Von Gottfried Driesch Basel. Zur Eröffnung seiner zweiten Konzertsaison im Stadtcasino Basel hatte das Sinfonieorchester Basel am Mittwochabend erneut den Stargeiger David Garrett als Solisten eingeladen. Hatte der Violinist vor Jahresfrist sein Gastspiel wegen Erkrankung noch kurzfristig absagen müssen – auf dem Programm stand damals das Violinkonzert von Ludwig van Beethoven – trat er heuer mit dem Konzert für Violine und Orchester in D-Dur, op. 77, von Johannes Brahms (1833-1897) vor das Publikum.

David Garrett vermag es wie kein anderer lebender Künstler, den Spagat zwischen ­E- und U-Musik zu meistern. Er ist gewissermaßen der Popstar auf dem Konzertpodium. Um seinem Ruf als Künstler außerhalb der gängigen Konventionen gerecht zu werden, spielte er große Teile des Konzerts auf einer Art Barhocker sitzend.

Das Werk selber wurde ursprünglich mehr als Sinfonie konzipiert und sprengt damit die Form eines üblichen Solistenkonzerts. Der Solopart entstand in enger Zusammenarbeit mit dem Geiger Joseph Joachim, einem Freund von Brahms. Daraus kann man schließen, dass der Violinpart ganz auf die technischen Möglichkeiten des Instruments zugeschnitten ist.

Bei David Garrett fiel auf, dass das für das Konzert ausgewählte Instrument im Klang ausgesprochen hell und zart klang. Um dem Solisten den ihm zustehenden Freiraum zu geben, nahm der musikalische Leiter Dennis Russell Davies klug den brillanten Orchesterklang zurück.

Überhaupt zeigte sich das Sinfonieorchester Basel als exzellenter Klangkörper, der in seinen Reihen auch hervorragende Stimmführer beherbergt. Entsprechend genussvoll geriet die Einleitung des zweiten Satzes mit einem großen Oboensolo.

David Garrett selbst zeigte sich der Partitur zu jedem Zeitpunkt voll gewachsen. Gut gestaltete er die ausladende Kadenz im ersten Satz. Der Jubel der Zuhörer kannte keine Grenzen, so dass David Garrett gleich zwei vorbereitete humorvolle Zugaben zum Besten gab.

Dennis Russell Davies hatte das Violinkonzert bewusst an das Ende des Konzertprogramms gestellt, da es gewissermaßen gleichzeitig eine Sinfonie darstellt. So erklang im ersten Konzertteil der „Foxtrott für Orchester“ von John Adams (*1947), den dieser als Zwischenmusik für seine Oper „Nixon in China“ komponiert hatte. Die Musik bleibt hier ständig in Bewegung und läuft wie von selber - fast wie ein Perpetuum mobile.

Der polnische Komponist Witold Lutoslawskis (1913-1994) litt in der Stalinzeit unter der Missachtung seiner Musik. Er empfand sich als einen Brückenbauer zwischen den verfeindeten Machtblöcken. Sehr plastisch und differenziert erklang sein Konzert für Orchester aus den Jahren 1950 bis 1954. Viele Volksmusikelemente flossen in die Komposition ein. Frühlingshafte Klänge, die an ein Vogelkonzert erinnern, machten das Werk zu einem echten Erlebnis.