Grenzach-Wyhlen Wertvolles „Anniversar“ und eine Straßburger Merian-Bibel

Die Oberbadische, 17.05.2017 23:05 Uhr

Grenzach-Wyhlen. Im Rahmen der Feierlichkeiten anlässlich des Reformationsjubiläums lädt die katholische Kirchengemeinde Grenzach-Wyhlen für Sonntag, 21. Mai, nach dem Hauptgottesdienst von 11.15 bis 16 Uhr zu einer Ausstellung von Bibeln aus sechs Jahrhunderten im katholischen Gemeindehaus Wyhlen ein.

Gezeigt werden mehr als 40 großformatige Bibeln aus dem Privatbesitz des Buchrestaurators Lothar Heitz aus Buchenbach, der zu Beginn in einem Kurzvortrag in die Ausstellung einführen wird. Besondere Exponate sind zum einen die im Jahr 1630 in Straßburg gedruckte sogenannte Merian-Bibel, benannt nach Matthäus Merian dem Älteren, der die biblischen Texte mit kunstvollen Kupferstichen illustriert hat; zum anderen eine Lutherbibel, die 1541 in Leipzig von Nicolaus Wolrab gedruckt und mit prächtigen Holzschnitten ausgestattet wurde.

Lokaler Bezugspunkt dieser Veranstaltung ist ein im Archiv der Pfarrei St. Georg vorhandenes äußerst wertvolles sogenanntes Anniversar aus dem Jahr 1533 – ein Buch, in dem jährlich wiederkehrende Gedenkgottesdienste zur Erinnerung beispielsweise an verstorbene Pfarreiangehörige, Freunde oder Wohltäter aufgezeichnet oder besondere kirchliche Ereignisse und Begebenheiten festgehalten wurden. Die Anmerkungen zu den speziellen Anlässen, Stiftungen und liturgischen Gepflogenheiten dieser Jahrtagsmessen vermitteln vielfältige pfarrei- und dorfgeschichtlich interessante Informationen.

Dieses in der Reformationszeit noch zu Lebzeiten Martin Luthers (1483 bis 1546) entstandene Jahrzeit- oder Seelbuch beeindruckt auf der einen Seite durch seine Ausstattung und die künstlerische Schriftgestaltung; der damalige Ortspfarrer Johannes Soder konnte hierfür mit dem früheren Säckinger Notar und Stadtschreiber Bar­tholomeus Mechtler gleichsam einen „Profi“ gewinnen. Andererseits fällt auf, dass Pfarrer Soder den Aufzeichnungen mit dem Vaterunser, dem Ave Maria, dem Glaubensbekenntnis und den zehn Geboten gleichsam die Kernsubstanz des traditionellen katholischen Glaubens- und Gebetslebens vorangestellt hat.

Wenn man es auch nicht mit endgültiger Sicherheit weiß, so liegt doch der Schluss nahe, dass der Auftraggeber in der 1529 in Basel vollzogenen Reformation die Gefahr einer „reformatorischen Bedrohung“ auch seiner Gemeinde erkannte und sich deshalb veranlasst sah, die für einen katholischen Christen gültigen elementaren Gebets- und Glaubensgrundlagen in diesem für eine Dorfpfarrei außergewöhnlichen Buch festzuschreiben.

Weitere Informationen: Der Eintritt zur Ausstellung ist kostenlos, zur Bestreitung der Unkosten sind Spenden erbeten. Eine Kaffeeecke ist eingerichtet.