Von Dorothee Phillipp

Gemeinsames Essen und Trinken, Musik und Gespräche sind Türöffner für die Verständigung unter Menschen, auch wenn sie unterschiedliche Sprachen sprechen. Dass sich daraus ein buntes, streckenweise auch lautstarkes Fest entwickeln kann, zeigte der Dienstagabend im Burghof, zu dem der Freundeskreis Asyl, der Burghof und die Schubert-Durand-Stiftung eingeladen hatten.

Lörrach. Das Bedürfnis, sich mit Menschen zu treffen, die hier eine neue Heimat suchen, aber auch mit Menschen, die sich tatkräftig für Geflüchtete einsetzen, ist groß: Das Kartenkontingent für interessierte Außenstehende war im Nu vergriffen, berichtete Florian Nantscheff vom Freundeskreis. Ein weiteres Paket Gratiskarten war für die ehrenamtlich engagierte Helferinnen und Helfer reserviert, und für die Bewohner der drei Lörracher Gemeinschaftsunterkünfte standen jeweils 33 Karten zur Verfügung, für die sie sich in Listen eintragen konnten.

Das Interesse war groß – von allen Seiten

Rund 300 Menschen wurden im Burghof von einem Buffet mit afghanischem und türkischem Fingerfood empfangen, es gab eine afghanische Suppe und Getränke, auf weiß gedeckten Tischen leuchteten Teelichter. Bald fanden sich gemischte Gruppen zusammen, Gespräche kamen in Gang, man hörte Englisch und Deutsch.

„Kultur erzeugt Emotionen, die weltweit verständlich sind, auch wenn die Sprachen unterschiedlich sind“, sagte Burghof-Geschäftsführer Markus Muffler bei der Begrüßung.

„Kultur erzeugt Emotionen, die weltweit verständlich sind“

Der Burghof hatte nicht nur seine Räume zur Verfügung gestellt, sondern in Abstimmung mit Gudrun Schubert mit dem türkischstämmigen Perkussionisten und Musiker Murat Coskun auch einen Künstler engagiert, der dem Abend einen besonderen Drive gab. Schon die erste Programmnummer war ein Hingucker: Mit Coskun kamen seine Kinder, die zehnjährige Malika und der zwölfjährige Yasha auf die Bühne, und das Trio musizierte zauberhafte Lieder vom Balkan, die durch die Stimme der kleinen Sängerin einen unwiderstehlichen Charme bekamen. Später kamen noch zwei weitere Musiker hinzu, die das Flair orientalischer Klänge durch den Saal wehen ließen.

Als Coskun zur Pause ankündigte, dass er auch für das Publikum ein paar Trommeln mitgebracht habe, ahnte niemand, dass der Abend nun seinen spektakulären Höhepunkt finden sollte: Schon fünf Minuten später rockte und tanzte alles was Beine hatte im Foyer, angetrieben von den Pulsen der großen Trommel, die Coskun dramaturgisch so virtuos handhabte, dass alle im gleichen Rhythmus abgingen: Jung und Alt, Frauen, Männer, Kinder gaben sich ihrer Begeisterung hin, im dichten Gedränge begannen einige zu tanzen. Instrumente wechselten die Spieler, wer keins hatte, klatschte und wippte im Takt. Eine unbändige Energie fegte auch die letzten Sorgenfalten aus den Gesichtern, ein glückliches Hier und Jetzt schaffte sich Raum.

Auch nach der Pause waren die elektrisierenden Schwingungen noch präsent. Zur Musik aus der Konserve, ebenfalls Klänge aus dem arabischen Raum, bildete sich eine Polonaise, die sich zwischen Tischen und Stühlen ihren Weg bahnte.

Instrumente wechselten die Spieler, wer keins hatte, klatschte im Takt

Im zweiten Teil des Konzerts erlebte man noch einige schöne Soli in denen die Rahmentrommel und die Zither spektakuläre Auftritte hatten. Und für einen weiteren „Kick“ sorgte der Auftritt eines jungen Hip-Hoppers, der zu den Trommelrhythmen wie ein Aufziehmännchen über die Bühne wirbelte. „Das war eine tolle Gemeinschaftsaktion“, freute sich Nantscheff am Ende des Abends.