Lörrach Sprachenschmuggler im Hebelsaal

Die Oberbadische, 20.06.2017 23:00 Uhr

Lörrach. Der Hebelbund lädt auf Sonntag, 25. Juni, 17 Uhr, zur nächsten Veranstaltung in der Reihe „Literarische Begegnungen“ in den Hebelsaal des Dreiländermuseums ein. Es liest der elsässische Schriftsteller Pierre Kretz unter dem Titel „Sprachenschmuggelei“ aus seinem zweisprachigen Werk. Der Autor lebt in Sainte-Marie-aux-Mines und schreibt in Französisch und elsässischem Alemannisch.

Das Elsass lag Johann Peter Hebel sehr am Herzen: Viele seiner Freunde lebten dort, und er selbst verbrachte beglückende Tage in Straßburg. Gerade diese Stadt liebte er sehr und verglich sie mit seiner Geburtsstadt Basel.

Auch dem Hebelbund lag und liegt der Blick über die Grenze am Herzen. Deshalb findet am Sonntag wieder ein „Elsässischer Abend“ statt. Die Einführung spricht der Präsident des Hebelbundes Lörrach, Volker Habermaier. Wie immer ist der Eintritt frei. Um eine angemessene Spende wird gebeten.

Pierre Kretz, geboren 1950 in Séléstat, ist – vergleichbar Johann Peter Hebel – Autor in zwei Sprachen: dem Französischen, der Sprache seiner Umwelt, und dem elsässischen Alemannisch. Er hat mehrere Romane in französischer Sprache vorgelegt, die auch ins Deutsche übersetzt wurden, und auch Texte in Elsässisch. Doch während Hebel in Schriftsprache und Mundart einer Sprache schrieb, schreibt Kretz in der Hochsprache einer Sprache und der Mundart einer anderen. Er selbst schreibt dazu: „Wenn eine Sprache die ,Hochsprache’ ist, wäre also die andere, der Dialekt eine ,untere Sprache’, die Sprache des Erdgeschosses oder – noch schlimmer – des Kellers? Und wenn die Hochsprache romanisch ist und die Mundart germanisch, wie wird man mit so etwas fertig? Die ,Reinheit’ einer Sprache kommt mir wie ein sehr abstraktes Ding vor. Denn hinter jeder Sprache versteckt sich, manchmal sehr diskret, eine andere Sprache, hinter jeder Sprache steckt eine Welt.“

Die Besucher werden mit Pierre Kretz nicht nur einen großen Schriftsteller des Elsass kennenlernen, sondern auch einen, der die besondere Geschichte des Elsass bedenkt und daraus Chancen für die Gegenwart gewinnt, schreibt der Hebelbund.