Auggen Nach 16 Jahren endet eine Ära

Bürgermeister Fritz Deutschmann (l.) erhielt zum Abschied von seinen Stellvertretern Peter Danzeisen und Sabine Baßler ein Luftbild seiner Heimatgemeinde Auggen.Foto: Alexander Anlicker Foto: Weiler Zeitung

Die letzte Sitzung des Auggener Gemeinderats vor der Sommerpause stand ganz im Zeichen der Verabschiedung von Bürgermeister Fritz Deutschmann, der nach 16 Jahren im Amt nicht zur Wiederwahl angetreten war.

Von Alexander Anlicker

Auggen. Selten war in den vergangenen Monaten der Mehrzwecksaal der Auggener Sonnberghalle bei Gemeinderatssitzungen so gut gefüllt wie am Dienstagabend. Vertreter der Auggener Vereine, der Winzerinnen und Winzer, des Gewerbes und Müllheims Bürgermeister Martin Löffler als Vertreter des Markgräfler Bürgermeistersprengels waren gekommen, um Fritz Deutschmann ihre Wertschätzung entgegenzubringen.

„Fritz wollte keine große Verabschiedung. Wir finden aber schon, dass wir nach 16 Jahren eine kleine Feier im Rahmen einer Gemeinderatssitzung machen sollten“, erklärte Bürgermeister-Stellvertreter Peter Danzeisen, und Bürgermeister-Stellvertreterin Sabine Baßler brachte es in alemannischen Worten auf den Punkt: „E glei wengele Abschied muess ma fiire!“

Sie erinnere sich noch gut an den Tag von Deutschmanns Amtseinführung, da sie an diesem Tag als Nachrückerin seinen Platz im Gemeinderat einnehmen durfte, sagte Baßler. Es habe in den vergangenen Jahren sehr unterschiedliche Momente gegeben, manchmal in moll, aber insgesamt hätten die positiven Momente überwogen. Als Beispiel nannte sie die Ernennung Deutschmanns zum Ehrenbürger der französischen Partnergemeinde Châteuneuf-du-Pape.

Als Meilensteine in Deutschmanns Amtszeit führt sie den Bau der Sonnberghalle an sowie die Ansiedlung des Netto-Marktes, mit dem die örtliche Versorgung der Auggener Bevölkerung gesichert wurde. Hinzu kommt das Baugebiet Wohn- und Sportpark, mit dem neuer Wohnraum geschaffen wurde und die Trainingsmöglichkeiten für die Fußballer gesichert wurden. Zu den großen Themen zählte auch die Rheintalbahn, nicht zuletzt, weil die Gemeinde die Tieflage gefordert habe.

„Im Endeffekt ist die Bilanz nach 16 Jahren eine gute gewesen“, sagte Baßler und überreichte gemeinsam mit Peter Danzeisen dem scheidenden Rathauschef ein großes Glasbild mit einer Luftansicht von Auggen als Erinnerung an dessen Heimatgemeinde.

Gelassenheit ist wichtig

Die Glückwünsche des Markgräfler Bürgermeister-Sprengels überbrachte Müllheims Bürgermeister Martin Löffler. „Was sollte jeder Bürgermeister von Fritz Deutschmann lernen? Drei Dinge: gute Nerven, Lebensfreude und Gelassenheit“, hob er Deutschmanns Charakterzüge hervor. Löffler erinnerte daran, dass sich Deutschmann als Kreisrat zehn Jahre lang für die Gemeinde Auggen, aber auch für den Landkreis im Kreistag eingesetzt habe. Darüber hinaus hob er dessen Engagement im Aufsichtsrat der Baugenossenschaft Markgräflerland hervor, wo er tolle Arbeit geleistet habe. Löffler dankte Deutschmann für das freundliche und kollegiale Miteinander sowie dafür, dass er in der Vakanzzeit den Vorsitz im Gemeindeverwaltungsverband Müllheim-Badenweiler übernommen habe. Als Dankeschön überreichte er Deutschmann einen Korb mit Weinen aus den Gemeinden des Bürgermeister-Sprengels.

Dankesworte der Winzer

Die Dankesworte der Winzerinnen und Winzer überbrachte Winzerkeller-Geschäftsführer Thomas Basler. Da Deutschmann vor 16 Jahren das Metier vom Weinbau zur Politik gewechselt habe, habe er bei jeder Winzerversammlung auch ein Heimspiel gehabt, stellte Basler fest und verwies auf die gemeinsamen Themen der vergangenen Jahre. Als Beispiel nannte er die näher an den Winzerkeller heranrückende Wohnbebauung und die Möglichkeit für den Winzerkeller eine Erweiterungsfläche zu sichern. Ein besonderes Thema sei das Winzerfest, bei dem – nach dem Abriss der Alten Winzerhalle – schnell ein gemeinsamer Weg gefunden wurde. Winzer und Gemeinde seien viele Aufgaben gemeinsam angegangen, wie beispielsweise die Werbung für das Winzerdorf.

Die Grüße der Vereine überbrachte Friedrich Kuhn von der Trachtengruppe. Er blickte zurück auf 16 Jahre, „in denen wir uns recht gut vertragen haben und gut miteinander ausgekommen sind“. Für alle Probleme sei immer eine Lösung gefunden worden, stellte Kuhn fest und dankte neben Deutschmann auch dem Team im Auggener Rathaus. „Wir würden uns wünschen, dich und deine Frau Gisela auch weiterhin begrüßen zu dürfen“, sagte Kuhn und übergab Deutschmann einen Bollerwagen mit Präsenten der Vereine.

„Ein Dorf ohne Vereine ist nix, sondern nur Schlafstadt“, entgegnete Deutschmann, der sich von den Grußworten überwältigt zeigte. „Es ist ein seltsames Gefühl zu wissen, dass 16 Jahre Bürgermeister zu Ende gehen“, sagte er. Er freue sich tatsächlich auf die neue Freizeit, blicke aber gerne und mit Demut auf die vergangenen 16 Jahre zurück.

Selbstverwaltung erhalten

Wichtigste Aufgabe sei der Erhalt der Infrastruktur gewesen und die Schaffung von Wohnraum für junge Familien. Besonders hob er die Erweiterung des Gewerbegebiets, die Firmenansiedlung und die Schaffung von Arbeitsplätzen hervor. „Die kommunale Selbstverwaltung muss man sich verdienen. Nur durch die Verbesserung der Einnahmen haben wir unsere Selbstständigkeit bewahren können.“ Er habe die Gewissheit, es zwar nicht allen recht gemacht, aber dem übergeordneten Gemeinwohl gedient zu haben.

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