Seit 15 Jahren bietet das Diakonische Werk im Landkreis das ambulant betreute Wohnen für psychisch erkrankte Menschen an.

Schopfheim . Seither erlebt das Hilfsangebot steigende Nachfrage: Waren anfangs sechs Personen zu betreuen, nehmen mittlerweile 66 Menschen zwischen Rheinfelden, Maulburg und Todtnau das Angebot wahr. Zehn Fachkräfte kümmern sich um sie. Ob Depressionen, Psychosen, Persönlichkeitsstörungen oder Angststörungen: Psychische Erkrankungen bedeuten für die Betroffenen im Alltag meist große Einschränkungen bis hin zu jahrelangen Klinikaufenthalten.

Das betreute Wohnen gibt da ein großes Stück Selbstständigkeit zurück: Die Menschen wohnen in ihren eigenen vier Wänden und erhalten durch die regelmäßigen Besuchen der Diakonie-Mitarbeiter ein Korsett, das sie bei der Bewältigung des Alltags stützt und in akuten Krisensituationen Halt gibt.

Die Menschen werden in ihrer eigenen Wohnung, in einer Wohngemeinschaft oder im Appartmentwohnen betreut. Was genau die Fachkräfte der Diakonie für den Einzelnen tun, hängt vom individuellen Bedarf ab.

„Das reicht von der Sicherung der materiellen Existenz über die Hilfe bei selbstständigen Alltagsbewältigung bis zur Förderung der Teilhabe am gesellschaftlichen Leben“, erklärt Jörg Breiholz als Fachbereichsleiter „Seelische Gesundheit“.

Bei Regina Wiedmaier etwa ist′es mal die konkrete Hilfe bei amtlichen Formularen , mal das schiere Loswerden von Kummer und Sorgen. „Es tut einfach gut, wenn zwei mal in der Woche jemand kommt“, erklärt Wiedmaier, die seit einigen Jahren in einer betreuten Wohngemeinschaft wohnt.

Für Andreas Hoffmann ist es vor allem die Rückkehr der Normalität ins eigene Leben, die das betreute Wohnen für ihn so wertvoll macht. Nach Burnout und schweren gesundheitlichen Problemen plagten ihn Ängste und Depression; mehrere Aufenthalte in der Psychiatrie waren die Folge. „Dank der Unterstützung im Hintergrund kann ich jetzt einfach wieder normal leben wie jeder andere auch“, erklärt er.

Er wohnt in einer eigenen Wohnung, seine Begleitung hilft, in Sachen Terminen den Überblick zu bewahren und im Alltag die Struktur. Erklärte Ziel ist es, irgendwann wieder ganz ohne diese Unterstützung auszukommen.

Regina Wiedmaier wiederum hat im betreuten WG-Leben für sich das Richtige gefunden: Wieder ganz allein zu wohnen, zurück in die Isolation – das soll nicht sein.

Der Kontakt zwischen n Betroffenen und Diakonie erfolgt oft über die Kliniken, über den Nervenarzt oder über den sozialpsychiatrischen Dienst als erstem Anlaufpunkt. Für die Betroffenen ist der Schritt in Richtung betreutes Wohnen durchaus nicht immer einfach. Auch Andreas Hoffmann beispielsweise hatte große Befürchtungen: „Man fragt sich, was man verliert. Aber man gewinnt nur“, erklärt er. Tatsächlich ist Hoffman mittlerweile so weit, dass er selbst sich in der Flüchtlingsarbeit engagiert.

Das Angebot des ambulant betreuten Wohnens ist eingebunden in ein Netzwerk unterschiedlicher professioneller und ehrenamtlicher Hilfsangebote. „Da hat sich eine gute Struktur an Angeboten entwickelt“, befindet Fachbereichsleiter Breiholz.

Die ist allerdings auch nötig. „In unserer Gesellschaft gibt es immer mehr psychisch Erkrankte“, stellt Klaudia Schäfer-Kempf als Mitarbeiterin der ersten Stunde fest.

Zudem sind seelische Erkrankungen mittlerweile stärker im gesellschaftlichen Bewusstsein präsent, so dass die Betroffenen oder ihre Angehörigen das Problem eher (an)erkennen und Hilfe suchen.

Gleichwohl sieht Andreas Hoffmann da noch großen Nachholbedarf: „Psychisch Kranke werden immer noch stigmatisiert. Da muss die Kruste in der Gesellschaft unbedingt aufgebrochen werden, damit die Betroffenen sich noch eher aus ihren Löchern heraus trauen und Hilfe bekommen.“

Weitere Informationen: Diakonisches Werk, Tel. 07622/697596-16; E-Mail: bwb.schopfheim@diakonie.ekiba.de