Auggen „Auggen blüht“ für Wildbienen

Akkurat geschorene Rasenflächen, weitläufige Schottergärten: Der Traum manches Häuslebesitzers, der Albtraum der Wildbiene. Die Initiative „Auggen blüht“ will hier gegensteuern. „Unser Ziel ist es, die Biodiversität im Ort zu erhöhen und damit mehr Pflanzen- und Artenvielfalt zu schaffen“, sagt Hobby-Imker Matthias Runge, der das Projekt gemeinsam mit Imkerkollege Richard Schindler angestoßen hat.

Von Claudia Bötsch

Auggen. Mit im Boot ist inzwischen auch Andreas Stähle. Die Drei wollen dafür sorgen, dass Wildbienen, aber auch andere Insekten und Schmetterlinge wieder mehr Nahrung finden. Außerdem sollen die Tiere auch geeignete Nistmöglichkeiten bekommen.

Möglichst viele Flächen

Die Initiative „Auggen blüht“ ist angelehnt an die Aktion „Blühende Heimat“ von Wildbienen-Experte Manfred Kraft. Über ein Fortbildungsseminar sind Runge und Schindler darauf aufmerksam geworden und haben die Idee ins Winzerdorf geholt. Jetzt wollen sie weitere Mitstreiter gewinnen, um möglichst viele Flächen in Auggen in bienenfreundliche Habitate zu verwandeln.

Mit speziellen Saatgutmischungen, die für die Region passend und zertifiziert seien, will man überall im Ort Blühinseln schaffen – „und damit Inselhopping für Insekten ermöglichen“. Dazu brauche es auch nicht unbedingt große Flächen – „ein kleiner Vorgarten oder ein Balkonkasten tun es auch“, sagt Runge. Wichtig sei, dass die Wildbienen vor allem viele Flächen vorfinden. Denn während die Honigbienen in einem Umkreis von bis zu fünf Kilometern nach Nahrung ausfliegen, schafft es manche Wildbiene gerade einmal auf 80 Meter Flugweite. „Unsere akkuraten Gärten mit englischem Rasen, auf dem keine einzige Blume steht, sind da ein großes Problem – die Insekten finden dort einfach keine Nahrung mehr“, so Runge im Gespräch mit unserer Zeitung. „Und würden wir diese fürchterlichen Schotterwüsten abschaffen, wären wir auch schon einen Schritt weiter.“

Bei zu großer Entfernung von Blühflächen gibt es neben der fehlenden Nahrung noch ein anderes Problem. Denn liegen Flächen zu weit auseinander, finden Insekten auch keine Nachbarpopulationen mehr, um sich fortzupflanzen. Dann droht Inzucht und damit das Aussterben der gesamten Population.

Insektensterben

Bei der Auftaktveranstaltung zu „Auggen blüht“ hat Manfred Kraft, der auch als Obmann für Bienenweiden beim Landesverband badischer Imker fungiert, die Problematik des Insektensterbens und Artenrückgangs deutlich gemacht. So haben intensive Landwirtschaft und Flurbereinigung, aber auch die zunehmende Versiegelung von Flächen und Gärten die Lebensräume der Wildbienen in den vergangenen Jahrzehnten immer kleiner werden lassen. Von insgesamt 580 Wildbienen-Arten fallen mittlerweile knapp 60 Prozent unter die bedrohten Arten.

Nahrung und Nistplätze

Ziel der Blühstreifen-Aktion ist es, dass die bedrohten Insekten wieder die benötigten Bedingungen vorfinden. Neben dem entsprechenden Nahrungsangebot aus heimischen mehrjährigen Blühpflanzen und Gräsern sind auch geeignete Nistplätze von Nöten. Die meisten Wildbienenarten nisten in Erdlöchern. „Große Insektenhotels, wie es sie zu kaufen gibt, dienen eher dem Hersteller als den Insekten“, gibt Runge zu bedenken. Zumal sich 95 Prozent der Wildbienen als solitär lebende Insekten nur selten mit ihresgleichen zusammentun.

Die Initiatoren des Projekts „Auggen blüht“ haben bereits einige Mitstreiter gewinnen können: Privatleute, Betriebe, aber auch die Gemeinde. Mit im Boot sind der Winzerkeller Auggen, die Gärtnerei Krafft-Franken, der Flora Gartenbaubetrieb, das Weingut Krumm und die Sektkellerei Reinecker. Weitere Unterstützung gibt es von den Landfrauen, vom Gewerbeverein und dem Landschaftserhaltungsverband Breisgau-Hochschwarzwald.

Runge berichtet, dass bereits einige private und gemeindeeigene Flächen im Ort bestimmt wurden, auf denen die Saatgutmischung eingesät werden soll. Er verweist zum Beispiel auf eine Fläche neben dem Sportplatz und Ausgleichsflächen an der Bahnbrücke, die bald bienenfreundliche Blüten tragen sollen. Hier sollen auch spezielle Nistmöglichkeiten für die verschiedenen Insekten geschaffen werden.

Die Initiative „Auggen blüht“ freut sich über weitere Unterstützer und Spenden, um die Blühflächen anzupflanzen und Nistplätze zu bauen. Kontakt: Matthias Runge, E-Mail: mitmachen@ auggenblueht.de.

Weitere Informationen unter www.auggen-blueht.de.

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