Steinen „Ohne Uniform

Markgräfler Tagblatt, 21.04.2017 00:00 Uhr

Von Harald Pflüger

Die Junge Union (JU) will die Polizeifreiwilligen stärken. JU-Landeschef Nikolas Löbel forderte mit Blick auf die vereinbarte Reform, die Polizeifreiwilligen nicht nur länger zu schulen, sie sollten auch die gleiche Uniform und Waffen tragen dürfen wie hauptamtliche Polizisten.

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Steinen. Im Herbst soll der Freiwillige Polizeidienst neu aufgestellt werden. Grüne, CDU und Gewerkschaften haben dabei unterschiedliche Vorstellungen, wie sich die Hilfspolizisten optimal einsetzen lassen. Die Grünen haben sich im Vorfeld dafür ausgesprochen, die Polizeifreiwilligen zu entwaffnen und auch deutlich anders zu uniformieren. Die CDU hingegen will die Polizeifreiwilligen stärken. Ähnlich ist auch die Position der Deutschen Polizeigewerkschaft. Anders sieht dies die Gewerkschaft der Polizei, die meint, dass Freiwillige schnell in Situationen gelangen könnten, in denen die Belastung zu hoch sein könnte.

Derzeit tragen die Polizeifreiwilligen wie Polizisten eine Uniform und sind auch bewaffnet. JU-Chef Löbel sagte, dass die Polizeifreiwilligen ohne Polizeiuniform und Bewaffnung angreifbarer seien.

Die Forderung von Nikolas Löbel nach einer Uniform kann Ernst Kornprobst nur unterstreichen. Polizeifreiwillige ohne Uniform machen für ihn keinen Sinn, weil sonst der Respekt fehlen würde. Kornprobst weiß, wovon er spricht, gehörte er doch einst zu den ersten Polizeifreiwilligen im Landkreis und mit fast 30 Jahren Dienstzeit auch zu den langjährigsten.

Weshalb der Freiwilligendienst? Kornprobst wollte ursprünglich in den Polizeidienst. Als Brillenträger blieb ihm dieser Berufswunsch seinerzeit aber verwehrt. Und so schlug Kornprobst eine andere Berufslaufbahn ein: Bis zu seiner Pensionierung war er bei der Arbeitsagentur in Lörrach tätig. In seiner Freizeit arbeitete Kornprobst meist zwischen 17 und 21 Uhr als Polizeifreiwilliger. Der freiwillige Polizeidienst in Baden-Württemberg wurde im Mai 1963 eingeführt. Initiator sei der spätere Ministerpräsident Hans Filbinger gewesen, erinnert sich Kornprobst. Der Begriff „Hilfspolizist“ gefällt ihm gar nicht: „Polizeifreiwillige sind Ehrenbeamte und keine Hilfsbeamten der Staatsanwaltschaft.“

Rund einhundert Personen hätten sich damals mit ihm als Polizeifreiwillige beworben, sagt Kornprobst. Übrig geblieben seien etwa 50. Das Führungszeugnis hatte tadellos, die Begründung, weshalb man in den freiwilligen Polizeidienst treten wolle, schlüssig und das Deutsch einwandfrei zu sein, so Kornprobst. Dass die Polizeifreiwilligen körperlich fit zu sein hatten, versteht sich von selbst.

Kornprobst wurde angenommen und eingekleidet, wobei sich die Uniform von der des Berufspolizisten in einigen Details unterschied. Es fehlten die Winkel, später gab es Achselklappen, wobei es für die ersten zehn Dienstjahre einen Querbalken und später alle fünf Jahre einen Balken gab. Kornprobst wurde geschult, auch bewaffnet, musste ein Schießtraining absolvieren und den Dienstführerschein fürs Benutzen des Polizeiautos machen.

Rasch erarbeite sich Ernst Kornprobst das Vertrauen der Kollegen und erhielt verantwortungsvolle Aufgaben übertragen. Seine Waffe übrigens, musste Kornprobst während der fast 30 Jahre kein einziges Mal einsetzen.

Später wechselte Kornprobst zum Unfalldienst. Dort oblag ihm auch die Kontrolle des fließenden Verkehrs. Altersbedingt musste er wie die aktiven Polizisten mit 63 Jahren aus dem Freiwilligendienst ausscheiden.

Ernst Kornprobst, der dieses Jahr 85 Jahre alt wird, war aber nicht nur als Polizeifreiwilliger engagiert, lange Jahre saß er im Steinener Gemeinderat; darüber hinaus bekleidete er noch weitere Ehrenämter, etwa als Schöffe am Landgericht und ehrenamtlicher Arbeitsrichter. Davon zeugen zahlreiche Urkunden und Auszeichnungen.