Lörrach Wiener Schmäh und zarter Schmelz

Die Oberbadische, 18.07.2017 02:45 Uhr

Wenn das „Café Family & Friends“ zur „Operetten-Revue“ in den Hebelsaal des Dreiländermuseums einlädt, sind jedes Mal alle verfügbaren Sitzplätze besetzt. Mithin der beste Beweis dafür, dass das immer wieder totgesagte Genre der „Leichten Muse“ sich unverwüstlicher Lebendigkeit erfreut.

Lörrach (bn). Ganz abgesehen davon, dass so mancher Operettentext gewisse Opern-Libretti in den Schatten stellt. Am vergangenen Sonntag waren es das „Weiße Rössl & Co“, also Klangperlen der „Silbernen Operetten-Ära“, die dem Publikum den unbeschwerten Genuss klangsinnlicher Melodienseligkeit und pfiffiger Dialoge bereiteten.

Dargeboten wurden sie vom hier zum wiederholten Male gastierenden Wiener Gesangsduo Doris Lang (Sopran) und René Rumpold (Tenor), das vor der Pause im feschen Ausgehdress, danach in festlicher Abendrobe agierte. Perfekt sekundierender Klavierpartner war diesmal Béla Fischer. Und stabiles Gerüst der Revue bildeten natürlich die Spitzentitel von Ralph Benatzkys Erfolgsoperette, in der Rössl-Wirtin Josepha und ihr unglücklich verliebter Zahlkellner Leopold das „Glück vor der Tür“ wähnen. Mit „Es muss was Wunderbares sein…“ und „Zuschaun kann i net“ besingen sie die Wonnen und Qualen der Liebe, mit „Im Salzkammergut…“ ausgelassene Lebensfreude und mit „‘s ist halt mal so im Leben“ demonstrieren sie Schicksalsergebenheit – um mit „Mein Liebeslied muss ein Walzer sein“ dem Happy End zuzustreben.

Eingebunden in diesen charmanten Melodienreigen waren unvergängliche Operetten- und Revue-Hits aus Paul Abrahams „Ball im Savoy“, „Victoria und ihr Husar“ und „Blume von Hawaii“ mit so vielgeliebten Melodien wie „Ich hab schon alles probiert“ oder „Reich‘ mir zum Abschied…“, alsdann Hauptstücke von Robert Stolz wie „Zwei Herzen im Dreivierteltakt“, „Die ganze Welt ist himmelblau“ , der Titelschlager aus der Filmkomödie „Himmel auf Erden“ und der von Zarah Leander, Milva und Erika Pluhar jeweils neu aufbereitete Dauerbrenner „Auch Du wirst mich einmal betrügen“.

Zu Vortragsehren kamen desgleichen Emmerich Kálmáns Gräfin Mariza mit „Komm mit nach Varasdin“ und Fred Raymonds Slowfox „Und die Musik spielt dazu“.

Das alles und noch mehr wurde charmant, mit viel komödiantischem Esprit, einer gehörigen Portion Wiener Schmäh und stimmlich in jeder Hinsicht vorzüglich präsentiert und vom singenden, zuweilen auch tanzenden Duo mit informativen Kurz-Kommentaren, witzigen Anekdoten und dezent pikanten Histörchen garniert.

Mit stehenden Ovationen bedankte sich das Publikum, das dafür noch mit den Robert-Stolz-Schlagern „Hallo, du süße Klingelfee“ und „Jung san ma, fesch san ma“ belohnt wurde. ­

 
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