Lörrach Drochehüüler ins Schwabenland

Die Oberbadische, 27.02.2017 21:46 Uhr

Von Peter Ade

Schwäbisch angehaucht, doch keineswegs geizig im Versprühen von geistvollen Pointen gereichte das Mehlsuppe-Essen der Narrenzunft gestern im Lasser-Saal zu einem weiteren Höhepunkt der Fasnacht. Ivo Gönner, der frühere Oberbürgermeister von Ulm, bekam den Drochehüüler-Orden.

Lörrach. Gönner hielt am 21. September 2016 die Lörracher Revolutionsrede am Alten Rathaus, von der auch die Fasnächtler beeindruckt waren. Trotzdem unterstellten sie dem prominenten Gast, er glaube, heimischer Wein tauge allenfalls als Flüssigkeit zur Herstellung von Mörtel und sei beim Bau des Ulmer Münsters „demhingehend auch so verwendet worden“.

Oberzunftmeister Stephan Vogt und Zunftmeister Andreas Glattacker folgerten messerscharf: „So wie die Ulmer früher an guten Wein nur durch dreisten Diebstahl gelangten, genauso dreist erschlich sich der Beklagte die Revolutionsrede.“

Er habe dies – gemäß seiner schwäbischen Natur – in der Hoffnung getan, „sich dadurch in hiesiger weltbekannter Weingegend kostenlos und erst noch als Präsent etlich gute Tropfen ergönnern zu können“.

Glattackers Verleihungsrede gipfelte in dem Vers: „Willsch du Ulmer ä guede Tropfe dir gönne, würsch des numme z’Lörrach chönne.“ Der neue Drochehüüler nahm’s mit Humor: „Es rührt mich saumäßig“, erwiderte Gönner die Ehre und bestätigte frank und frei: „Ich nehme natürlich alles mit, was kostenlos ist.“

Humorvoll beschrieb der Geehrte den schwäbischen Menschen als einen Philosophen. Im Übrigen sei der Wein ein Gesundheitsbrunnen. Die inneren Werte des Menschen steigerten sich mit dem „Pegel des Weingewichts“. Württembergischen Bürgermeistern sei deshalb das Weinfass vertrauter als das Tintenfass.

Alemannischer Humor und Mutterwitz entzückten den Gast in der Folge des Mehlsuppe-Essens durchaus. Zum Beispiel Glattackers Ratschlag, der Lörracher Gemeinderat möge angesichts des kommunalen Sparzwangs zukünftig „d’Narreschuel“ besuchen, damit er nicht weiter auf einem Niveau stehen bleibe, das er noch nie erreicht habe.

Lange Wartezeiten beim Arztbesuch nahm Philipp Buser in seinem Beitrag „Warteritis“ aufs Korn. Fazit: „Am Ärztewesen soll der Mensch genesen“ – freilich nur, „wenn me als Patient nit vom Stuhl kippt, bevor me im Wartezimmer ufgruefe würd“.

Das Thema „Fakenews“ nahm Karl-Heinz Sterzel zum Gegenstand bissiger Bemerkungen. Als Beispiel: „Erdogan entlässt in weiteren Säuberungsaktionen 500 Beamte – goht gar nit, er het jo nur no 200.“ Oder: „Das neue Klinikum wird auf dem Tüllinger Berg gebaut – schöni Ussicht, früschi Luft, Fasnachtsfüür isch au nit fit.“

Der unverwüstliche Hansi Gempp hat’s mit dem Tumringer Brunnen, der von der Stadt abgestellt wurde: „Do würd doch dä Güggel uffem Huehn vorruckt.“

Als Protektor verabschiedete sich Pfarrer Thorsten Becker. Als „trauriger Teufel“ beklagte er seine zunehmende Arbeitslosigkeit. Der Mensch züchte mittlerweile eigene Teufel und raube ihm damit sein ureigenes Geschäft. Die USA bezeichnete er als „Trump-elpfad – so einen zu wählen und sich nicht schämen – das geht nicht!“

Als Geistlicher lobte Becker die Lörracher Fasnacht in höchsten Tönen. Er dankte für das ihm übertragene Protektorat und rief den Narren zu: „Wir kommen alle, alle in den Himmel.“

Die Brüder Thomas und Uli Denzer begeisterten bei der Mehlsuppe mit einer zünftigen Singgemeinschaft aus Stadträten mehrerer Fraktionen, die solchermaßen auch Oberbürgermeister Jörg Lutz ins Schwärmen brachten.