Weil am Rhein (kd). Als „Blues Harmonica Summit“ wurde die Weiler Bluesnacht vom vergangenen Freitag angekündigt und, um es vorwegzunehmen, die Veranstaltung trug diesen Namen völlig zurecht. Denn die drei Harmonicaspieler Joan Pao Cumellas, Steve Baker und Mitch Kashmar gehören zum Besten, was die Bluesharp-Welt derzeit zu bieten hat. Faszinierend zu erleben, wie drei Musiker ihre unterschiedlichen Wurzeln in ein Gesamtkonzept, basierend auf dem Blues, einbrachten und ein regelrechtes Feuerwerk abbrannten.

Eröffnet wurde der Abend vom spanischen Duo Miguel Talavera am Dobro und Joan Pao Cumellas an der Mundharmonika. Ihre Bandbreite reichte vom traditionellen Countryblues bis zum Irish Folk, einen ersten Höhepunkt setzen die beiden mit ihrer Interpretation von „Rollin‘ and Tumblin‘“, das sie mit einem Flamenco-Intro einleiteten. Immer wieder begeisterte vor allem Joan Pao mit brillanten Soli das Publikum im ausverkauften Gewölbekeller des Alten Rathaus.

Das zweite Set gehörte dem aus London stammenden Steve Baker. Baker interpretierte, unterstützt von den „Blues and Boogie Kings“ den Blues wesentlich moderner. Mit Elementen aus Funk, Jazz und Rock’n‘Roll vermischte er seinen Blues und brachte das Weiler Publikum erstmals zum Tanzen.

Im dritten Teil trat der Kalifornier Mitch Kashmar als Solist in Erscheinung, genauso virtuos wie zuvor Baker und Cumellas, setzte er die Akzente mit traditionellem Chicago Blues und West Coast Swing. Besonders zu erwähnen waren auch die Blues and Boogie Kings mit Andreas Bock (dr), Jan Hirte (g) und Nils von der Leyen (keyb). Alle drei sind in verschiedenen europäischen Projekten tätig, vor einem Jahr haben sie sich zusammengefunden mit dem Ziel, als Begleitband internationale Stars auf die Bühne zu bringen. In dieser Rolle sind sie perfekt, die Band versteht es hervorragend, sich in den Dienst der Solisten zu stellen, andererseits bewiesen auch vor allem Jan Hirte an der Gitarre und Nils von der Leyen am Piano ihre Klasse mit eigenen Soli.

Und dann, zu einem Zeitpunkt an dem andere Konzerte längst zu Ende sind, kam der eigentliche Höhepunkt des Abends, der Summit, der Gipfel… Alle drei Harpspieler betraten gemeinsam die Bühne. Mitch Kashmar sagte den ersten Song ironisch als „Liebeslied“ an, es folgte eine Interpretation des „Evil man“ in dem alle drei abwechselnd mal einzeln, dann zwei- und dreistimmig spielten, dann wieder sich gegenseitig die Bälle zuspielten, und zum Schluss gemeinsam über ein Thema improvisierten. Das Publikum kannte zu diesem Zeitpunkt kein Halten mehr, der Saal tobte und feuerte die Band zu immer neuen Höhepunkten an. Nach einem vierstündigen Konzert waren sich alle Beteiligten einig: Das war eines der großartigsten Blueskonzerte, das jemals im Dreiländereck stattfand.