, Michael Meyer) sorgten als glatzköpfig-badebeschlappte Tattergreise mit ungebrochenem Sexappeal für Lachsalven.

Die „Amigos“ Foto: Anja Bertsch

Ein Highlight war der Auftritt der sechs Eiemer Mannen, die mit Stimmen und Instrumenten verschiedener Tonlagen als „Selbsext“ diverse Evergreens aufs Schopfemer Stadtgeschehen umgemünzt hatten: „Surfin’ – uf em Eiemer See“ gehörte ebenso ins Repertoire wie eine Hymne den „Schorle“ als „allerliebstes Lieblingsgetränk“ der Badener. Mit gutmütigem Spott garniert war schließlich ein Abschieds-Liebeslied auf „Starkoch Hansi Glöggler“ und seinen „Gourmettempel“ – „wo’s verruckti Idee git, und dünni Schorli“.

Vom ersten Vers an hatten die Knastbrüder Jeannot und Christian Weißenberger das Publikum beim Schopf: Die „Zwei Buebe us em Kleine Wiesedal“ hatten ihre gleichnamige Hymne einmal mehr um aktuelle Themen wie „Schopfemer Kulturpalast“ oder „Blumekiste-Slalomfahre“ erweiter. Im Schnitzelbank-Format gab’s weitere bereimte und bebilderte Pointen in Sachen Stadt- und Weltgeschehen – und endlich enthüllten auch die Stadtmöbel ihren eigentlichen Sinn: „Nur de Stenezinke isch defür – des git Holz fürs Schiibefüür.“

Die Schlattholz-Singers schließlich hatten sich zur Feier ihres Zehnjährigen in gold-schillernde Schale geworfen und sangen und schunkelten sich gemeinsam mit dem Publikum durch die Festzelt-Evergreens und dem Ende eines langen Abends entgegen.

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