Kleines Wiesental Ein machtvolles Signal senden

Markgräfler Tagblatt, 06.05.2015 23:00 Uhr

Kleines Wiesental-Wies (hf).Unter dem Motto „Hurra – wir leben noch“ lädt die Dorfladen-Genossenschaft in Wies am Samstag, 9. Mai, ab 14 Uhr zu einer Geburtstags- und Solidaritäts-Party rund um den Dorfladen nach Wies ein.

Seit sechs Jahren ist der Dorfladen ein unverzichtbarer Bestandteil des Dorflebens in Wies, ein wichtiges Element in der Grundversorgung des Kleinen Wiesentals und ein beispielhaftes Projekt für ein solidarisches bürgerschaftliches Engagement. „Nimmt man die Voraussetzungen ernst, die so genannte Experten für eine Gründung und ein Überleben eines Dorfladens angeben, dann dürfte es uns eigentlich gar nicht geben“, berichtet Dieter Miss, Vorstand der Dorfladen-Genossenschaft. Und obwohl keine Voraussetzung – wie Anzahl von Bürgern im Einzugsgebiet oder Kaufkraftbindung – erfüllt wird, floriert der Dorfladen und ist Vorbild und Geburtshelfer für andere Dorfladen-Initiativen im ländlichen Raum geworden.

Darüber hinaus hat der Dorfladen nicht nur überlebt, sondern mit dem Kommunikations-Treff im Laden selbst, dem Dorfladen-Taxi und der generationenübergreifenden „Mutter-Kind-Plus-Gruppe“ zusätzliche Teilprojekte realisiert. „Dies wäre ohne den gewaltigen Einsatz der vielen aktiven Helfer und den starken Zuspruch des Ladens aus der Bevölkerung nicht denkbar gewesen“, berichtet Dieter Miss weiter.

Kleiner Wermutstropfen: Durch die Auflagen des neuen Mindestlohngesetzes sieht sich der Dorfladen in seiner Existenz bedroht. Das neunköpfige Kernteam erhält bis jetzt einen „Anerkennungslohn“ von sechs Euro pro Ladenöffnungsstunde. Das Mindestlohngesetz verlangt nun aber für diese Helfer einen Lohn von 8,50 Euro pro Stunde, was für den Arbeitgeber Lohnkosten von 11,30 Euro pro Stunde bedeutet. „Dies macht pro Jahr eine Steigerung der Personalausgaben von rund 18 000 Euro aus, die der Laden nicht verkraften kann“, so der Vorstandsvorsitzende.

Mit gewaltigem Einsatz wehrt sich die Genossenschaft dagegen, dass ihr gemeinwohlorientiertes Projekt durch ein übergreifendes Projekt, das im Übrigen von den Genossen in Wies durchweg als positiv und gut für die Arbeitnehmer begrüßt wird, in seiner Existenz bedroht wird. „Wir sind nicht gegen das Mindestlohngesetz“, so Dieter Miss, „wir wehren uns dagegen, dass ein Gesetz keine Ausnahmeregelungen für ehrenamtliche Initiativen vorsieht.“ Bei seinem Bemühen um Unterstützung bei den politischen Mandatsträgern des Landkreises hat der Dorfladen viel Zuspruch erhalten. Rainer Stickelberger (MdL) hat sich an seine Ministerkollegen Nils Schmid und Alexander Bonde gewandt und um Hilfe gebeten. Armin Schuster (MdB) sowie die Landtagsabgeordneten Ulrich Lusche und Josha Frey sowie Landrätin Marion Dammann haben ihre Solidarität bekundet.

Die Aktiven in Wies hoffen natürlich auf eine möglichst starke Beteiligung am Hock, damit die Solidaritäts-Party ein machtvolles Signal dafür wird, dass vorbildliche Initiativen wie der Dorfladen in Wies eine große Bedeutung für die Bürger haben und nicht durch bürokratische Regelungen kaputt gemacht werden.