Aitern Produkte aus der Region einsetzen

Antonia Wetzel erfreut sich an der Arbeit mit ihren Kühen, auch wenn die Höhenlandwirtschaft in den letzten Jahren nicht einfacher geworden ist.Foto: zVg Foto: Die Oberbadische

Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Gerhard Zickenheiner geht mit einer bunt gemischten Gruppe von Landwirten und Spezialisten den Fragen nach, woran die Landwirtschaft in der Region leidet, wie den Ursachen beizukommen ist und wie man den Absatz regionaler Landwirtschaftsprodukte vor Ort weiter stärken kann. Mit dabei ist auch die Aiterner Landwirtin Antonia Wetzel.

Aitern. Grüne Kreuze, Traktoren vor dem Bundestag, verärgerte Bauern auf der einen Seite, und auf der anderen Kunden, die ungespritztes Obst wünschen und enttäuscht sind, wenn sie hören, dass der Biobauer Kupfer versprüht. Vorwürfe von allen Seiten in alle Richtungen machen klar: Die Stimmung zwischen den Landwirten und den Konsumenten ihrer Produkte ist oft nicht gut, heißt es in einer Pressemitteilung des Grünen-Abgeordneten.

Und die Politik trägt bislang wenig dazu bei, die Situation zu befrieden. Insbesondere eine überbordende Bürokratie und teilweise absurde Kontrollmechanismen, aber auch die fragwürdigen Importkonditionen für Lebensmittel aus Billigproduktionen und die Fördermittel-Verteilung bringen die Landwirte auf die Palme.

Die Gruppe um Zickenheiner einigte sich jüngst auf einen 27-seitigen Bericht „Für eine vielfältige Landwirtschaftskultur in Südbaden“, der in eine Liste von Forderungen an die Politik auf EU-, Bundes- und Landesebene mündet und gleichzeitig Vorschläge für die Kommunikation zwischen Behörden und Landwirten und dem Produktmarketing auf regionaler Ebene beinhaltet.

„Weit und breit kein Nitratproblem“

Um das Ergebnis und dessen Hintergründe zu vermitteln, gab es am Wochenende einen Termin bei Höhenlandwirtin Antonia Wetzel in Aitern.

Dort dreht sich alles um die Kühe und ihren Lebensraum, die Weideflächen. Das Gelände ist steil, die Bewirtschaftung schwierig, die Dürre schränkt zudem die Futterausbeute ein. „Durch die gesetzlichen Vorgaben wegen der Nitrat-Belastung in Deutschland mussten hier alle ihre Gülle-Ausbringung verändern und werden neue, sehr teure Gerätschaften anschaffen können. Zum Teil mit den Schneefällen hier oben unvereinbare Ausbringefristen für die Gülle bringen zusätzlichen Aufwand. Und das alles, obwohl wir hier oben weit und breit kein Nitratproblem haben, bei uns grast durchschnittlich pro Hektar Weide eine halbe Kuh“, berichtete die Landwirtin. Unverständlich ist für sie auch der extreme Kontrollaufwand, den die Landwirtschafts- und Naturschutzbehörden um die Förderung der Höhenlandwirtschaft treiben.

Zickenheiner erläuterte dazu, dass die EU seit 1991 Nitratrichtlinien habe und seit 1996 Deutschland auffordere, seine Wasserprobleme durch Nitrateintrag zu lösen. Das sei immer wieder durch Scheinlösungen und fragwürdige Messmethoden verschleppt worden. Erst seitdem die EU mit Strafandrohungen über dreistellige Millionenbeträge jährlich Ernst mache, reagierten die betroffenen Ministerien hektisch und mit einem Teil der Auflagen flächendeckend, obwohl ganz wesentlich die industrialisierte Massentierhaltung für die Umweltschäden verantwortlich sei.

Unverschuldete, aber teure Nachteile würden sich zum Beispiel für die Höhenlandwirtschaft ergeben, wenn der Neubau der Güllegrube auf einmal wegen neuerdings anfallender Dichtigkeitsanforderungen das Doppelte kostet und für die Gülleausbringung komplett neue Gerätschaften vorgeschrieben sind, die auf normalen Steillagen kaum und an vielen Stellen gar nicht funktionieren.

Ohne Landwirte „ist die schöne Aussicht futsch“

Antonia Wetzel sprach auch einen anderen Punkt an, der sie beschäftigt, wenn Touristen die Ränder der Feldwege zuparken oder meinen, die Feldwege seien für sie erstellt worden: „Der Tourismus ist direkt von einer funktionierenden Landwirtschaft abhängig. Wenn die Höhenwiesen verbuschen, weil die Beweidung nicht mehr lohnt, dann ist die schöne Aussicht futsch. Ich fände toll, wenn auch in Hotels und der Gastronomie deshalb so viel wie möglich Produkte aus der Region eingesetzt würden. Andere Regionen machen das sehr erfolgreich, bei uns auch schon einige wenige, zum Beispiel die Naturpark-Wirte. Das haben ja irgendwie alle, auch die Touristen, begriffen, dass regionales Konsumieren Sinn macht.“

Gerhard Zickenheiner will das gemeinsam Erarbeitete nun auf Landes-, Bundes- und EU-Ebene angehen, um die Konditionen der Landwirte im Südwesten zu verbessern. „Wenn wir weiterhin so viele Höfe wie in den letzten Jahren durch frustrierte Landwirte oder schon vor der Hofübernahme vergraulte Kinder von Landwirten verlieren, dann frage ich mich, wer diese für die Gesellschaft überlebenswichtige Aufgabe leisten soll“, so der Abgeordnete.

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