Rheinfelden-Herten (rr). Zwar liegt das Verbrechen nunmehr fast 76 Jahre zurück, doch daran zu erinnern ist heute notwendiger denn je. Im Sommer und Herbst 1940 wurden 345 Bewohner des St. Josefshauses Herten auf die Schwäbische Alb nach Grafeneck deportiert und dort getötet. Damit begannen die Euthanasieverbrechen im Nazireich. Alljährlich gedenken Bewohner und Mitarbeiter des St. Josefshauses in einem Gottesdienst Ende Januar der Opfer. Am Sonntag war ein Foto der Gedenkstele vor dem Altar als Blickfang aufgestellt.

Voll besetzt war die Kirche, unter den Besuchern des Gottesdienstes auch die Rheinfelder Bürgermeisterin Diana Stöcker und die Hertener Ortsvorsteherin Sabine Hartmann-Müller. Pfarrer Anton Frank charakterisierte die damalige Verschleppung mehrfach als unmenschliches Verbrechen. Seine Erinnerung war auch jenen damaligen Mitarbeitern des St. Josefshauses gewidmet, die damals selbst unter Gefährdung des eigenen Lebens versuchten, den Deportierten zu helfen. Dennoch, so formulierte es der Seelsorger, bestehe in jeder Zeit die Gefahr für Herrschende, am lebendigen Menschen vorbei zu entscheiden. Die christliche Botschaft rufe zur Achtung der Menschenwürde auf, es gelte, Respekt zu wahren von der ersten bis zur letzten Minute des Lebens.

Für die Opfer der damaligen Vernichtungsaktion fand er den Vergleich zum Kreuzweg Jesu, unterdrückt, gefallen und in den Staub getreten worden seien sie. Mit Blick auf die heutige Zeit rief Pfarrer Frank dazu auf, ein Gegengewicht zu setzen, gegen respektloses und würdeloses Verhalten gegenüber anderen Menschen. Im Gebet formulierte er die Bitte, allen Menschen die Kraft zu geben, um aufzustehen gegen gewissenloses Verhalten.

Als Zeichen der Verbundenheit mit den Opfern der Deportation im Jahre 1940 und des Nichtvergessens gestalteten die Teilnehmer des Gottesdienstes einen bunten Kranz. Er wurde am Ende gemeinsam hinausgetragen und als Symbol des Respekts, der Gleichbehandlung und der Lebensfreude an der Gedenkstele angebracht.