Hausen im Wiesental Hebel-Register

Markgräfler Tagblatt, 21.04.2017 22:00 Uhr

Siegfried Bühler hat ein Werk geschaffen, das neue Ansätze zur Erforschung der Texte von Johann Peter Hebel liefern könnte: Ein Register aller Wörter, die Hebel benutzt hat.

Das Register kann direkt bei Siegfried Bühler (Tel. 07622/9102) zum Preis von 30 Euro erworben werden.

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Hausen. Die Liste in dem Buch, das aufgeschlagen vor Siegfried Bühler liegt, scheint beinahe endlos zu sein. Dicht an dicht sind die Worte des Dichters Johann Peter Hebel in alphabetischer Reihenfolge untereinander aufgeführt, daneben drei Spalten mit der Zeilenzahl, dem Verweis auf das jeweilige Werk und einer Zuordnung im entsprechenden Text. Fünf solcher Bände umfasst Bühlers Projekt, jeder hat rund 3000 Seiten – doppelseitig bedruckt. Es ist ein gigantisches Register von Hebels Gesamtwerk. Was wie das Lebenswerk eines Hebelforschers wirkt, hat Bühler in etwa sechs Wochen erschaffen, mit Hilfe eines von ihm selbst geschriebenen Computerprogramms.

Dabei hatte der Schöpfer dieses Nachschlagewerks zunächst keine besondere Affinität zu Hebel. Was ihn zu dem Projekt bewegte, war schlicht, dass Bühler seit Weihnachten mit seiner Frau in Hausen lebt. „Da musste ich einfach etwas mit Hebel machen“, sagt der gelernte Kaufmann und Hobby-Historiker schmunzelnd.

Die Grundlage für Bühlers Arbeit waren die in digitaler Form verfügbaren Texte des Dichters. Die poetischen Schriften, Predigten, Briefe und alles andere aus der Feder Hebels, hat Bühler zunächst in Textdateien zusammengetragen. Anschließend galt es, die bestehende Formatierung der Texte zu löschen, denn nur so konnte Bühler später die Zeilenzahlen zuordnen. Anschließend begann die eigentliche Arbeit des Programms, das Bühler in der Sprache „Basic“ erstellt hat. Die Entscheidung für diese relativ einfache Programmiersprache habe er ganz bewusst getroffen. „Ich hätte auch in einer moderneren Sprache schreiben können, dann wäre es aber komplizierter gewesen, Änderungen am Programm vorzunehmen“, erklärt Bühler, der seit den 1980er Jahren als Programmierer seine Brötchen verdiente.

Bühlers Basic-Programm macht es möglich, jedes einzelne Wort in den Texten Hebels zu erkennen und in alphabetische Reihenfolge zu bringen. Darüber hinaus gibt das Programm auch an, in welchem Text und in welcher Zeile das Wort gefunden wurde. Will der Benutzer des Registers beispielsweise – passend zum Lutherjahr – wissen, was Hebel über den Reformator geschrieben hat, schaut er in der Liste unter dem Buchstaben „L“ nach und findet dort sämtliche Erwähnungen Luthers in Hebels Texten. Aber auch beinahe jedes andere Stichwort lässt sich finden. Wo erwähnt Hebel die Liebe, den Teufel oder die Spitzbuben, wo und wie oft schrieb er über Fahrnau oder Steinen? Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Freilich gab es bei einem Register mit diesem Umfang einiges zu beachten. Das wichtigste war laut Bühler zunächst, Worte wie „der“, „ein“ oder „und“ auszuschließen, da die Liste sonst jeden Rahmen gesprengt hätte. Bühlers Lösung für dieses Problem war so einfach wie genial: Er befahl dem Programm, alle Wörter, die weniger als vier Buchstaben haben, nicht in das Register aufzunehmen. Auch andere Wörter mussten ausgeschlossen werden. „Am auffälligsten war für mich in diesem Zusammenhang das Wort ´nicht`“, berichtet Bühler. „Es ist kaum zu glauben, wie oft Hebel es benutzt hat.“

Das Register möchte Bühler nun der Universität Basel anbieten, denn für Hebel-Forscher könnten sich allein durch die schiere Anzahl der aufgeführten Stichworte ganz neue Fragestellungen ergeben. Aber auch jeder, der Interesse am Hausener Dichter hat, kann Bühlers Register erwerben. Allerdings nicht in gedruckter Form. „Ich müsste sonst mehrere Hundert Euro dafür verlangen“, sagt Bühler. Stattdessen gibt es das Nachschlagewerk auf einem USB-Stick für 30 Euro.