Nach Olympia ist vor Olympia, so heißt es bei den meisten Top-Sportlern. Nicht so beim Ruderer Simon Niepmann aus Grenzach-Wyhlen. Der hat zwar gerade erst in Rio im Leichtgewichtsvierer die Goldmedaille geholt und ist mit seinen 31 Jahren im besten Ruderalter, doch ob es mit dem Leistungssport wie bisher weitergeht, ist fraglich. Derzeit genießt erst einmal die „Ruhe nach dem Sturm“.

Grenzach-Wyhlen. „Das war auch schon 2012 nach Olympia in London so“, sagt Niepmann. Als Leistungssportler denke man in Vier-Jahres-Zyklen. Auch damals gab es einige Zeit des Verschnaufens und Erholens. Jetzt ist die wettkampffreie und perfekt durchorganisierte Phase allerdings ein wenig länger dimensioniert, etwa bis zum Januar.

„Es ist schon sehr befreiend, auch mal ohne Wettkampfstress und Trainings durchs Leben zu gehen“, gesteht er. Der Rudersport werde natürlich immer Teil seines Lebens bleiben. Ob er sich aber noch einmal voll motivieren, sich neue, große Ziele setzen kann, die es für große Erfolge auch benötigt? „Das ist wirklich absolut offen“, betont er. Letztlich hänge das auch mit seiner beruflichen Zukunft zusammen. Denn in Kürze macht Niepmann, der inzwischen in Zug wohnt, weil er ins Ruder-Leistungszentrum Sarnen nur einen kurzen Anfahrtsweg hat, seinen Uni-Abschluss in Basel und strebt dann eine Stelle als Gymnasiallehrer für Sport und Geografie an.

Und überhaupt: Es müsste ohne den bisherigen Trainer weitergehen. Der hat nämlich nach den Spielen aufgehört und ging nach Neuseeland. Die Stelle beim Schweizer Ruderverband ist derzeit ausgeschrieben. Unklar ist zudem, wie viel Boote der Schweizer Ruderverband bei der Olympiade in Tokio 2020 stellen darf. Im Raum steht außerdem eine Veränderung der Quoten männlich-weiblich. Doch sei’s drum: Den Erfolg in seinem Sport genießt er in vollen Zügen. „Es ist irgendwie eine extreme Genugtuung, dass es für mich nach ganz Oben ging“, sagt er voller Stolz. Gleichwohl habe er nie gerudert, um damit Geld zu verdienen. Glücklich schätze er sich indes, dass er in der „Randsportart Rudern“ vor vier Jahren bei den Olympischen Spielen in London mit der LG-Vierer den fünften Platz erreichte. Denn das bedeutete: Er wurde soweit als Sportler gefördert, dass er, der damals noch bei seinen Eltern wohnte, selbstständig leben konnte.

Der bescheidene und sympathische Niepmann sagt im Blick zurück, dass seine Ruderkarriere eigentlich ein Stück weit Zufall war. Bei einem Schnuppertag im Jahr 1995 habe er durch seinen älteren Bruder den Rudersport kennengelernt. „Damals war ich aber noch zu klein, durfte deswegen nur als Steuermann agieren, was aber eine coole Sache war“, erinnert er sich. Später hat ihn dann der heutige Vorsitzende des RC Grenzach und „Speaker“ bei WM und Olympia, Paul Castle, unter die Fittiche genommen.

Mit 17 ging er dann nach Basel, wurde dort vom Schweizerischen Verband auf Anhieb nominiert und gefördert, und rudert seitdem für die Eidgenossen. Die Ruderkarriere sei eigentlich nicht von langer Hand geplant gewesen. „Ich hatte ganz einfach oft Glück und war zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort, und das zudem mit dem richtigen Umfeld“, erklärt der 31-Jährige. Neben seinen EM- und WM-Titeln nebst vielen Erfolgen bei internationalen Regatten war natürlich jetzt der Sieg in Rio de Janeiro die Krönung seiner Laufbahn. Niepmann: „Olympia, und da Gold zu holen, das ist das Größte. Punkt.“

Was ihm am meisten am Rudern gefällt, ist, dass die Sportart der perfekte Teamsport ist. „Einer allein im Boot ist nicht entscheidend, da muss alles aufeinander abgestimmt sein“, weiß Niepmann. Rudern ist für ihn überdies ein Sport, bei dem man wunderbar dem Alltag entfliehen kann. Neben den vielen Trainingseinheiten und Wettkämpfen genießt er es auch, einfach einmal allein auf einem See und ohne Zwang zu rudern. „Das Rudern hat mich sofort gepackt, ich hab’ viel Freude dran“, betont er.

Was er ebenso schätzt: Dass er durch seinen Sport viel in der Welt herumgekommen ist. Dabei hat er extrem viele Leute kennengelernt, die ähnlich ticken wie er. „Und dabei sind zahlreiche echte Freundschaften entstanden“, stellt der 31-Jährige fest.