Von Carina Stefak

Ordentlich Andrang herrschte schon am Broschürentisch im Foyer, und auch einige Schritte weiter im großen Saal brummte es wie im Bienenstock: Das Interesse der Bevölkerung aus Weil am Rhein, aber genauso aus dem Umland an der Infoveranstaltung zum Thema Einbruchschutz war riesig.

Weil am Rhein. Frank Erny von der Kriminalpolizeilichen Beratungsstelle des Polizeipräsidiums Freiburg war genauso überwältigt, wie seine Kollegen Claudia Vogt und Dietmar Goeritz vom Weiler Revier sowie Rechts- und Ordnungsamtsleiterin Ellen Nonnenmacher ob der vielen Interessierten, die teils sogar stehend zuhörten. Zunächst gab Claudia Vogt einen Überblick über die Entwicklung der Einbruchszahlen und legte dar, dass Weil aufgrund seiner Grenzlage nicht nur höhere Zahlen aufweise als andere Gemeinden, sondern diese – entgegen dem Landestrend – sogar zunehmen.

„Wir zeigen Präsenz, fahren regelmäßig Streife, haben Unterstützung von der Bereitschaftspolizei, arbeiten mit der Kripo zusammen und haben einen speziellen Sachbearbeiter auf dem Revier, der praktisch nichts anderes macht, als Einbruchsdiebstähle zu bearbeiten“, umriss Vogt die polizeilichen Aktivitäten. Gleichzeitig unterstrich sie die Bedeutung der Bevölkerung mit dem Appell: „Wir sind auf Hinweise angewiesen. Wenn Ihnen etwas komisch vorkommt, scheuen Sie sich nicht und rufen uns an. Die Bekämpfung dieser Deliktart ist nur durch ein Zusammenspiel zwischen Polizei und Bürgern möglich.“

Frank Erny brachte den Zuhörern Einzelheiten sowohl zum typischen Täterverhalten, als auch zum sinnvollen „Opfer-Verhalten“ näher. Seine Aussagen unterfütterte er mit Anekdoten und statistischen Auswertungen, um Rückschlüsse auf Wahrscheinlichkeiten zu ziehen. Zwischenfragen wurden eifrig gestellt – viele derer, die sich äußerten, sind selbst schon Einbruchsopfer geworden.

Immer wieder kamen dabei Aspekte zur Sicherheitstechnik fürs Haus aufs Tapet, was Erny mit Blick auf den Zeitplan nur streifte und auf eine gesonderte Aktion der Polizei mit einem Info-Truck (Text links) verwies. Generell hielt Erny fest: Auch Neubauten sind nicht unbedingt gut gesichert – Bauherren sollten Handwerker gezielt auf Möglichkeiten der Sicherheitstechnik ansprechen. Und: Mechanischer Einbruchsschutz sei die Grundlage, Elektronik wie Alarmanlagen oder Bewegungsmelder sei nur in Kombination damit wirkungsvoll.

Fakten zum Täter

Jeder kann ein Täter sein, hielt Frank Erny fest und riet den Zuhörern, stereotype Bilder von Einbrechern zu verwerfen. Als Einstiegsstelle sind besonders Fenster beliebt, weil sie sich oft in Sekundenschnelle aufhebeln lassen. Scheiben schlagen die Täter eher selten ein, das macht Krach, und es droht Verletzungsgefahr. Einfamilienhäuser sind häufige Ziele, vorzugsweise in Randlage oder Sackgassen und noch besser ohne Hindernisse wie Mauern, Hecken oder Zäune sowie abschreckende Alarmanlagen. In Mehrfamilienhäusern sind es höher gelegene Wohnungen, weil mit weniger Zeugen zu rechnen ist.

Eingebrochen wird meist in der Dämmerung, wenn gut sichtbar ist, ob jemand zu Hause ist. Am liebsten ist Tätern die Abwesenheit der Bewohner, die sie mit Klingeln oder Anrufen prüfen. „Nehmen Sie den Straßennamen beim Telefonbucheintrag raus“, riet Erny. Aber auch vor der Anwesenheit der Bewohner schrecken Täter nicht zurück und geistern sogar durchs Haus, wenn sie schlafen. Am häufigsten werden Schmuck und Bargeld gestohlen, aber auch kleinere technische Geräte.

Davor

Wer nicht zu Hause ist, sollte seine Anwesenheit vortäuschen, indem er ein Licht anlässt, am besten im Obergeschoss, oder mithilfe eines TV-Simulators. Plant man Urlaub, sollte man das nicht auf Facebook posten, den Anrufbeantworter deaktivieren und den Nachbar bitten, den Briefkasten zu leeren. Garten und Zufahrt sollten nicht extra aufgeräumt werden, Stiefel dürfen draußen bleiben, und das Auto darf quer in der Einfahrt stehen – so als hätte man Besuch. Die Rollläden sollten tagsüber oben sein, sie bieten ohnehin wenig Schutz. „Investieren Sie lieber in gute Fenster.“

Wertsachen sollten nicht im Schlaf- oder Badezimmer, sondern in Kinderzimmer, Keller oder auf dem Speicher aufbewahrt werden. „Das ist umständlich, aber dort sucht keiner.“ Auch sollte kein Geld als Lockmittel ausgelegt werden, in der Hoffnung, dass der Täter zufrieden abzieht: „Wo 50 Euro liegen, sind auch 100.“ Einstiegsstellen sollten gesichert werden und das nicht nur im Erdgeschoss (Balkon). Leitern sollten ein- oder angeschlossen werden. Haustüren rät Erny zweimal abzuschließen und Schlüssel bei Glastüren nicht stecken zu lassen.

Währenddessen

Ein Telefon am Bett ist nie ein Fehler. Wird man von Einbrechern überrascht, kann man sofort die 110 wählen. „Ziehen Sie nicht die Decke über den Kopf, machen sie sich bemerkbar – die meisten Täter ergreifen dann die Flucht“, rät Erny, allerdings nur für den Fall, dass der Täter weit genug weg ist. Wenn er in unmittelbarer Nähe ist, sollte man stillhalten. Erwischt man den Täter auf frischer Tat, sollte man den Flüchtenden nicht festhalten, „er ist mit Schraubenzieher oder Brecheisen bewaffnet“. Wird man angegriffen, was laut Erny selten vorkommt, sollte man sich wehren.

Danach

Stellt man einen Einbruch fest, ruft man umgehend die Polizei, die Spuren sichert und Zeugen befragt. Als Zeuge steht man unter Stress und erinnert sich vielleicht nicht genau. Ungenaue Täterbeschreibungen helfen aber nicht weiter, führen sogar auf die falsche Spur. „Machen sie Fotos und Notizen, achten sie auf markante Merkmale.“ Mit Blick auf Schadensabwicklung und Versicherung sollte man fehlende Wertsachen vorher fotografiert haben – auch um den Besitz nachzuweisen.