Lörrach Nicht mehr alle Brünnlein fließen

Die Oberbadische, 19.04.2017 21:00 Uhr

Von Guido Neidinger

Das Wasser in drei von 77 städtischen Brunnen wurde inzwischen abgestellt – aus Kostengründen. Die Entrüstung in der Bevölkerung, vor allem in den Stadtteilen, ist groß. Und es drohen weitere „Trockenlegungen“.

Lörrach. „Wenn alle Brünnlein fließen . . .“, beginnt ein altes Volkslied. In Lörrach fließen nicht mehr alle Brünnlein. Die Stilllegung von drei städtischen Brunnen sorgt für anhaltende Verärgerung. Regelmäßig erreichen uns Zuschriften oder Anrufe. Erst gestern beklagte ein Leser, dass der Tumringer Dorfbrunnen abgeschaltet wurde, während der Brunnen an der Bahnhofstraße hinter dem Bekleidungsgeschäft C&A „munter weiterlaufen“ dürfe. Obwohl dieser sich an „einem Unort“ befinde und die Aufenthaltsqualität „gleich Null“ sei. Denn: „Hier gehen nur Leute vorbei, wenn sie müssen, beispielsweise auf dem Weg zum Polizeirevier.“ Hingegen sei der Dorfbrunnen in Tumringen „seit 70 Jahren Dreh- und Angelpunkt für viele Tumringer und Treffpunkt für Kinder“. Trotzdem sei dieser Brunnen abgestellt worden.

Ist die Kritik berechtigt? Annette Buchauer, die für Brunnen zuständige Fachbereichsleiterin im Rathaus, meint „Nein“ und hält dagegen. Nach ihren Worten hat der Betrieb des Tumringer Dorfbrunnens an der Burgstraße sehr hohe Kosten verursacht. Der Trinkwasserverbrauch lag bei 2500 Kubikmeter pro Jahr. Das sei mehr als für den gesamten Hauptfriedhof mit 2200 Kubikmetern und das Hans-Thoma-Gymnasium mit 1600 Kubikmetern. Allein die Wasserkosten für den Tumringer Brunnen beliefen sich laut Buchauer auf 3200 Euro im Jahr. Hinzu kamen nach ihren Worten die Unterhaltung des Brunnens und der Ausbau der Wasseruhr im Herbst sowie deren Einbau im Frühjahr.

Bis auf die Reinigung entstünden diese Kosten am Brunnen hinter C&A nicht. Denn dieser ist an die alte noch funktionstüchtige Lörracher Wasserversorgung angeschlossen, die vom Engelplatz in die Innenstadt führt. Und durch diese Leitung fließt kostenloses Quellwasser – das ganze Jahr. Dies gilt auch für weitere Brunnen wie den großen Brunnen am Alten Markt oder den am Café Pape.

Insgesamt sind nach den Worten Buchauers 40 Lörracher Brunnen an Quellleitungen angeschlossen und werden damit kostenlos mit Wasser versorgt, während 37 mit teurem Trinkwasser gespeist werden müssen.

Die Gesamtkosten für die städtischen Brunnen belaufen sich auf 163 500 Euro pro Jahr für Strom, Wasser, Werkhofleistungen, Wartung, Reinigung und kleinere Reparaturen. Die Wasserkosten betragen 42 700 Euro.

In Brombach wurden bisher zwei Brunnen stillgelegt – einer am Restaurant Waldhorn und der andere an der Ecke Römerstraße/Adelhauser Straße. Auch dagegen regte sich in der Bevölkerung erheblicher Protest. Ausschlaggebend für die Stilllegungen waren laut Buchauer die starke Reparaturbedürftigkeit beziehungsweise der abseitige Standort.

Da die Stadt Lörrach auch in den nächsten Jahren an der Sparschraube drehen muss, droht die Trockenlegung weiterer Brunnen. Welche das sind, und wann auch hier das Wasser abgestellt wird, konnte Annette Buchauer noch nicht sagen.

 
 

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