Basel - Großer Publikumserfolg im vergangenen Jahr, als mit 34 4242 Besuchern ein Fünftel mehr als im Vorjahr kamen, lässt das Schweizerische Architekturmuseum (S AM) in Basel auf künftige Bundesgelder hoffen. Deren Ausbleiben bis 2022 überbrückt das Haus mit Kantonsgeldern und Reserven.

2018 schloss das Architekturmuseum mit „einer schwarzen Null“ ab, wie Stiftungsratspräsident Samuel Schultze vor der Presse sagte. Der Umsatz lag „etwas höher“ als die 1,29 Millionen Franken des Vorjahres und damit auch etwas über dem Budget.

Den positiven Kassenstand verdankt das Haus zum einen seinem Fundraising und seinen Reserven, zum anderen dem Ansturm: Das Plus von gut 20 Prozent der Besucherzahlen sei vor allem der Ausstellung „Bengal Stream“ zur Architektur in Bangladesh zu verdanken, sagte Direktor Andreas Ruby. Auch die Anlässe seien da sehr gut besucht worden. Jene Ausstellung, der auch der Botschafter Bangladeshs seine Aufwartung machte, präsentierte als erste weltweit die Architektur jenes Entwicklungslandes, das in der westlichen Welt eher als Produktionsort billiger Textilien bekannt ist. Die Schau wurde wegen des Andrangs verlängert und darf nach Bordeaux nun im Sommer in Frankfurt gastieren.

Ruby freut sich über die Anerkennung beim breiten Publikum wie in der Fachwelt; der breite Fokus mit unerwarteten Kontextbezügen werde geschätzt. In der Tat war das Angebot 2018 abwechslungsreich, etwa mit einer Videoausstellung zu einer Schweiz-Durchquerung zu Fuß oder (noch bis 5. Mai) urbanen Gegenthesen zu Dichtestress-Gejammer. Auch im angelaufenen Jahr hat das S AM sehr Unterschiedliches im Visier, darunter eine Ausstellung zu raumplanerischen Aspekten der Architektur und eine zum Fluss-Schwimmen in Städten. Diese in der Schweiz beliebte Freizeitbeschäftigung ist weltweit ein Luxus und inspiriert zunehmen Städte im Ausland, etwa Berlin oder New York.

Ausbauen will das S AM daneben seine Basisarbeit, die Vermittlung beispielsweise für Schulkinder. Dies ist ein Teil des Auftrages, der mit den erhöhten Kantonsbeiträgen verbunden ist. Ab 2023 hofft das S AM wieder Bundesmittel zu bekommen, die 2018 ausgelaufen sind. Schultze ist stolz auf den für Museen unüblich hohen Eigenfinanzierungsgrad von fast 72 Prozent (2017). Ein privates Legat erlaube als „Notgroschen“ auch jetzt sorgfältig zu arbeiten. Das schweizweit einzigartige Architekturmuseum, um die Ecke beim Theater Basel gelegen, will nun aber nicht etwa sparen, sondern ausbauen: Das Ausstellungsbudget liegt derzeit ein Drittel höher als im Vorjahr, für die Vermittlung wird eine zusätzliche Stelle geschaffen, und daneben werden IT und Kommunikation erweitert. Möglich macht das eine Defizitgarantie der Trägerstiftung. Diesen hatte das baselstädtische Parlament im Dezember einstimmig bewilligt. Mehreinnahmen sollen auch Sponsoring, Partnerschaften, Mitgliederbeiträge und Gastspiele seiner Ausstellungen generieren. Die Perspektiven des Architekturmuseums sind auch daher nicht so düster, weil es – anders als das inzwischen geschlossene Schweizer Sportmuseum – auch in die neue Museumsstrategie des Stadtkantons passt. Gegründet worden war das S AM 1984 auf private Initiative als Stiftung; seit 2004 hat es seinen Sitz in der Kunsthalle Basel.   www.sam-basel.org